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"Wollen Diskurs anregen"

25.10.2009 | 14:13 Uhr |

Heute werden im Wiener Rabenhoftheater zum mittlerweile elften Mal die Österreichischen Big Brother Awards (BBA) vergeben. Mit dem Negativpreis werden alljährlich jene Personen, Institutionen, Behörden und Firmen ausgezeichnet, die sich im Feld der Überwachung, Kontrolle und Bevormundung ganz besonders verdient gemacht haben. Zu den diesjährigen Nominierungen zählen unter anderem ÖBB-Chef Peter Klugar, Innenministerin Maria Fekter, die Oberösterreichischen Grünen sowie die Internetkonzerne Facebook, Google und Amazon.

"Mit der BBA-Verleihung wollen wir Trends und Tendenzen aufzeigen, durch die heute Menschenrechte verletzt bzw. die Freiheiten der Bürger eingeschränkt werden", fasst Christian Jeitler von der Datenschutzorganisation quintessenz , einem der Hauptorganisatoren der Awards, gegenüber pressetext die generelle Zielsetzung zusammen. Letztendlich solle dadurch ein Nachdenkprozess und ein öffentlicher Diskurs rund um das Thema Überwachung in Gang gesetzt werden.

Österreich ist aber nur eines der Länder Europas, in der die Datenschutz-Negativpreise vergeben werden. Auch in Deutschland und der Schweiz werden in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal BBA -Preisträger gekürt. "Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz haben wir in Österreich einen Vorsprung von einem Jahr. Die erste Award-Verleihung hat 1998 in Großbritannien stattgefunden. Ein Jahr später haben wir dann auch hierzulande dieses Konzept aufgegriffen und in Kontinentaleuropa hochgetrieben", erläutert Jeitler.

In Deutschland wurden die diesjährigen BBA-Gewinner bereits vergangenen Freitag gekürt. Neben Bundesministerin Ursula von der Leyen, die für ihre Forderung nach einem System zur Inhaltskontrolle im Internet "geehrt" wurde, zeichnete die deutsche Jury auch Wolfgang Schäuble für sein Lebenswerk aus. In der Kategorie "Arbeitswelt" konnte die Firma Claas Landmaschinen für die Entwicklung eines satellitengestützten Tracking-System das Rennen für sich entscheiden.

Während die Preisträger in der Bundesrepublik bereits feststehen, müssen sich die Bürger in Österreich und der Schweiz noch bis zum Sonntag- bzw. Samstagabend gedulden, um herauszufinden, wer 2009 die größten Datenschutz-Übeltäter waren. "Konkrete Prognosen zu den diesjährigen österreichischen Favoriten kann ich leider keine abgeben. Unter den Nominierungen finden sich aber einige Dauerbrenner wie etwa das Innenministerium, Wiener Wohnen oder verschiedene Internetkonzerne", betont Jeitler auf Nachfrage von pressetext.

Bei den Eidgenossen in der Schweiz gehören in diesem Jahr unter anderem das Stadtparlament Chur (Polizeigesetz mit Videoüberwachung), das Bundesamt für Sport BASPO (Zentrale Datenbank), die Swisscom (Zugriff auf WLAN- und Routerdaten) und Google (Street View) zu den BBA-Nominierungen . (pte)

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