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Banken starten Feldzug gegen Aktien-Spammer

12.08.2008 | 13:33 Uhr |

Um kriminellen Akien-Spammern das Handwerk zu legen, holen Finanzdienstleister nun mit einer eigenen Software zum Gegenschlag aus.

Wie das Handelsblatt berichtet, soll damit vor allem die sogenannte Taktik des "Pump and Dump" eingedämmt werden. Dabei hacken Betrüger unter anderem private Aktiendepots und verkaufen die Bestände. Anschließend werden fast wertlose Nebentitel, sogenannte "Penny-Stocks", erworben, die dadurch im Aktienwert steigen bzw. künstlich "aufgepumpt" werden. Der US-Sicherheitsspezialist VeriSign hat nun den ersten sogenannten "Pump&Dump-Service" im Rahmen seiner Betrugsabwehr ins Leben gerufen. Kunden des Softwareunternehmens sind neben Banken wie HSBC auch der Broker Charles Schwab. Aktuelle Betrugsfälle in den USA dürften Experten zufolge bei den Banken inzwischen zu einem Umdenken geführt haben, die Finanzdelikte eindämmen zu wollen.

"Obwohl die Anleger wegen der gesamtwirtschaftlichen Eintrübung im Zuge der Finanzkrise derzeit zurückhaltender und damit nicht mehr so anfällig auf Aktien-Spam geworden sind, ist das Problem nach wie vor akut und die Kuh somit noch längst nicht vom Eis", unterstreicht Volker Pietsch, Vorstand des Deutschen Instituts für Anlegerschutz (DIAS), im Gespräch mit pressetext. Laut dem Experten hätten sich zwar die Rahmenbedingungen für Aktien-Spam geändert, dennoch müssten die Banken selbst noch weiter an der Verbesserung der Problemwahrnehmung arbeiten. "Erst wenn man auch weiterhin für Aufklärung sorgt und Bankkunden über deren potenziell bestehende Leichtgläubigkeit informiert, kann eine Verbesserung erzielt werden", so Pietsch. Hintergrund für die aktuelle Bankeninitiative, sich mit Software gegen die Angriffe zur Wehr zu setzen und Kunden zu schützen, ist der Fall des 2001 erst 15-jährigen Schülers Jonathan Lebed.

Dem Jugendlichen war die US-Börsenaufsicht SEC auf die Schliche gekommen, als sich dieser unter verschiedenen Decknamen in Web-Aktienforen mit dreisten Lügen nahezu wertlose Papiere hochgeschrieben und später seine Bestände verkauft hatte. Daraus ergab sich ein mehr als lukrativer Tagesgewinn über rund 74.000 Dollar. Nachdem Lebed die ihm im Verhör zur Last gelegten Vorwürfe bestätigte, musste dieser 285.000 Dollar Strafe an die Behörde zahlen. Für einen Großteil der international agierenden Banken liegt ein Hauptproblem somit in der Vielzahl vermeintlicher Insidertipps per E-Mail, die mit Headlines wie "Stock Alert", "Der nächste Super-Gewinner" oder "Break Out Situation" leichgläubige Anleger zu überzeugen versuchen. "Wenn Banken nun Software einsetzen wollen, um unnatürliche Handelsvolumen frühzeitig zu erkennen und darauf aufbauend Maßnahmen ergreifen wollen, begrüßen wir dies", so Pietsch gegenüber pressetext.

Die geplante Software soll auf Basis umfassender Finanzmarkt-, Bank- und Kundendaten bereits bei der Ordereingabe erkennen, ob es sich um eine aktuelle "Pump-Aktion" mit einem der unzähligen Nebenwerte handelt. So soll künftig in Echtzeit nachgeprüft werden, ob vor der Ordererteilung ungewöhnlich viele Transaktionen stattfanden und ob weitere Kunden der Bank gerade überraschend das obskure Papier erwerben wollen. Auch wird die Order mit dem "klassischen" Kaufmuster verglichen und der sogenannte "Hacker-Test" durchgeführt. Kommt die Software zu dem Ergebnis, dass der Verdacht besteht, dass das Aktiendepot gehackt wurde, soll dem Inhaber unverzüglich eine SMS mit der Bitte um eine ausdrückliche Bestätigung der Order geschickt werden. Der Software-Einsatz scheint nötig zu sein, da Virenexperte Symantec mittlerweile davon ausgeht, dass mit Ende 2007 fast 23 Prozent des Spams nicht mehr Viagra oder Kredite verkaufen, sondern dem Aktienbetrug dienen. (pte)

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