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Microsoft-Kamerafahrten starten in Deutschland

23.05.2011 | 16:00 Uhr |

Microsofts Kameraautos für Bing StreetSide sind ab sofort in Deutschland unterwegs. Los geht´s im Süden der Republik.

Nach langem hin und her sind Microsofts Kamera-Autos für Bing StreetSide ab sofort auf deutschen Straßen unterwegs und fotografieren diese. Los geht es unter anderem in Nürnberg, Erlangen und Fürth. Kurz danach folgen Augsburg und München. Anschließend ziehen die Microsoft-Kamera-Autos in den Norden. Besucht werden alle deutschen Städte, die über 100.000 Einwohner haben. Jeweils vier Wochen vorher werden die betreffenden Städte und deren Einwohner informiert.

Ursprünglich sollten die Microsoft-Autos bereits seit Anfang Mai durch Deutschland fahren. Der Start verzögerte sich allerdings aufgrund der Bedenken deutscher Datenschützer. Die bayerische Datenschutzaufsicht hatte Microsoft erst Ende letzter Woche die Erlaubnis gegeben, die Daten durch die Kamera-Autos zu erfassen. Die Datenschützer kündigten aber auch zeitgleich an, mit Microsoft weitere Gespräche über die Verwendung der Fotos führen zu wollen. Man gehe aber von einer "gütlichen Einigung" aus.

In den USA hat Microsoft seit 2009 bereits über 50 US-Städte für Bing StreetSite erfasst. Seit April 2011 werden britische Städte fotografiert. In Deutschland erfolgt die Bilderfassung laut Angaben von Microsoft in Zusammenarbeit mit Navteq. Mittels einer Software werden automatisch alle Gesichter und Autokennzeichen auf den Bildern unkenntlich gemacht. Außerdem können auf Anfrage auch Bilder unkenntlich gemacht werden, auf denen Gesichter oder Wohnhäuser zu sehen sind.

Laut der FAQ von Microsoft werden auch Daten über verfügbare Funknetze erhoben. "Im Rahmen dieser Erhebung werden ausschließlich Daten wie BSSID (auch MAC-Adresse genannt), die Signal-Stärke und der Funktyp des WLAN gesammelt", so Microsoft.

Microsoft hält sich bei der Erstellung und Verarbeitung der Bilder an den Datenschutzkodex für Geodienste , der auch von dem IT-Branchenverband Bitkom mitgetragen wird. Der Datenschutzkodex für Geodienste wurde Anfang März 2011 auf der CeBIT in Hannover vorgestellt und dem damaligen Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière übergeben. Der Kodex wurde von folgenden acht Unternehmen unterzeichnet: Microsoft, Google, Deutsche Post DHL, Deutsche Telekom, ED Encourage Directories, Nokia, Panogate und Panolife.

Die Kernpunkte des Datenschutz-Kodex für Geodatendienste :
1. Zentrale Plattform: Es wird ein zentrales Internetportal für Informationen und Widersprüche geben – als einheitliche Anlaufstelle. Dort erfahren Bürger, wie die Dienste funktionieren, ob  ihre Stadt schon erfasst ist und welche Rechte sie haben.

2. Widerspruch mit wenigen Klicks: Im zentralen Webportal gibt es Links, die direkt auf die Widerspruchsseiten aller beteiligten Anbieter verweisen. Auf den Seiten der Anbieter kann dann mit einer direkten Markierung der Gebäude beantragt werden, Fassaden unkenntlich zu machen.

3. Datensparsamkeit: Für Online-Widersprüche genügt die Angabe einer E Mail-Adresse. Weitere persönliche Daten werden nicht verlangt.

4. Widerspruchsmöglichkeit auch ohne Internetanschluss: Wer Widersprüche nicht online einlegen kann oder will, kann bei allen beteiligten Panorama-Diensten mit einem einheitlichen Formular per Brief widersprechen.

5. Automatische Verpixelung: Gesichter und Kfz-Kennzeichen werden ohne Antrag automatisch unkenntlich gemacht, auf Wunsch auch ganze Personen und Autos.

6. Telefonische Beratung: Es wird eine kostenlose telefonische Beratungsstelle geben, die Fragen zu den Panorama-Diensten beantwortet und Bürger bei Widersprüchen unterstützt.

7. Vorab-Informationen: Die Anbieter informieren auf ihren eigenen Webseiten und über das zentrale Internetportal mindestens einen Monat im Voraus über geplante Aufnahmefahrten.

8. Transparenz: Die Anbieter informieren verständlich und an leicht auffindbarer Stelle über Widerspruchsmöglichkeiten und Datenschutzregeln.

9. Einheitliches Logo: Mit einem einheitlichen Logo weisen die Unterzeichner auf ihrer Webseite auf den Kodex hin.

10. Kontrollen und Sanktionen: Für die Unterzeichner ist der Kodex verbindlich. Es werden Kontrollen und Sanktionen eingeführt, um die Einhaltung der Vorgaben sicherzustellen.

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