02.03.2010, 19:09

Panagiotis Kolokythas

Aufgedeckt

Microsofts Browser-Auswahl ist nicht wirklich zufällig

Microsofts Browser-Auswahlschirm wird vorgeworfen, die zur Auswahl stehenden Browser nicht wirklich in zufälliger Reihenfolge anzuzeigen.
Die slowakische Website DSL.sk hat bereits vor einigen Tagen überprüft, ob Microsoft auf Browserchoice.eu tatsächlich die zur Auswahl stehenden Browser in zufälliger Reihenfolge präsentiert. Die Analyse ergab, dass der Internet Explorer 8 in über 50 Prozent aller Fälle auf der letzten Position erschien und Google Chrome verhältnismäßig oft einer der ersten drei Positionen einnahm.
Allein dies ist schon ein Hinweis darauf, dass die zur Auswahl stehenden Browser nicht unbedingt zufällig angeordnet werden. IBM-Mitarbeiter Rob Weir untersuchte das Verhalten des Browser-Auswahlschirms ebenfalls. Auch er kommt zum Ergebnis, dass echter Zufall nicht vorliegt.
Zur Ermittlung der Reihenfolge der Browser nutzt Microsoft eine Javascript Routine, die unter http://www.browserchoice.eu/resources/scripts/page.js einsehbar ist. Die Reihenfolge der Browser wird also nicht auf irgendwelchen Microsoft-Servern auf "mysteriöse Art" ermittelt, sondern lokal auf dem Rechner des Anwenders. Der Browser des Anwenders übernimmt bei Aufruf der Website per Javascript die Ermittlung der Reihenfolge.
Ganz am Ende von page.js steht folgender Code, der für die Ermittlung der Reihenfolge zuständig ist:
// Genereate random browser orderfunction GenerateBrowserOrder(){var aBrowserOrderTop5 = new Array(0,1,2,3,4);var aBrowserOrderRest = new Array();for (var i=5; i < dataBrowsers.length; i++){ aBrowserOrderRest.push(i);}aBrowserOrderTop5.sort(RandomSort);aBrowserOrderRest.sort(RandomSort);aBrowserOrder = aBrowserOrderTop5.concat(aBrowserOrderRest); }function RandomSort (a,b){return (0.5 - Math.random());}
Statt die fünf Browser zufällig auszuwählen, werden die Browser zunächst sortiert und anschließend deren Position - vereinfach ausgedrückt - paarweise hin- und hergeschoben. Unterm Strich kommt damit keine echte zufällige und damit faire Anordnung der Browser zustande, bei der theoretisch jeder der fünf Browser eine 20 Prozentige Chance hätte, auf einer der fünf Positionen zu gelangen.
So kommt IBMs Rob Weir in seiner Analyse auch zum Schluss, dass Microsoft lieber die Javascript-Implementation des Fisher-Yates Shuffle-Verfahrens hätte verwenden sollen, die sich auf dieser Wikipedia-Seite findet. In diesem Fall läge die Wahrscheinlichkeit, dass einer der fünf Browser auf einer der fünf Positionen landet, bei jeweils 20 Prozent. Rob Weir wirft Microsoft vor, diesen doch recht simplen Fehler in dem Browser-Auswahlschirm nicht schon vor dessen Veröffentlichung entdeckt zu haben.
Im Idealfall sähe die Wahrscheinlichkeit, dass ein Browser auf eine bestimmte Position landet, also wie folgt aus:
Position Internet Explorer 8 Firefox Opera Chrome Safari
1 20% 20% 20% 20% 20%
2 20% 20% 20% 20% 20%
3 20% 20% 20% 20% 20%
4 20% 20% 20% 20% 20%
5 20% 20% 20% 20% 20%
Mit dem von Microsoft genutzten Verfahren sieht die Wahrscheinlichkeit aber wie folgt aus, wie Weir nach 10.000 Durchläufen ermittelt hat:
Position Internet Explorer 8 Firefox Opera Chrome Safari
1 13,04% 20,99% 21,32% 25,95% 18,70%
2 13,25% 21,61% 20,36% 25,65% 19,13%
3 11,05% 22,44% 13,74% 36,79% 15,98%
4 12,32% 22,48% 19,16% 5,90% 40,14%
5 50,34% 12,48% 25,42% 5,71% 6,05%
Letztendlich bleibt fraglich, ob Microsoft davon profitiert, dass der Internet Explorer zu über 50 Prozent an letzter Stelle angezeigt wird. Mit 25,95% am häufigsten wird übrigens Google Chrome an erster Stelle angezeigt. Andrerseits stellt sich die Frage, wieso nach so langer Entwicklungszeit eine so schlecht programmierte Browser-Auswahl-Website entstehen konnte, die Microsoft-Kritikern erneut Zündstoff bietet, gegen Microsoft zu wettern. Ein simples Copy & Paste von der besagten Wikipedia-Seite hätte zu einem besseren Ergebnis geführt...
Diskutieren Sie mit anderen Lesern über dieses Thema:
PC-WELT-Experten lösen Ihr PC-Problem
Immer informiert mit dem PC-WELT Newsletter
Best-of PC-WELT   PC-WELT Apps
PC-WELT Business-IT   PC-WELT Community
Facebook-Freunde empfehlen
3x PC-WELT testen!
Ja, ich teste 3x die PC-WELT mit DVD für nur 11,90 € (19,- Sfr). Den 4 GB USB-Stick erhalte ich gratis dazu.
PC-WELT 6/ 2012
Anrede:
Vorname:
Nachname:
Straße/Nr:
PLZ/Ort:
Land:
E-Mail:
Nur wenn ich innerhalb von 2 Wochen nach Erhalt der 3. Ausgabe nichts von mir hören lasse, möchte ich die PC-WELT mit DVD zum gleichen Preis weiterbeziehen (D: 55,80 €/Jahr, EU: 64,80 €/Jahr, CH: 103,70 Sfr/Jahr). Nach dem Testzeitraum ist der Bezug jederzeit kündbar.
Ich bin damit einverstanden, dass die IDG Tech Media GmbH und ihre Partner mich per E-Mail über interessante Vorteilsangebote informieren.
29072
Content Management by InterRed