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Green IT verkommt zum PR-Gag

Die Hälfte der deutschen Firmen hat eine Green-IT-Richtlinie, weitere 27 Prozent wollen eine einführen. Statt eines täglichen Beitrags zum Umweltschutz steht aber oft das Image einer solchen Kampagne im Vordergrund.

Jedes zweite deutsche Unternehmen hat sich eine so genannte Green-IT-Richtlinie auferlegt. In den USA verfügen 44 Prozent über ein solches Regelwerk, in Frankreich bereits drei von vier Firmen (72 Prozent). Das belegt der „Green IT Compass“ des Dienstleisters Accenture. Eine solche Richtlinie legt fest, wie eine Firma ihre ITK-Systeme möglichst umweltschonend einsetzt und Energie sparen will. Jedes vierte Unternehmen in Deutschland plant, solche Regeln in absehbarer Zeit einzuführen (27 Prozent).

„Eine Richtlinie ist gut, aber eben nur der erste Schritt auf dem Weg zur Umsetzung einer grünen Agenda“, sagt Dr. Rolf Kühn, Leiter des Geschäftsbereichs Green IT bei Accenture. „Absichten sind rasch formuliert, besonders, wenn man vor allem auf die positive Außenwirkung abzielt.“ Die Untersuchung geht daher auf die Gründe für Green-IT -Regelungen ein. Dabei treten deutliche Unterschiede zwischen den Ländern zutage: In Deutschland haben 50 Prozent der Unternehmen aus Imagegründen eine Richtlinie für den nachhaltigen Einsatz von IT. Die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit als Motiv folgt mit 48 Prozent. In Frankreich spielt das Image für 56 Prozent die wichtigste Rolle, höhere Wettbewerbfähigkeit allerdings nur für jede vierte Firma (26 Prozent).

Deutschland hinkt bei Virtualisierung hinterher

Beim Einsatz von Virtualisierungstechniken in Rechenzentren bilden Unternehmen mehrere virtuelle Server auf einer physikalischen Maschine nach und setzen dadurch weniger Rechner ein. So sinkt der Energieverbrauch um durchschnittlich 14 Prozent, so ein Ergebnis der Untersuchung (13 Prozent in Deutschland). Dreiviertel der deutschen Unternehmen machen bereits von dieser Technik Gebrauch (72 Prozent). In anderen Ländern ist Virtualisierung allerdings schon weiter verbreitet (USA: 85 Prozent, Frankreich: 81 Prozent, Italien: 78 Prozent).

„Deutschland ist beim Ausrollen neuer Technologien eher konservativ. Daher ist das Ergebnis nicht überraschend“, sagt Rolf Kühn. „In anderen Ländern hat man schon Virtualisierung im produktiven Umfeld eingesetzt, bevor Green IT ein großes Thema wurde.“

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