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Aufbruchstimmung im Internet-Radio

27.10.2000 | 11:58 Uhr |

Etwa 8 000 Radiosender sind derzeit im weltweiten Internet zu empfangen. Sieben deutsche Anbieter von Internet-Radiostationen haben die Gründung der "Webradio-Alliance" am Rande der Hörfunkmesse "RadioDay" in Köln bekannt gegeben.

Etwa 8 000 Radiosender sind derzeit im weltweiten Internet zu empfangen. Und weil alles, was sich mit dem Internet verbindet, Anlass für euphorische Prognosen ist, gibt es auch hier eine hoffnungsvolle Voraussage: schon 2003 sollen weltweit mehr als 40 Milliarden Dollar in Radio- und TV-Angeboten über das World Wide Web umgesetzt werden.

Die Gegenwart sieht erst einmal etwas weniger rosig aus. Doch sind jede Menge Erwartungen und Hoffnungen geweckt, auf diesem Markt der Zukunft dabei zu sein.

Sieben deutsche Anbieter von Internet-Radiostationen haben die Gründung der "Webradio-Alliance" am Rande der Hörfunkmesse "RadioDay" in Köln bekannt gegeben.

Der Pionier der ersten Stunde ist nicht mehr dabei, das Ende 1998 gestartete Hamburger "Cyberradio" ist pleite. Vielfältig nämlich sind die Probleme, mit denen die Internet-Radios konfrontiert sind.

Für viele Interessenten endet das Hörvergnügen im Internet noch ehe es begonnen hat: Jeder zweite scheitert, die Datenpakete des MP3-Verfahren oder das Datenstrom-Verfahren (streaming) in Musik zu verwandeln. "dasWebradio.de" wird nach eigenen Angaben als erster deutscher Anbieter die technischen Voraussetzungen schaffen, dass nach dem Aufrufen der Website automatisch das Programm beginnt.

Doch wer will zusätzlich zu seinen Rundfunkgebühren noch einmal die Telefonkosten drauflegen? Die einzige Chance für die Webradios sind Pauschalgebühren (Flatrates), bei der alle Internet-Kosten in einer einmaligen Monatssumme erfasst werden. Dann kann sich der Hörer entweder weltweit in Radioprogramme einwählen oder sich sein eigenes Musikprogramm zusammenstellen.

Doch beim Stichwort Musik sind die Rechteverwerter zur Stelle: Sie sehen mit Missfallen die derzeitige Praxis der weitgehend unkontrollierten Musiknutzung im Internet. Wer sich als professioneller Anbieter wie die Webradios zu erkennen gibt, wird zur Kasse gebeten. Derzeit verlangen GEMA und GVL zwar nur Pauschalgebühren, doch sobald echte Hörerdaten vorliegen, kann es richtig teuer werden. Und noch offen ist, ob die EU weit restriktivere Maßnahmen zum Schutz der Urheberrechte ergreift.

Ist es für die Rechtekosten ein Vorteil, noch keine genauen Nutzerdaten zu haben, wird es bei der Werbung zum Problem. Die soeben verabredete Webradio-Allianz will für einheitliche Kriterien sorgen, denn bislang lassen sich die einen wie eine normale Website nach Clicks und Visits erheben, während die anderen wie normale Radiosender durch die Medienanalysen-Erhebung gemessen werden wollen.

"Ich sehe uns nicht als Online-Dienst, sondern als Hörfunkanbieter", sagt Stephan Schwenk, Chef von "dasWebradio.de" und gleichzeitig Geschäftsführer vom Funkhaus Berlin, zu dem die UKW-Sender Spreeradio und Rock Star FM gehören. Sein Antrag zur Medienanalysen-Erhebung (MA) wurde erst einmal abgelehnt. Er sieht die Chance, das Internet zu nutzen, um in Deutschland das erste nationale private Radio zu etablieren.

Und an dieser Stelle wird natürlich die Medienaufsicht wach: Bislang sind Webradios von der Lizenzierung befreit und damit zulassungsfrei. Doch das kann sich ändern.

Die Technische Kommission der Landesmedienanstalten ist bereits zu dem Schluss gekommen, dass im Internet der Empfang von Hörfunk in ausreichender Qualität und vergleichbaren Hörerzahlen wie im herkömmlichen Radio möglich sei. (PC-WELT, 27.10.2000, dpa/ pk)

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