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Bill Gates-Hoax: Microsoft fast machtlos

30.03.2006 | 10:48 Uhr |

Seit einiger Zeit kursiert wieder ein seit 1999 bekannter Hoax, der sich als Mail-Beta-Test von Microsoft ausgibt und für jede Weiterleitung eine Geldprämie verspricht. Die neue Variante enthält zudem einen pikanten Zusatz: "Bill Gates verteilt sein Vermögen". Wie reagiert der Riese aus Redmond auf solche Kettenbriefe? Die PC-WELT fragte bei Microsoft nach.

Leicht verdientes Geld dank Microsoft verspricht ein derzeit kursierender Kettenbrief. Dabei handelt es sich um einen schon reichlich angestaubten Mail-Hoax aus dem Jahre 1999, der jetzt offensichtlich wieder zum Leben erweckt wurde ( die PC-WELT berichtete ). Wie reagiert Microsoft auf diese Ketten-Mail?

Microsoft ist von diesem Hoax nicht begeistert, aber bis zu einem gewissen Grad machtlos. Das musste Thomas Baumgärtner, Pressesprecher für Security und Copyright bei Microsoft Deutschland, gegenüber der PC-WELT einräumen. Denn in Deutschland gibt es kein Gesetz gegen Spam, das Microsoft als Rechtsgrundlage für ein juristisches Vorgehen gehen Hoaxes, die das Unternehmen und Bill Gates durch den Kakao ziehen, dienen könnte. Deshalb müsse Microsoft nach Hintertürchen suchen, um die Verbreiter solcher Kettenbriefe doch vor den Kadi bringen zu können.

Ein solcher Trick ist zum Beispiel eine Anzeige wegen unlauteren Wettbewerb. Das geht beispielsweise in Fällen, in denen die Hoax-Schöpfer ihre Kettenmails von Hotmailadressen aus versenden. Hier werden also Hotmail-Aliase für Werbezwecke missbraucht – und dagegen klagt dann Microsoft. Ein ziemlich umständlicher Umweg, aber angesichts der Rechtslage geht es in Deutschland eben nicht anders, wie Baumgärtner bedauert.

Eine andere Möglichkeit für eine rechtliche Handhabe besteht in Fällen, in denen die Hoaxes von angeblichen Microsoft-Firmenadressen stammen. Hier kann man vielleicht in Richtung Betrug argumentieren. Wenn das aber – wie im aktuellen Bill Gates-Hoax – nicht der Fall ist, kann Microsoft keine Anzeige wegen Betrugs erstatten. Denn der Versender der Kettenmails betrügt niemanden, die Empfänger werden ja nicht finanziell geschädigt, sondern nur – flapsig formuliert – zum Narren gehalten. Anders wäre die Rechtslage, wenn es sich bei diesen Kettenhoaxes um PhisinGoogle-Mails handeln würde, doch das in den uns bekannten Mails nicht der Fall.

Verblüffend ist die Liste der Personen, die den Bill Gates-Hoax tatsächlich weiterleiten. In den uns vorliegenden Mails ist von etablierten Managern, teilweise sogar aus IT-Unternehmen die Rede. Baumgartner bestätigte unsere Beobachtung, tatsächlich fallen renommierte Führungspersonen aus der Wirtschaft auf diesen Hoax herein und leiten die Mail – offensichtlich mit Dollarzeichen in den glänzenden Augen - gleich an etliche Bekannte weiter. Hier schaltet hemmungslose Geldgier den Verstand ab.

Natürlich wollten wir wissen, ob sich seit dem erstmaligen Auftreten dieses Hoaxes im Jahr 1999 schon einmal jemand bei Microsoft gemeldet und Geld gefordert hat. Baumgartner verneinte das. Ob wohl immer noch einige Versender auf den Scheck von Microsoft warten…?

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