62602

Bionische Prothesen bald schon Realität

16.04.2006 | 11:26 Uhr |

Künstliche Körperteile ermöglichen das Tragen schwerer Lasten im zivilen oder militärischen Bereich. Sehbehinderte Menschen profitieren von einer videogestützten Brillentechnik.

Die TV-Serie vom “Sechs Millionen Dollar Mann” könnte schon bald Wirklichkeit werden, wenn auch gänzlich ohne Gewalt und Action. So wird aktuell daran gearbeitet, Blinden ihre Sehkraft wiederzugeben oder Handprothesen zu fertigen, mit denen beachtliche Gewichte gehoben werden können. Auf einer kürzlich stattgefundenen Veranstaltung für Ingenieure, Physiker, Biologen und Computer-Wissenschaftler, die sich in der American Association of Anatomists organisiert haben, wurden eben diese Aspekte diskutiert.

Weltweit leiden mehr als 1,5 Millionen Menschen an einer Sehschwäche, die durch das Absterben der für das Sehen verantwortlichen Stäbchen und Zäpfchen verursacht wird. Daniel Palanker, ein Physiker der Stanford Universität in Kalifornien, will die Zellen innerhalb des Auges mit elektrischen Signalen stimulieren, um so das Sehen wieder zu ermöglichen. Sein bionisches Auge besteht aus einem 3mm großen Chip, der in die Retina implantiert wird. Durch die zusätzliche Verwendung einer Brille samt Videokamera, können Bilder in ein Infrarotsignal umgewandelt werden, die dann die Zellen der Regenbogenhaut stimulieren und dort ein sichtbares Bild erzeugen. Bisher wurde das Implantat jedoch nur an Ratten und Hasen getestet, erste Versuche am Menschen sind für die nächsten beiden Jahre geplant.

Homayoon Kazerooni von der Berkeley Universität arbeitet an einer Technologie, die Menschen schwere körperliche Belastungen erleichtern soll. Das sogenannte Berkeley Lower Extremity Exoskelett umgibt den Beinbereich eines Menschen und verfügt über einen Rucksack. Dieser kann aktuell schon mit 90 Kilogramm beladen werden, ohne dass der Träger etwas vom Gewicht spürt. Dank der über 40 Sensoren und einem Hydrauliksystem wird das Gerät ständig mit Informationen gefüttert und kann das Gewicht entsprechend verteilen. Eine militärische Nutzung würde sich anbieten, so könnten Soldaten ihr Marschgepäck transportieren, ohne davon zu ermüden. Doch auch zivile Einsatzmöglichkeiten sind angedacht. Feuerwehrmänner würden beispielsweise sehr von einer solchen Technik profitieren, wenn sie mit schwerem Gerät innerhalb von Treppenhäusern operieren müssten.

0 Kommentare zu diesem Artikel
62602