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Smartphones leiden unter der eisigen Kälte

03.02.2012 | 11:05 Uhr |

Sollte man das Smartphone angesichts der eisigen Außentemperaturen unterwegs verwenden? Ein Test zeigt: Lassen Sie die Geräte lieber ausgeschaltet.

Donnerstag auf Freitag war die bisher kälteste Nacht, die Deutschland in diesem Winter erlebt hat. Bis zu -23,6 Grad wurden gemessen. An der extremen Kälte leidet ganz Europa und schuld daran ist das Kälte-Hoch "Cooper". Stellt sich die Frage: Sollte man bei solchen Außentemperaturen das Smartphone nutzen?

Dieser Frage gingen unsere finnischen Kollegen von MikroPC (PC-WELT Finnland) nach und überprüften anhand von 15 gängigen Smartphone-Modellen, ob die von den Herstellern angegebenen Temperaturlimits stimmen. Um die Smartphones auch unter extremer Kälte testen zu können, besuchten unsere Kollegen den "Wetter-Raum" des Technical Research Centre in Finnland. In diesem Wetter-Raum kann die gewünschte Temperatur auf das Grad genau eingestellt werden.

Zu Beginn wurde die Temperatur auf 0 Grad Celsius eingestellt und anschließend solange um jeweils 4 Grad Celsius gesenkt, bis auch das letzte im Test befindliche Smartphone aufgrund der Kälte den Betrieb verweigerte.

Diese Angaben machen die Smartphone-Hersteller

Die Smartphone-Hersteller machen unterschiedliche Angaben zu den Temperatur-Limits für ihre Geräte. Laut Apple sollte das iPhone nur genutzt werden, wenn eine Temperatur zwischen 0 Grad Celsius und 35 Grad Celsius herrscht. Während eines typischen Winters in Deutschland kann das iPhone draußen nur auf eigene Gefahr genutzt werden. Sollte das Gerät aufgrund der Kälte beschädigt werden, ist eine Reparatur eigentlich nicht durch die Garantie gedeckt.

Samsung dagegen garantiert, dass seine Smartphones bei Temperaturen von -20 Grad Celsius bis 50 Grad Celsius problemlos funktionieren. HTC und Nokia machen zu diesem Thema keinerlei Angaben.

Das Ergebnis des Kälte-Tests für Smartphones

Bei 0 Grad Celsius funktionierten - wie nicht anders zu erwarten war - alle getesteten Smartphones problemlos. Bei -5 Grad Celsius kam es zu ersten Ausfallerscheinungen beim iPhone 4S von Apple und beim Nokia N9. Beim iPhone 4S erschien eine Fehlermeldung über einen angeblichen SIM-Karten-Fehler und Nokia N9 behauptete, der Akku sei nahezu leer.

Als die Temperatur dann auf -10 Grad Celsius gesenkt wurde, war es dem iPhone 4S zu kalt. Das Gerät klagte über einen leeren Akku und schaltete sich dann schließlich aus.

Bei -10 Grad Celsius zeigten übrigens alle getesteten Smartphones mit LCD-Bildschirmen Ausfallerscheinungen. Nur die Geräte mit AMOLED-Bildschirmen waren etwas kälte-resistenter. Die meisten getesteten Geräte gaben ihren Geist bei einer Temperatur zwischen -15 und -20 Grad Celsius auf. Selbst Geräte, die scheinbar noch funktionierten, schalteten sich ab, wenn man sie aktiv nutzen wollte.

Handys erwiesen sich letztendlich als besser gewappnet gegen niedrige Temperaturen, als die technisch komplexeren Smartphones. Bei Kälte reagierte das Display zwar langsamer, die Geräte konnten aber noch genutzt werden. Als dann aber -25 Grad Celsius erreicht wurden, gaben auch diese Geräte auf.

Nur eines der getesteten Geräte hielt länger durch: Das Samsung Galaxy S II arbeitete problemlos, selbst als eine Temperatur von -30 Grad Celsius erreicht wurde.

Das Limit - hier wird es allen Smartphones zu kalt

Bei -35 Grad Celsius wurde schließlich eine Temperatur erreicht, bei der alle getesteten Smartphone-Modelle nicht mehr funktionierten. Das Samsung Galaxy S II schaltete sich beispielsweise einfach aus, als versucht wurde, damit zu telefonieren. Nur ein paar Handys funktionierten bei dieser Temperatur weiter. Erst als dann eine Temperatur von -40 Grad Celsius erreicht wurde, gab auch das letzte Gerät auf und schaltete sich ab.

Am längsten hielten den Test die beiden günstigen und älteren Made-in-Finland-Handys Nokia C1-01 und Nokia E65 durch.

Gründe für das Versagen der Geräte bei Kälte

Schuld daran, dass Smartphones & Co. nicht bei kalten Temperaturen genutzt werden können, sind die Akkus. Sinkt die Temperatur zu tief, dann denkt das mobile Gerät selbst bei einem voll geladenen Akku er sei leer. Dafür gibt es zwei Gründe: Die chemische Reaktion innerhalb des Akkus liefert bei sinkender Temperatur immer weniger Energie. Außerdem steigt der interne Widerstand im Akku bei sinkender Temperatur, wodurch die Ausgangsspannung des Lithium-Ion-Akkus fällt. Fällt die Ausgangsspannung zu tief, dann ist das Gerät der Ansicht, der Akku sei leer.

Fazit: Lassen Sie Ihr Smartphone lieber in der Hosentasche

Der Test unserer finnischen Kollegen zeigt: Wenn Sie bei solchen eisigen Temperaturen, die derzeit herrschen, an der frischen Luft sind, sollten Sie das Smartphone lieber in der Hosentasche lassen. Dort ist es kuschelig warm und die Kälte kann ihm nichts anhaben.

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