77408

Ballmer droht Linux erneut mit Patentklagen

21.02.2007 | 13:05 Uhr |

Microsoft-Chef Steve Ballmer frönt wieder einmal seinem liebsten Hobby: Sich mit Linux anzulegen. Ungeachtet des Microsoft-Novell-Deals müsse die Linux-Community die Patentrechte von Microsoft respektieren, betonte Ballmer dieser Tage. Und Ballmer legte nach: Microsoft-Produkte seien zwar teurer, aber eben auch besser.

Steve Ballmer, der Chef von Microsoft, ist für seine hemdsärmlige Art bekannt. Einer Auseinandersetzung mit der Konkurrenz geht das Temperamentbündel nie aus dem Weg. Das musste die Linux-Community in der Vergangenheit immer wieder erfahren. Um beispielsweise den Umstieg der Landeshauptstadt München von Windows zu Linux zu verhindern, düste der Mann aus Redmond eigens über den Atlantik. Letztendlich vergeblich, wie wir wissen.

Nach dem Abkommen zwischen Microsoft und Novell könnte man vielleicht denken, dass Ballmer Linux friedfertiger gegenüber stehen würde. Doch weit gefehlt, laut einer US-Nachrichtenseite hat Ballmer jetzt erneut klar gestellt, dass die Linux-Community die Patentrechte der Redmonder Softwareschmiede respektieren müsse.

Die Open-Source-Macher müssten das geistige Eigentum von Microsoft beachten, forderte Ballmer. Gerade das Abkommen mit Novell würde "klar den Wert von geistigem Eigentum zeigen, auch in der Open-Source-Welt", so Ballmer. In dem Vertrag zwischen Microsoft und Novell hatten sich beide Unternehmen dazu verpflichtet, sich gegenseitig nicht mit Patentklagen zu behelligen. Zudem wurden gegenseitige finanzielle Ausgleichszahlungen vereinbart.

Open-Source-Software dürfe nicht zwangsläufig kostenlos benutzt werden, wie Ballmer betonte. Auch wenn viele Anwender Open-Source mit Freeware gleichsetzen würden, sei das nicht zwangsläufig so. Deshalb behalte es sich Microsoft vor, Anbieter von Linux-Distributionen wegen Patentverletzungen zu verklagen. Microsoft hatte sich in der Vergangenheit mehrmals dahin gehend geäußert, dass Linux teilweise Microsofts geistiges Eigentum verletzen würde ( die PC-WELT berichtete ). Allerdings hatten die Redmonder nie die exakten Patente genannt, die angeblich von Linux illegal genutzt würden.

Ob sich hinter Ballmers erneuter Drohung nur ein Einschüchterungsversuch verbirgt oder aber ob Microsoft tatsächlich einmal Linux-Anbieter vor Gericht zerren will, bleibt abzuwarten.

Von seiner Patentdrohung gegen Linux einmal abgesehen, betonte Ballmer erneut den Mehrwert, den seiner Meinung nach Windows-Produkte gegenüber Linux-Produkten bieten würden. Microsoft-Software sei teurer, würde aber auch einen größeren Mehrwert bieten, stichelte Ballmer. Er sei hoffnungsvoll, dass Microsoft besonders auf dem Markt für Webserver (der immer noch deutlich vom kostenlosen Apache dominiert wird) und bei High-Performance-Clustern zulegen könne.

Microsofts Webserver nimmt Apache Marktanteile ab (PC-WELT Online, 06.02.2007)

0 Kommentare zu diesem Artikel
77408