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Benq-Mobile: Kein Verkauf der Handy-Sparte, aber...

21.09.2006 | 12:59 Uhr |

Benq-Mobile steckt offensichtlich in größeren Schwierigkeiten, als das Unternehmen lange Zeit zugeben wollte. Nachdem alle bisherigen Sparmaßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führten, wird jetzt über weitere Fabrikschließungen und sogar über den Verkauf der gesamten Handy-Sparte spekuliert. Letzteres dementierte das Unternehmen der PC-WELT gegenüber, bei der Handy-Produktion gibt es aber Veränderungen.

Die Verkaufszahlen von Benq-Mobile zeigen nach unten, der weltweite Marktanteil des taiwanischen Handyherstellers fiel im 2. Quartal 2006 auf gerade noch 3,2 Prozent. Benq reagierte mit umfassenden Sparmaßnahme, reduzierte beispielsweise deutlich die Zahl seiner Mitarbeiter ( die PC-WELT berichtete ) und kürzt seinen Managern das Gehalt (das hat Benq-Mobile allerdings mittlerweile dementiert). Zuletzt wurde auch der CeBIT-Auftritt 2006 abgesagt . Doch das scheint alles nicht zu reichen, um das rote Zahlen schreibende Unternehmen wieder in ruhige Fahrwasser zu bringen.

Seit gestern macht die Meldung die Runde, dass Benq vor den Problemen seiner Mobilfunksparte kapitulieren und den gesamten Bereich verkaufen oder outsourcen würde. Albert Lin, Sprecher von Benq-Mobile, bezeichnete diese Berichte recht wortkarg als "Spekulation". Stefan Müller von der Pressestelle von Benq-Mobile äußerte sich gegenüber der PC-WELT eindeutiger: "Wir dementieren in aller Deutlichkeit das Gerücht, dass Benq plane, die Sparte Benq-Mobile zu verkaufen. Erst vor vier Wochen hat im Rahmen der Veröffentlichung der Quartalszahlen der Chairman von Benq, KY Lee, sein Commitment zu der Handysparte öffentlich unterstrichen." Dieses Dementi bezieht sich aber nur auf den Verkauf der Handy-Sparte insgesamt. Es ist aber nicht auszuschließen, dass zumindest die Handy- Produktion ausgelagert wird. So kann man Müllers weitere Worten interpretieren: Zur Meldung, "dass Benq plane, die Fertigung von Handys in Asien und Europa an ein drittes Unternehmen zu veräußern, geben wir keine Stellungnahme, da wir uns grundsätzlich an Spekulationen nicht beteiligen". Man kann also beispielsweise darüber spekulieren, dass Benq künftig seine Mobilfunktelefone woanders fertigen lässt und dann unter dem eigenen Markennamen Benq-Mobile verkauft.

Immerhin gab Benq-Mobile aber bereits im August zu, zum Jahresende 2006 eine Fertigungslinie für Mobiltelefone in einer Fabrik in Mexiko schließen zu wollen (die PC-WELT berichtete). Jetzt plant Benq aber zusätzlich die Schließung einer weiteren Handy-Fertigung auf Taiwan. Müller gegenüber der PC-WELT: "Auch im Benq-Werk in Taouyuan in Taiwan werden mehrere Handy-Fertigungslinien bis Jahresende geschlossen, die Fertigung von anderen Benq-Produkten ist davon nicht betroffen". Dabei werden 100 Mitarbeiter entlassen beziehungsweise in den Ruhestand geschickt oder auf andere Benq-Standorte verteilt, wie aus Branchenkreisen zu erfahren war.

Die "Benq Mobile GmbH & Co. OHG" hat ihren Firmensitz in München. Das Tochterunternehmen von Benq entstand aus der Verschmelzung von Benqs eigener Handy-Sparte mit Siemens-Mobile, dem Mobilfunkbereich von Siemens. Der Münchner Elektronik-Riese zahlte seinerzeit Benq sogar noch etwas dafür, dass die Taiwanesen die bereits damals schwer angeschlagene Siemens-Mobile übernahmen. Benq hoffte, dass angeschlagene Unternehmen bald wieder in die schwarzen Zahlen bringen zu können, doch ist dieses Vorhaben bis jetzt gescheitert, stattdessen setzte sich der Abwärtstrend von Benq-Mobile ( das übrigens Hauptsponsor des spanischen Traditionsvereins Real Madrid ist ) verstärkt fort.

So konnten sowohl Marktführer Nokia als auch der Zweitplatzierte Motorola und Sony Ericsson (die Nummer 4 unter den Handy-Produzenten) ihre Marktanteile vom 2. Quartal 2005 zum 2. Quartal 2006 steigern. Samsung Electronics als drittgrößter und LG Electronics als fünftgrößter Handy-Hersteller mussten einen kleinen Rückgang hinnehmen. Dahinter folgt auf Rang 6 Benq-Mobile mit einem Marktanteil von nur noch 3,2 Prozent im Vergleich zu 4,8 Prozent im 2. Quartal 2005. Zudem machte Benq-Mobile in den letzten drei Quartalen Verluste (alle Zahlen basieren auf den Angaben der Marktforscher von Gartner).

Angesichts der anhaltenden Probleme von Benq-Mobile und den Produktionsstillegungen in Mexiko und Taiwan stellt sich natürlich die Frage nach möglichen Konsequenzen für die deutschen Standorte. Müller äußerte sich der PC-WELT gegenüber diesbezüglich folgendermaßen: "Zu den deutschen Standorten gibt es keinen neue Einschätzung. Im Werk Kamp-Lintfort in NRW, wo neben der Fertigung von Handys auch Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten angesiedelt sind, hat der bestehende und im Sommer verlängerte Ergänzungstarifvertrag bis Ende des Jahres Bestand. Wir werden, wie mit den Verhandlungspartnern bei der Verlängerung des ETV gemeinsam beschlossen, uns im Oktober wieder gemeinsam an einen Tisch setzen, um über die Zeit ab dem 01.01.2007 zu sprechen. In der Münchner Zentrale wird der Anfang Juli angekündigte Abbau von 277 Stellen ohne betriebsbedingte Kündigungen realisiert."

Gerücht: Benq plant Verkauf seiner Handyproduktion (21.09.2006)

Benq und Benq Mobile sagen CeBIT 2007 ab (PC-WELT Online, 18.09.2006)

Bericht: Benq verschärft den Sparkurs und kürzt Gehälter (PC-WELT Online, 07.08.2006)

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Benq Mobile feuert aus allen Rohren – Mitarbeiter (PC-WELT Online, 04.07.2006)

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