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Beatles im Web nicht Spitze

21.12.2000 | 11:44 Uhr |

Wahre Beatles-Fans erkennt man dieser Tage an ihrer unendlichen Geduld. Sie sind das Warten gewöhnt - von der offiziellen Website ihrer Lieblingsband, die im Gegensatz zu den restlichen Beatles-Produkten noch lange nicht spitze ist. Ein eher mageres Angebot paart sich da mit endlos erscheinenden Ladezeiten und etlichen eher unangemessenen Spielereien. Für echte Fans ist sie aber natürlich dennoch eine Fundgrube.

Wahre Beatles-Fans erkennt man dieser Tage an ihrer unendlichen Geduld. Da kann man sich mit einer Antwort schon mal beruhigt zwei bis drei Minuten Zeit lassen, die Beatles-Fans wird das nicht aus der Ruhe bringen.

Sie sind das Warten gewöhnt - von der offiziellen Website ihrer Lieblingsband. Die wurde pünktlich mit dem Erscheinen der derzeit immer noch an der Chartspitze notierenden Hitsammlung "1" online geschaltet, ist aber im Gegensatz zu den restlichen Beatles-Produkten noch lange nicht spitze. Ein im Vergleich zu vollmundigen Ankündigungen eher mageres Angebot paart sich da mit endlos erscheinenden Ladezeiten und etlichen der Band eher unangemessenen Spielereien.

Wer sich unter http://www.thebeatles.com einloggt, steht zuerst einmal genau dem Angebot der Platte gegenüber. Alle 27 Hits von "1" werden da geführt, und zu jedem Titel gibt es ausführliche Angaben zu Erscheinungsdatum, Platzierungen und Besonderheiten. Zusätzlich geben Fotos, Coverabbildungen sowie kurze Audio- und Videoclips einen akustischen und optischen Eindruck vom Schaffen der Fab Four. Wer allerdings auf die jeweilige Rubrik "Video" klickt, lernt schnell meditative Geduld.

Auch bei einem ordentlich ausgestatteten und per ISDN verbundenen Computer dauert das Laden eines 30-Sekunden-Filmchens zwischen zwei und drei Minuten, in der schnellen Welt des Internets eine mittlere Ewigkeit. Zur Belohnung gibt es allerlei Sehenswertes aus den frühen Tagen, als die Beatles noch Pilzköpfe genannt wurden. Aufnahmen aus dem New Yorker Shea-Stadion sind ebenso zu bestaunen wie rare Studio-Schnipsel, die aber nie wesentlich über eine halbe Minute Spielzeit hinaus kommen.

Dazu erfährt man jede Menge wichtiger und unwichtiger Details, etwa, dass der Titel "Love Me Do" 1962 in Hamburg live gespielt wurde. Eigentliche Attraktion der Beatles-Website sollen allerdings die so genannten "New Features" sein. Die sind lediglich bei elf Songs zu finden und reichen von psychedelischen Zeichentrickfilmchen bei "I Feel Fine" bis hin zum Klangpuzzle, bei dem man acht Teile von "We Can Work It Out" per Mausklick so drapieren muss, dass daraus die erste Strophe des Klassikers wird.

Beim Song "Help" kann man ein Männchen durch bunte Räume laufen und nach Instrumenten suchen lassen, während sich hinter "Yellow Submarine" ein Ballerspiel versteckt, bei dem man auf Blue Meanies und wildgewordene Riesenhandschuhe schießen muss. Bei "Day Tripper" stößt man auf in Seifenblasen aufsteigende Beatles-Köpfe, und bei "Get Back" kann man aus verschiedenen Perspektiven Bilder abrufen vom Dachkonzert, mit dem die Beatles am 30. Januar 1969 in der Londoner Saville Row für Aufsehen sorgten.

Nicht alles macht Freude, aber fast alles dauert lange, so dass man schon mindestens eine Stunde Online-Zeit einkalkulieren muss, will man halbwegs einen Überblick übers Angebot bekommen. Dafür kann man dann unter "Paperback Writer" auch einen Einblick in die Beatles-"Anthology" nehmen, womit sich letztlich der Kreis zwischen verschiedenen Beatles-Produkten schließt. Ein richtiger Beatles-Fan ist eben nur, wer die Platte und das Buch besitzt, stundenlang online geht - und warten kann. (PC-WELT, 21.12.2000, dpa/ pk)

www.thebeatles.com

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