99046

Avalanche: Kommende Alternative zu Bittorrent?

17.06.2005 | 13:38 Uhr |

Bittorrent könnte bald eine mächtige Konkurrenz bekommen: Avalanche. Hinter dieser File-Sharing-Technologie steckt ein prominenter Name: Microsoft.

Microsoft entwickelt derzeit unter dem Codenamen "Avalanche" eine Filesharing-Technologie, die es ermöglichen soll, Filme, Software oder andere große Dateien einfach und schnell per Internet herunter zu laden. Die dahinter steckende Technologie ähnelt der bestehender P2P-Systeme (zum Beispiel Bittorrent). Große Dateien werden in kleine Häppchen aufgeteilt und können so einfacher verteilt werden. Auf dem PC wird dann aus den einzelnen Fragmenten die Original-Datei wieder hergestellt.

Derartige Systeme kommen mit Millionen Anwendern zurecht und helfen unter anderem Unternehmen dabei, Kosten zu senken. Denn bei der Verbreitung von Programmen per Bittorrent spart eine Firma die Kosten, die bei einem zentralen Server anfallen würden. Diese tragen im Endeffekt die Anwender.

Ein Problem dieser Systeme ist aber laut Mircosoft, dass Anwender manchmal lange warten müssen, bis sie einzelne "seltene" Teile eines Pakets auch herunter laden können. Beispielsweise weil nicht viele Anwender im Netz diese Datei anbieten, über zu wenig Bandbreite verfügen oder plötzlich offline gehen.

Avalanche soll diese Probleme beheben, erläutert Peter Key, Joint Head der "Systems and Networking Group" bei Microsofts Forschungseinrichtung in Cambridge. Dabei werden alle Teilstücke einer Datei vor der Veröffentlichung auf dem Server mittels eines speziellen Algorithmus kodiert. Somit enthält jede einzelne Datei Informationen von jedem anderen Teilstück der Original-Datei, so Key.

"Jeder kodierte Teil enthält die 'DNA' aller Teilstücke der Datei", erklärte ein weiterer Microsoft-Forscher. Und weiter: "Ein vorhandenes, kodiertes Teilstück kann von jedem Anbieter an Stelle eines beliebigen anderen Stückes genutzt werden".

Im Klartext: Sind genug Teilstücke auf dem am Netzwerk angeschlossenen PC vorhanden, können einzelne, fehlende Teilstücke über die vorhandenen Pakete rekonstruiert werden. Diese neu erstellten Stücke werden dann wiederum anderen Teilnehmern angeboten, so dass der oben erwähnte Flaschenhals nicht mehr entstehen soll.

Zudem verteilt der Avalanche Client auf den PCs die Dateien automatisch unter den Anwendern und diese müssen nicht erst umständlich auf den Festplatten anderer Teilnehmern nach Dateien fahnden, die sie suchen, so Key. Vor allem in kleineren Netzwerken oder Firmen-Intranets soll das System sehr gut funktionieren.

Das leidige Thema Urheberrechtsverletzungen soll Avalanche ebenfalls lösen, indem nur diejenigen Dateien verbreitet werden, die vom Herausgeber signiert wurden.

Ein Prototyp von Avalanche läuft bereits. Über diesen wird Software an Beta-Tester verteilt. Dabei konnte Microsoft eine vier GB große Anwendung innerhalb eines Tages an alle Tester ausliefern, der Einzelversand hätte rund zwei Wochen gedauert, so das Unternehmen.

Die Software könnte daneben auch als Vertriebsweg für TV-Sender oder Filmstudios interessant sein. Laut Key werden derzeit Gespräche mit beiden Gruppen geführt, in England könnte das System bereits im nächsten Jahr eingeführt werden.

0 Kommentare zu diesem Artikel
99046