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Aus für billige Handys

26.03.2001 | 10:33 Uhr |

Schlechte Nachricht für Handynutzer: Verluste in Milliardenhöhe durch die Einführung des UMTS-Standards will die Telekommunikationsbranche offenbar teilweise durch das Aus für verbilligte Mobiltelefone ausgleichen.

Schlechte Nachricht für Handynutzer: Verluste in Milliardenhöhe durch die Einführung des UMTS-Standards will die Telekommunikationsbranche offenbar teilweise durch das Aus für verbilligte Mobiltelefone ausgleichen.

Die vier Telefonnetzbetreiber D1, D2, E-Plus und Viag Interkom sowie Dienstleister wie zum Beispiel MobilCom oder Hutchinson wollen laut Medienberichten künftig Herstellerpreise verlangen. Das Verschenken der Geräte habe die Telefonfirmen allein 2000 mehr als fünf Milliarden Mark gekostet.

Nach einem Bericht des "Spiegel" hat die Unternehmensberatung McKinsey in einer von mehreren europäischen Telekom-Anbietern in Auftrag gegebenen Risikoabschätzung berechnet, dass durch die UMTS-Einführung "europaweit rund 270 Milliarden Euro (528 Milliarden Mark) an Wert vernichtet" werden. Ursache seien hohe Investitionen für UMTS-Lizenzen und -Infrastruktur, die sich nicht vor 2017 amortisieren ließen. Ein Sprecher von T-Mobil wies die Berechnungen auf der Computermesse CeBIT als willkürlich zurück. Stephan Althoff von T-Mobil sagte der dpa: "Da wird das Spiel mit der Angst betrieben."

Außerdem gerieten jetzt die Handys ins Visier: "Wir müssen dringend runter von den Handy-Subventionen. Es wird Zeit, dass die Nutzer höhere Gerätepreise akzeptieren", sagte Kai-Uwe Ricke, Vorstandsvorsitzender der Telekom-Tochter T-Mobile International der "Bild am Sonntag". Besonders betroffen sind so genannte Prepaid-Angebote (Handy mit Guthabenkarte). "Standardgeräte, die es bisher für 99 Mark gab, werden künftig 300 bis 400 Mark kosten", so Viag Interkom-Sprecher Michael Rebstock der "Bild am Sonntag". "Die Preiserhöhung kommt schon kurz nach Ostern", wissen Branchenkenner wie Daniel Wild vom Münchner Handy-Händler Get Mobile.

"Wir werden Angebote für Wenigtelefonierer so ausgestalten, dass sie sich für uns besser rechnen", sagte Ricke. Offenbar betrifft das nicht nur die Gerätepreise, sondern auch die Gesprächsgebühren. "Wir haben nichts zu verschenken. Wer nur selten telefoniert, wird in Zukunft mehr bezahlen. Stammkunden mit hohem Umsatz wollen wir aber entgegenkommen", sagte MobilCom-Sprecher Matthias Quaritsch. Da es Handy-Schnäppchen nur noch wenige Tage geben wird, rät Karin Thomas-Martin, Telekom-Expertin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg (Stuttgart): "Wer sowieso einen Handy-Kauf beabsichtigt, sollte schnell zuschlagen!" (PC-WELT, 26.03.2001, dpa/ ml)

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