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Audio- oder Multimedia-Systeme, Navis, eCall und mehr: Die Elektronik in modernen Autos wird immer ausgefeilter. Wir testen die Multimedia- und Multifunktionssysteme von Audi, BMW, Mercedes, Toyota und vielen Herstellern mehr.

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Autofahrer wollen weder Datenkrake noch Facebook im Auto

08.08.2014 | 15:23 Uhr |

Die neue CSC-Studie „Smart Car“ zeigt, was sich Autofahrer von modernen Infotainmentsystemen im Auto wünschen: Mehr Sicherheit und weniger Staus. Und was sich nicht wollen: Datensammler, Facebook und Cloud.

Audi, BMW, Mercedes-Benz, Toyota, Volkswagen und so weiter – alle wichtigen Automobil-Hersteller, insbesondere die so genannten Premium-Hersteller, sind derzeit fast krampfhaft darum bemüht, immer mehr Internet-, App-, Entertainment- und sonstige Konnektivitäts-Funktionen in ihre Fahrzeuge zu packen. Dabei scheinen BMW & Co aber zumindest teilweise an den Interessen der Autofahrer vorbei zu entwickeln. Denn eine neue Studie des IT-Dienstleistungs-Unternehmen CSC mit dem Namen „Autos der Zukunft - Smart Car“ zeigt, dass die meisten Autofahrer einige dieser neuen Funktionen überhaupt nicht wollen.

BMW demonstriert hochautomatisiertes Fahren (PC-WELT-Video)
 
Im Juli 2014 führte CSC eine Umfrage zum Thema „Smart Car“ in Deutschland durch. Unter 1000 Teilnehmern, wobei CSC allerdings keine Angaben zu deren Alter, Bildungsstand und Geschlecht macht.
 
Dabei zeigte sich, dass viele der Befragten Hilfen beim Fahren durchaus zu schätzen wissen: 48 Prozent würden sich freuen, wenn das Fahrzeug bei langen Autobahnfahrten oder im dichten Berufsverkehr automatisiert fahren würde . Immerhin 40 Prozent der Umfrageteilnehmer hielten dieses Feature des hochautomatisierten Fahrens allerdings für unwichtig.

Alle Auto-Tests der PC-WELT auf einen Blick
 
Etwas deutlicher fällt die Zustimmung bei der Frage aus, ob die Navigation durch Echtzeitkommunikation zwischen den Verkehrsteilnehmern besser dabei helfen sollte Staus zu umfahren: 79 Prozent wünschen sich diese optimierte Stauumfahrung. Und sogar 90 Prozent wünschen sich, dass Gefahren- und Unfallstellen mit Hilfe neuer Technologien schneller weiter gemeldet werden. Ebenso freuen sich die meisten Teilnehmer an der Umfrage, wenn moderne Technologien dabei helfen, dass Ampeln längere Grünphasen zeigen.
 
Datenkrake Auto dient als Beweismittel gegen den Fahrer
 
Doch bei der Betrachtung der Unterhaltungsfunktionen moderner Infotainmentsysteme wendet sich das Blatt. Den Zugriff auf in der Cloud abgespeicherte Entertainment-Inhalte wie Musik oder Filme halten 60 Prozent für unwichtig. Auf Facebook & Co im Auto können sogar 72 Prozent der Befragten verzichten. Insgesamt erscheint die Bedienbarkeit moderner Infotainmentsysteme 51 Prozent als nicht intuitiv und 61 Prozent fühlen sich dadurch sogar ablenkt.
 
Diesen Vorwurf der Ablenkungsgefahr sollte man ernst nehmen, in der Tat erfordern moderne Infotainmentsystem viel Aufmerksamkeit vom Fahrer , wie unsere Tests immer wieder beweisen. Nur wenn eine wirklich gute Sprachsteuerung mit einer hohen und zuverlässigen Erkennungsquote vorhanden ist, sinkt das Ablenkungsrisiko. In der Umfrage wünschen sich dann auch prompt 65 Prozent, dass sich das Infotainmentsystem per Sprache steuern lässt.
 
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Zudem spielt die so genannte Blindbedienbarkeit eine wichtig Rolle, sprich: Der Fahrer muss die wichtigsten Bedienelemente blind ertasten und bedienen können. Das ist bei Touchscreen-Elementen nie der Fall, hier vermitteln nur physisch ausgeführte und körperlich spürbare Bedienelemente Sicherheit. Relativ gut klappt die Blindbedienbarkeit bei den Infotainmentsystemen der Premiumhersteller wie beispielsweise BMW ConnectedDrive, weil man das iDrive und dessen benachbarte Tasten relativ gut ertasten kann, während der Blick nach vorne auf das Verkehrsgeschehen gerichtet ist. Insgesamt lassen sich derzeit die Nicht-Touchscreen-Lösungen von Audi, BMW, Mercedes-Benz und Lexus zuverlässiger und sicherer bedienen als die Touchscreen-basierten Infotainmentsysteme der Volumenhersteller.
 
Datenkrake Auto dient als Beweismittel gegen den Fahrer
 
Besonders deutlich wird die Abneigung der Autofahrer gegenüber den Möglichkeiten moderner Technik bei den Fragen nach der Reparaturanfälligkeit und dem Datenschutz: 66 Prozent befürchten, dass moderne Autos durch die Vernetzungstechnologien anfälliger für Pannen werden. Und 67 Prozent haben Angst, dass ihre Fahrdaten in die falschen Hände geraten könnten. Dass diese Befürchtung keineswegs abwegig ist, beweist derzeit ein laufendes Gerichtsverfahren, das für die Zukunft nichts Gutes versprechen könnte.
 
Juristische Probleme, weil durch autonomes Fahren die Schuldfrage bei Unfällen oder Verkehrsverstößen nicht mehr eindeutig sein könnte, beunruhigen 71 Prozent.
 
Die Smartphone-Integration spielt für die Umfrage-Teilnehmer eine eher untergeordnete Rolle. Richtig ärgerlich finden dagegen 72 Prozent, dass das fest eingebaute Infotainmentsystem zu schnell veraltet beziehungsweise die Befragten fordern, dass man es leichter aktualisieren könne. Angesichts der hohen Preise, die viele Automobil-Hersteller für ihre Infotainmentsysteme verlangen, kann man diesen Wunsch gut nachvollziehen.
 
 

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