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Aufrufe zum Tankboykott

06.09.2005 | 16:04 Uhr |

Die jüngsten Preiserhöhungen an den Tankstellen spülen eine alte Kettenbrief-Mail wieder hoch.

Nachdem die Preise für Benzin und Dieselkraftstoff an den deutschen Tankstellen in den letzen Tagen und Wochen immer neue Rekordmarken erreichen, erhalten altbekannte Kettenbrief-Mails wieder neuen Auftrieb, in denen zu einem Boykott bestimmter Mineralölfirmen aufgerufen wird.

In den seit Jahren kaum veränderten Texten wird behauptet, der einzige Weg eine Preissenkung zu erzwingen sei ein Boykott von ein oder zwei Benzinmarken. Die müssten dann, so die Idee, mangels Umsatz die Preise senken und die anderen müssten nachziehen. Die in den Mails vorgeschlagenen Zielscheiben des Boykotts wechseln zuweilen. Im April kursierte in Österreich eine Variante, in der das inzwischen auch in Deutschland vertretene Mineralölunternehmen ÖMV genannt wurde. Die aktuell in Deutschland kursierende Fassung führt Aral und Shell an.

Bei Hoax-Info.de treffen häufig Fragen ein, ob der Aufruf "echt" oder ein Hoax (also eine Falschmeldung) sei. Diese Frage ist jedoch nicht so einfach zu beantworten. Eine Falschmeldung wäre es etwa dann, wenn der Boykott nicht stattfände. Ob er stattfindet oder nicht, hängt jedoch vom Erfolg des Kettenbriefs ab. In den letzten Jahren war derartigen Aufrufen, deren Initiatoren regelmäßig im Dunkeln blieben, keinerlei Erfolg beschieden - trotz einer gewissen Verbreitung der Mails und eines wahrnehmbaren Medienechos.

Diejenigen, die solche Kettenbrief-Aktionen immer noch für eine gute Idee halten, werfen gerne die Frage auf, was man denn sonst tun könne. Nach Presseberichten sollen schon die ersten Autofahrer ihre Fahrzeuge abgemeldet haben. Kommt das nicht in Betracht, ist die stärkere Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und des Fahrrads ebenso zu nennen wie spritsparende Fahrweise, Preisvergleiche , eine Umrüstung auf Ergas oder Autogas oder das Tanken von Biodiesel, soweit möglich.

Der Tanktourismus in die Nachbarländer kommt nur für grenznah Wohnende in Frage und kann zum Ruin deutscher Tankstellen in diesen Regionen führen. Die Geschädigten sind auch bei dieser Art des Boykotts vor allem die Pächter, die am Kraftstoff höchstens einen Cent pro Liter verdienen, denen jedoch die Umsätze in ihren Shops wegbrechen. Dabei wird dann gerne auch auf den Verlust von Arbeitsplätzen verwiesen.

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