82530

Benq-Siemens-Logo schmückt Trikots von Real Madrid

12.07.2006 | 15:45 Uhr |

Fingerspitzengefühl ist nicht jedermanns Sache. Gestern bestätigte Benq-Mobile/Benq-Siemens den Verlust von mehr als 500 Arbeitsplätzen in Deutschland. Heute verkündete der Handy-Hersteller stolz, dass der berühmte spanische Fußballverein Real Madrid erstmals in der kommenden Saison 2006/2007 mit dem Logo von Benq-Siemens auf der Brust auflaufen wird.

Zum Start der spanischen Primera División am 26./27. August schmückt das Logo von Benq-Mobile/Benq-Siemens die Trikots von Weltstars wie Ronaldo, Raul, Casillas, Robinho und Sergio Ramos (Zinédine Zidane spielte übrigens bis zur abgelaufenen Saison auch bei den "Königlichen"). Benq-Siemens/Benq-Mobile ist nämlich Hauptsponsor von Real Madrid, wo Ronaldo und Konsorten unter Vertrag stehen.

Benq-Siemens hat das neue Vereinstrikot der "Königlichen" heute vorgestellt. Auf http://www.benq-siemens.com/realmadrid können Sie das Trikot von allen Seiten bewundern. Bereits während des Trainingslagers ab Ende Juli und auf der anschließenden Sommer-Tour in Nordamerika wird das Team die neuen Trikots und damit auch das Benq-Siemens-Logo einem internationalen Millionen-Publikum präsentieren, wie die Pressestelle des Unternehmens heute mitteilte. Laut Benq-Siemens hat Real Madrid weltweit 450 Millionen Fans. Die Real-Anhänger sieht Benq-Mobile offensichtlich als potenzielle Käufer seiner Mobiltelefone.

Benq-Siemens hat den Popularitätsschub auch dringend nötig. Der Handy-Hersteller verlor zuletzt ständig Marktanteile und hält derzeit weltweit nur noch 3,5 Prozent am Handymarkt. Deshalb baut das Unternehmen Arbeitsplätze in Deutschland ab. Nachdem schon einige Tage lang Informationen durchsickerten, nannte Benq-Siemens gestern Details:

So streicht der Konzern insgesamt mehr als 500 Arbeitsplätze in Deutschland. 277 Benq-Siemens-Mitarbeiter müssen in der Zentrale in München gehen. Benq-Mobile will den betroffenen Mitarbeitern Aufhebungsverträge anbieten. Außerdem beendet Benq-Mobile die Zusammenarbeit mit 250 externen Mitarbeitern in München und Kamp-Lintfort.

Insofern hat Benq-Siemens den Zeitpunkt für die Bekanntgabe des Real-Madrid-Deals denkbar unpassend gewählt. So manch ein Mitarbeiter von Benq-Siemens dürfte das Timing als ausgesprochen taktlos empfinden.

Nachtrag 13.07.2006: Stellungnahme von Benq-Mobile/Benq-Siemens gegenüber der PC-WELT

Benq-Siemens hat auf unsere Nachricht reagiert und uns angerufen. Stefan Müller, Leiter der Pressestelle von Benq-Mobile, erklärte uns die Gründe für den unglücklich erscheinenden Zeitpunkt der Bekanntgabe des Real-Madrid-Deals.

Müller betonte, dass Benq-Siemens vertraglich an den spanischen Traditionsverein und an Adidas gebunden sei. Benq-Siemens könne den Zeitpunkt der Bekanntgabe nicht frei wählen, das Unternehmen müsse sich an die vertraglich vereinbarten Termine halten, die sich wiederum an sportlichen Großereignissen, am Saisonstart und anderen Verpflichtungen von Real Madrid orientieren würden. Dabei könne man keine Rücksicht auf andere Vorgänge im Unternehmen, wie beispielsweise Entlassungen, nehmen. Es sei somit nicht möglich gewesen, die neuen Real-Trikots mit dem Benq-Siemens-Aufdruck beispielsweise erst eine Woche später vorzustellen.

Benq-Siemens ist ein defizitäres Unternehmen, wie Müller betonte, und muss handeln, um den Standort und den Fortbestand von Benq-Siemens insgesamt zu erhalten. Um die Marktposition eines Endconsumer-orientierten Unternehmens wie Benq-Siemens zu stärken, sei ein möglichst großer Bekanntheitsgrad erforderlich. Dafür sei die Kooperation mit Real Madrid sehr hilfreich.

Benq Mobile schrumpft Standort in München (PC-WELT Online, 04.07.2006)

Benq Mobile feuert aus allen Rohren – Mitarbeiter (PC-WELT Online, 04.07.2006)

0 Kommentare zu diesem Artikel
82530