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Audi will Vorreiterrolle beim autonomen Fahren beweisen

09.01.2013 | 13:41 Uhr |

Nach Toyota und Ford hat auch Audi seine Vision vom Auto der Zukunft auf der CES in Las Vegas gezeigt. Die Ingolstädter zeigen ein Fahrzeug, das selbstständig fährt.

Autonome Fahrzeuge sind das Thema der Automobilhersteller auf der CES. Toyota stellte einen derartigen Prototyp, der zumindest theoretisch ohne Fahrereingriffe auskommt, bereits vor. Nun zeigte auch Audi seine Vision des fahrerlosen Autos. Einige Messebeobachter sehen Audi auf diesem Gebiet in Führung liegen.

Autonomes Fahren

Die bereits heute verfügbaren Assistenzsysteme arbeiten in enger Vernetzung miteinander. Doch die Vernetzung soll intensiver werden und den Fahrer entlasten, wenn er es wünscht. Das geht schließlich so weit, dass das Auto selbstständig fährt. Dieses „pilotierte Fahren“, wie Audi es nennt, sei noch in diesem Jahrzehnt technisch realisierbar. Um das zu demonstrieren zeigt Audi, wie eine Stausituation zukünftig aussehen könnte. Im zähfließenden Verkehr bis 60 km/h Geschwindigkeit unterstützt das pilotierte Fahren von Audi den Fahrer innerhalb gewisser Grenzen beim Lenken. Zudem wird selbsttätig beschleunigt und verzögert. Mit Hilfe des pilotieren Fahrens werden zukünftig auch Ein- und Ausparkvorgänge – wie beispielsweise in enge Park­lücken am Straßenrand, in Garagen oder sogar in Parkhäusern – selbstständig vom Fahrzeug übernommen, wie der Ingolstädter Autohersteller verspricht.

CES-Video: Fahrerlose und vernetzte Autos

Das neue System baut auf dem bereits erhältlichen Audi adaptive cruise control mit Stop & Go-Funktion auf und erweitert diese um die Komponente der Querführung. Zwei Radarsensoren erfassen das Vorfeld des Autos in einem Winkelfeld von zirka 35 Grad und bis zu 250 Meter Länge. Eine Videokamera mit breitem Öffnungswinkel beobachtet die Linien auf der Fahrbahn; zudem kann sie Objekte wie Fußgänger, andere Fahrzeuge und Leitplanken erkennen. Acht Ultraschall-Sensoren überwachen die Zonen direkt vor dem Auto und an seinen Ecken. Zusätzlich kommt ein Laserscanner zum Einsatz, der hochgenaue Daten in einem Winkel von etwa 140 Grad und einer Entfernung bis zu 80 Meter vor der Fahrzeugfront liefert.

Das Audi System zum pilotierten Fahren im Stau wertet kontinuierlich die Geschwindigkeit des eigenen Autos und der Fahrzeuge im Umfeld aus. Falls es aus diesen Daten im Bereich unter 60 km/h einen Stau erkennt, kann der Fahrer die Unterstützungsfunktion aktivieren. Durch eine breite Erfassung der Umge­bung arbeitet das System auch in einem Fahrkorridor ohne Spurmarkierungen. Beim Anfahren und Verzögern verhält sich das System wie die Audi ACC Stop & Go-Funktion und reagiert zusätzlich auf ein- oder ausscherende Fahrzeuge.

Als Assistenzfunktion ermöglicht das pilotierte Fahren im Stau dem Fahrer – während die Funktion aktiv ist - sich in Grenzen anderen Tätigkeiten zu widmen. Erreicht das Fahrzeug die Grenzen der Funktion, löst sich beispielsweise der Stau auf, wird der Fahrer zur Übernahme aufgefordert.

Bei dem autonom fahrenden PKW setzt Audi eine Technik ein, die der von Toyota ähnelt: Auf dem Dach befindet sich ein rotierender Laserscanner (LIDAR), der die Umgebung erfasst. Allerdings soll die Radarlösung von Audi bereits jetzt kleiner als die der Konkurrenz ausfallen und damit bereits weiter fortgeschritten und näher an die Serienreife herangerückt sein. Zumindest war das der Eindruck einiger Messebesucher, die die verschiedenen "Autopilot-System" vergleichen konnten. Das LIDAR-System soll seinen endgültigen Platz hinterm Kühlergrill des Fahrzeugs finden. Zum möglichen Verkaufsstart und zum Preis liegen jedoch keine Informationen vor.
 
Bisher ist bei allen autonom fahrenden PKWs eine Fülle von Einzelgeräten und Sensoren an allen möglichen Stellen verbaut. Doch dieses Durcheinander soll bald der Vergangenheit angehören. Audi zufolge soll diese ganze „Auto-Pilot“-Funktion in einem einzigen Gerät untergebracht werden und zwar in der so genannten “Central Driver Assistance Unit”, die wie die Hauptplatine eines PCs aussieht. Audi betont jedoch, dass man keinesfalls den Fahrer entmündigen wolle: “Wenn ich Spaß haben will, dann fahre ich selbst", sagte Ricky Hudi, Leiter Entwicklung Elektrik/Elektronik.

Audi connect

Mit den Dienstleistungen und Technologien von Audi connect kommt das Internet ins Auto und das Auto ins Internet. Für die Kunden soll die neue Technik mehr Komfort und mehr Fahrspaß bringen. Die Kommunikation mit dem World Wide Web soll dabei idealerweise über LTE laufen – sofern dieses am Standort des Fahrzeuges verfügbar ist.

Audi connect bietet Navigation mit Google Earth-Bildern und Google Maps Street View, Audi Verkehrsinformationen online und Anbindung an soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter. Im Audi A3 und Audi A3 Sportback kann sich der Fahrer Mails vorlesen lassen und Kurznachrichten (SMS) diktieren. Audi will dieses Angebot weiter ausbauen.

Audi arbeitet zudem mit Hochdruck an neuen Bedien- und Anzeigekonzepten. Eines davon ist das frei programmiere Kombiinstrument. Der Fahrer kann die virtuellen Anzeigen ganz nach Belieben umschalten. Optisch lassen sie sich kaum von physischen Instrumenten unterscheiden, sollen aber deutlich mehr Flexibilität bieten.

Auch für HiFi-Fans will Audi etwas bieten: 3D-Klang stellt die Musikwiedergabe im Auto auf eine „dreidimensionale Bühne“. Am Messestand auf der CES im „Audi Q7 sound concept“ erlebbar.

Wichtig in Zusammenhang mit IT im Auto: Die Architektur des Modularen Infotainmentbaukastens (MIB) soll es erstmalig erlauben, die Hardwarekomponenten mit geringem Aufwand so zu aktualisieren, dass sie stets up to date bleiben. Damit soll veraltete IT-Technik, wie man sie heute bereits nach kurzer Zeit im fast noch neuen Auto erlebt (Stichwort: fest eingebautes Navigationsgerät), der Vergangenheit angehören.

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