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BBC-Serie: Auschwitz

01.07.2005 | 15:21 Uhr |

In sechs Folgen zu jeweils 45 Minuten zeichnet eine neue Serie der BBC die Entwicklung des Vernichtungslagers Auschwitz nach. Die Dokumentation ist absolut professionell gemacht, dramaturgisch sehr gelungen und äußert beklemmend.

Die jüngste historische Dokumentation der BBC befasst sich mit dem Ort, der wie kein zweiter für den Holocaust steht: Auschwitz. Die Macher zeigen in sechs Folgen zu jeweils 45 Minuten die Entwicklung des Ortes von einer ehemaligen polnischen Armeekaserne zur perfekten Todesmaschine des nationalsozialistischen Massenmordes bis hin zur Befreiung durch die Rote Armee.

Die Dokumentation "Auschwitz" besteht zu einem großen Teil aus spielfilmartigen Szenen, mit denen Schlüsselmomente in der Entwicklung des Lagers und im Leben von Höß, Himmler und Heydrich sowie von anderen Nazi-Größen nachgestellt werden. Außerdem kommen Zeitzeugen in Interviews zu Wort, sowohl überlebenden Lagerinsassen als auch ehemalige SS-Angehörige. Moderne Computeranimationen und historische Filmaufnahmen sowie Bilder vom heutigen Zustand Auschwitzs bilden die weiteren Bestandteile des Sechsteilers.

Die Serie vermittelt am laufenden Band historische Details, die der Masse der Zuschauer großenteils unbekannt sein dürften. Rund um Auschwitz gab es beispielsweise große Kohlevorkommen sowie Wasser und Kalk. Das war der Grund, warum die IG Farben Auschwitz als Produktionsstandort für die synthetische Herstellung von Öl und Gummi wählte. Und damit erst den Grund für den Ausbau des Lagers lieferte.

Auschwitz wurde erst mit dem deutschen Angriff auf die UDSSR zum Vernichtungslager – für russische Kriegsgefangene wohlgemerkt. Zuvor war das von Rudolf Höß geleitete Konzentrationslager für politische Gefangene aus Polen bestimmt. Nach dem Vorbild zahlreicher in Deutschland bereits existierenden Lager. Doch wenige Monate nach dem Überfall auf die UDSSR und besonders ab der so genannten Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 entwickelte sich das Lager schließlich zu einem der Zentren der Judenvernichtung.

Begleitend zur Geschichte von Auschwitz wird zwangsläufig auch die Biografie des Lagerkommandanten Rudolf Höß beschrieben, der aus Dachau das zynische Motto „Arbeit macht frei“ übernommen und über dem Eingang des Lager hat anbringen lassen. Immer wieder wird dazu aus den Memoiren Rudolf Höß vorgelesen.

Wie für die BBC-Serien typisch, geizen die Macher an den Extras. Gerade einmal ein englischsprachiges Interview hat sich auf die zweite DVD verirrt. Es gibt keine Untertitel und keine Sprachauswahl.

Übersicht über die Folgen:

1. Teil: Die ersten Opfer
2. Teil: Die Sklavenindustrie
3. Teil: Die Fabriken des Todes
4. Teil: Verbrechen und Korruption
5. Teil: Der Massenmord
6. Teil: Befreiung und Vergeltung

Fazit: Ein technisch und inhaltlich überzeugend gemachtes und ausgesprochen beklemmendes Dokument der jüngsten Geschichte mit beeindruckendem Filmmaterial und lausiger Zusatzausstattung.

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