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E-Government ist für die meisten kein Thema

14.04.2008 | 13:45 Uhr |

Das Internet scheint bei den Bundesbürgern keine Rolle zu spielen, wenn es um ihre Kommunikation mit den Behörden geht.

Da können sich Bundesregierung und Behörden noch so sehr mühen, ihre Dienste über das Internet anzubieten: Die meisten Bundesbürger wissen nicht einmal davon. Das belegt eine Studie der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) . Demnach kennen mehr als zwei Drittel der über 1000 befragten Bundesbürger (71 Prozent) die Online-Angebote der Behörden überhaupt nicht oder haben lediglich davon gehört. Und nur fünf Prozent nutzen Online-Dienste zur Erledigung von Angelegenheiten wie Arbeitsuche, Einkommensteuererklärung, KFZ-Zulassung oder polizeiliche Meldung. Das sind vor allem die 14 bis 39-jährigen. Und mehr als 20 Prozent der Befragten dieser Internet-affinen Gruppe wünschen sich weitere Online-Angebote.

Behindert wird die Entwicklung nach wie vor von Sicherheitsbedenken: Fast ein Drittel der Befragten gab an, deswegen E-Government-Seiten zu meiden. Komplexität oder fehlende Nutzerorientierung des Angebots wurden dagegen kaum kritisiert. Laut Rainer Bernnat, Geschäftsführer bei Booz Allen Hamilton, trägt vor allem das Fehlen von einheitlichen gesetzlichen Standards die Schuld an der enttäuschenden Situation. Zudem müssten Bürger und Wirtschaft stärker in den Mittelpunkt gerückt werden, "damit ein wahrnehmbarer und messbarer Nutzen entsteht." Frankreich gehe hier mit gutem Beispiel voran. Dort haben Behörden und Unternehmen ein Verfahren entwickelt, mit dem ein Bürger nach einem Umzug mit einer einzigen, einmaligen Online-Meldung alle relevanten Stellen über die neue Adresse informieren kann

Auch in einem Ländervergleich der EU-Kommission zum Reifegrad des Online-Nutzwertes belegten die Deutschen im vergangenen Jahr nur einen durchschnittlichen Platz. Und im diesjährigen E-Governance-Index der Vereinten Nationen fiel Deutschland auf den 22. Rang zurück. Das statistische Bundesamt veröffentlichte Ende Februar dagegen eine Studie , die zu wesentlich besseren Ergebnissen kommt.

Damit E-Government sein volles Potenzial in Deutschland entfalten kann, haben die Berater von.Booz Allen Hamilton ein Zehn-Punkte-Programm entwickelt. Zentrale Themen sind dabei die Einbindung der Nutzer und die klare Ausrichtung der Services auf ihre Bedürfnisse. Gefordert wird zudem ein professionelles Kommunikationskonzept für die IT-Sicherheit sowie eine stärkere Kooperation zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Zudem sprechen sich die Berater für Partnerschaften zur Beschleunigung von Online-Angeboten sowie für ein Change-Management-Programm für die Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung aus. (sp)

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