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Demokraten fordern E-Reader für jeden US-Schüler

19.07.2009 | 14:45 Uhr |

Das Democratic Leadership Council (DLC), eine Non-Profit-Gruppierung um mehrere einflussreiche Mitglieder der Demokratischen Partei, sorgt derzeit mit einem ambitionierten Vorschlag in den US-Medien für Aufsehen.

Geht es nach dem Willen der demokratischen Vordenker, soll nämlich jeder Schüler in den USA so bald wie möglich mit einem elektronischen Lesegerät wie etwa Amazons Kindle ausgestattet werden. Unter dem Motto " A Kindle in Every Backpack " will das DLC dabei zunächst einen Testlauf mit rund 400.000 Schülern durchführen. Falls sich das Programm bewährt, soll die Initiative dann in den kommenden vier Jahren auf die gesamte US-Schülerschaft ausgedehnt werden. Obwohl das Projekt mit geschätzten Kosten von neun Mio. Dollar für die Anschaffung der E-Reader deutlich über dem vergleichbaren Wert liegt, der für die herkömmliche Bereitstellung von gedruckten Textbüchern anfallen würde, sollen so längerfristig nicht nur Einsparungen erzielt, sondern auch die Bildungsqualität generell optimiert werden.

"Die USA lassen sich bislang eine offenkundige Möglichkeit durch die Finger gehen, die durch den Einsatz moderner Technologie die Bildung unserer Kinder dramatisch verbessern könnte", schreibt Thomas Z. Freedman, Senior Fellow der DLC und ehemaliger Senior Advisor von Präsident Bill Clinton, im aktuell vorgelegten Bericht. Das Textbuch, das die Schüler zwischen Zuhause und Schule in ihrem Rucksack herumschleppen müssten, sei inzwischen hoffnungslos veraltet. "Wir dürfen nicht zu lange damit warten, um das zu erreichen, was ohnehin unvermeidbar ist: Ein Bildungssystem, das jedes Schulkind in den USA mit einem elektronischen Lesegerät ausstattet, das mit den aktuellsten interaktiven Lehrmaterialien und Texten befüllt ist", warnt Freedman. Die Vorteile gegenüber der traditionellen Printvariante seien vielfältig. "E-Books lassen sich relativ günstig und unkompliziert updaten und bieten den Schülern eine spannendere Art des Lernens. Ihre Verwendung würde zudem die Bücherlast reduzieren, mit der sich die Kinder täglich in ihrem Rucksack abplagen müssen und somit auch einen positiven Effekt auf deren Gesundheit mit sich bringen", ist Freedman überzeugt.

"Ich stehe diesem Vorschlag ausgesprochen skeptisch gegenüber. Meiner Auffassung nach sind solche Initiativen nicht mehr als pädagogische Träumerei, die im Endeffekt nicht viel Nutzen bringt", stellt Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), gegenüber pressetext klar. Die von der DLC genannten Vorteile von E-Readern gegenüber herkömmlichen Textbüchern seien allesamt an den Haaren herbeigezogen. "Die meisten Lehrinhalte, mit denen Schüler bis zum 17. Lebensjahr konfrontiert sind, haben sich schon seit vielen Jahren nicht verändert. Eine ständige Aktualisierung ist daher nicht erforderlich", betont Kraus. Auch das Gesundheitsargument sei leicht zu entkräften, da neueste Untersuchungen beweisen würden, dass das Tragen von Schulrucksäcken mit einem bestimmten Maximalgewicht in der Regel sogar das Skelett der Kinder stärken könne. "Was den Spaßfaktor von E-Readern betrifft, ist das nur ein momentanes Anfangsargument. Sehr bald würde sich auch hier herausstellen, dass der Lernprozess stets mit Schweiß und Anstrengung verbunden ist", so Klaus abschließend.

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