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Aus für T-Online flat?

17.11.2000 | 16:15 Uhr |

Alle Konkurrenten von T-Online und viele Verbraucher begrüßen das gestrige Urteil der Regulierungsbehörde zur Einführung einer zeitunabhängigen Großhandelspauschale. Die Telekom macht sich Gedanken. Muss T-Online seine Flatrate einstellen?

Alle Konkurrenten von T-Online und viele Verbraucher begrüßen das gestrige Urteil der Regulierungsbehörde zur Einführung einer zeitunabhängigen Großhandelspauschale. Die Telekom hingegen macht sich Gedanken.

Wie zu erwarten war, wehrt sich die Telekom gegen das Urteil. Ron Sommer, der Vorstandsvorsitzende des rosa Riesen, erwägt sogar einen völlig unerwarteten Schritt. In einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte er: "Wenn die Telekom den Wettbewerbern eine Großhandels-Flatrate anbieten muss, weil T-Online für die Endkunden eine Flatrate von 79 Mark hat, stellen wir sie ein".

Damit würde einem der Hauptvorwürfe der Konkurrenten von T-Online die Basis entzogen. AOL & Co. hatten nämlich immer von einer ungerechtfertigten Begünstigung von T-Online durch die Deutsche Telekom gesprochen, weil diese ihr Tochterunternehmen bei der Vergabe von Nutzungsrechten am Telefonnetz finanziell besser behandle als die Konkurrenz. Dadurch wurde T-Online erst in die Lage versetzt, eine relativ preiswerte Flatrate zu 79 Mark pro Monat anzubieten.

Die anderen Flatrate-Anbieter konnten hier nicht mithalten und mussten ihre Angebote bald wieder zurückziehen, oder - wie AOL - mit Verlusten betreiben. Allerdings hatte auch T-Online mit seiner Flatrate rote Zahlen geschrieben. Nach dem Urteil hoffen die Internet Service Provider nun auf Chancengleichheit.

Zur Diskussion, wie das zukünftige Abrechnungsmodell zwischen der Telekom und den Internet Service Providern aussehen könnte, meinte Matthias Kurth, der Vizepräsident der Regulierungsbehörde: Eine "kapazitätsorientierte Flatrate" sei denkbar. Das heißt, dass ein Online-Dienst bei der Telekom die Übertragung eines genau festgelegten Datenvolumens einkaufen könnte. So ginge ein Teil des Risikos eines Pauschalpreises auf die Internet Service Provider über. AOL sprach gegenüber der PC-WELT von einem ähnlichen Modell.

Hohe Wellen schlägt besonders die Frage, ob es bei einer massiven Einführung von Flatrates zu einer Überlastung des Telefonnetzes kommen könnte. AOL verneinte dies gestern, die Deutsche Telekom verweist jedoch auf Erfahrungen aus den USA, Frankreich und aus dem Ruhrgebiet, wo es zu erheblichen Engpässen gekommen ist und teilweise noch immer kommt. Auch die Regulierungsbehörde möchte diese Gefahr nicht völlig ausschließen. "Eine gewisse Verpflichtung zum Netzausbau könne der Telekom aber nicht abgenommen werden", so Kurth. Genau dies ist es aber, was die Telekom vermeiden möchte. Ihr Fokus liegt ganz klar auf dem Ausbau des Breitbandnetzes (T-DSL). (PC-WELT, 17.11.2000, hc)

Flatrate-Urteil - was nun? (PC-WELT Online,16.11.2000)

Telekom unterliegt im Streit um Internetpauschale (PC-WELT Online, 15.11.2000)

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