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Audi R8 e-tron piloted driving: Elektro-Sportwagen fährt von selbst

26.05.2015 | 09:02 Uhr |

Audi zeigte auf der CES in Shanghai den R8 e-tron piloted driving. Der Sportwagen leistet 920 nm Drehmoment und soll elektrisch bis zu 450 Kilometer weit kommen. Das wäre dann in etwa Tesla-Reichweite. Und er fährt zumindest theoretisch ohne Fahrereingriff. Aber nur als Technikstudie. Update 26.5.: Mit großer Foto-Galerie.

Audi hat auf der International CES Asia die Keynote gehalten. Die Ingolstädter wollten damit ganz offensichtlich Mercedes-Benz Paroli bieten, dessen CEO Dieter Zetsche die diesjährige CES in Las Vegas im Januar mit einer Keynote eröffnet hat. Dass die Keynotes beider Messen von (deutschen) Automobil-Herstellern gehalten werden, zeigt die wachsende Bedeutung von IT, Internet, Konnektivität und Smartphones-Apps im Auto.

Während Zetsche bei der Keynote im Januar in Las Vegas aber mehr oder weniger den Allein-Unterhalter gab, teilten sich bei der heutigen Audi-Keynote in Shanghai Rupert Stadler, CEO von Audi, der für Sales und Marketing zuständige Vorstand Luca de Meo, Prof. Dr.-Ing. Ulrich Hackenberg, Vorstand für die Technik-Entwicklung, und Ricky Hudi, Electronic-Development-Chef, die Keynote. Begleitet und moderiert von Angela Chow, die durch das Programm führte. Und eine kleine Show-Einlage gab es auch noch.

Als Blickfang steht ein riesiger Roboter neben dem e-tron-Stand.
Vergrößern Als Blickfang steht ein riesiger Roboter neben dem e-tron-Stand.

Und um was ging es nun eigentlich? Letztendlich um die gleichen Themenschwerpunkte, die auch schon Zetsche vor rund vier Monaten gesetzt hatte: Das Auto als vollständiges vernetztes und größtes digitales Mobil-Gerät, das Menschen besitzen; mehr Komfort und Zeitgewinn sowie Unterhaltung für die Insassen und dank pilotiertem Fahren auch mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer. Und natürlich mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit (dank Hybrid-Antrieb e-tron). Genauso wie bei Mercedes-Benz waren die Inhalte der Keynote also nicht wirklich überraschend, sondern fassten letztendlich die Entwicklungsarbeit von Audi in den letzten Jahren zusammen.

Audi wirbt vor dem Messegeläde für seinen Audi A3 e-tron
Vergrößern Audi wirbt vor dem Messegeläde für seinen Audi A3 e-tron

e-tron: Plugin-Hybrid als Antrieb der Zukunft

Audi schaffte es aber gut, den besonderen Dreh zum chinesischen Markt hinzubekommen. China ist mittlerweile der wichtigste Absatzmarkt für die Ingolstädter. Kein anderer Premium -Hersteller verkauft dort mehr Fahrzeuge. Damit das auch in Zukunft so bleibt, setzt Audi voll auf die Karte Plugin-Hybrid-Antrieb (aus E-Motor und Benziner; Diesel-PKWs spielen in China keine Rolle). Und bringt einige neue e-tron-Modelle wie den A3 e-tron oder den Audi A6 L e-tron (die mit "„L" gekennzeichnete Langversion spiegelt genauso wie das Stufenheck die besonderen Vorlieben der chinesischen Auto-Käufer wieder, wenn sie nicht gerade ein SUV kaufen). Weil in China die Verstädterung massiv voranschreitet und immer mehr Menschen in Megacities leben und dort oft im Stau stehen oder nur langsam unterwegs sind, erscheinen Audi Plugin-Hybrid-PKWs als besonders vorteilhaft. Und ein Hybrid-Auto hilft auch gegen den in chinesischen Großstädten allgegenwärtigen Smog.

Im neuen Q7 mit Hybrid-Antrieb zeigt Audi sein Audi-Tablet
Vergrößern Im neuen Q7 mit Hybrid-Antrieb zeigt Audi sein Audi-Tablet

Dazu passend rollte Audi -CEO Stadler im Q7 e-tron auf die Bühne. Bei so viel Nachhaltigkeits-Betonung in der Audi-Keynote denkt man besser nicht darüber nach, wie viel Benzin dieses Riesen-SUV auf einer deutschen Autobahn bei flotter Fahrweise durch die Leitung jagt...

Pilotiertes Fahren

Wenn diese Hybrid-Autos dann auch noch vollautomatisch fahren können –- umso besser. Womit wir beim Thema pilotiertes Fahren sind (bei BMW auch als hochautomatisiertes Fahren bezeichnet). Audi forscht genauso wie BMW und Mercedes-Benz an Autos, die ihre Umgebung erfassen und dadurch selbstständig fahren können. Das bringt dem Fahrer mehrere Vorteile: Weniger Stress (beispielsweise im Stop-and-Go, wenn der Wagen von selbst abbremst und wieder anfährt und beschleunigt sowie die Spur hält), mehr Zeit (weil man während der Autofahrt zum Beispiel in aller Ruhe seine Mails checken und beantworten kann) und ein geringeres Unfall-Risiko (weil Fahrfehler von Menschen nun einmal der Hauptunfallgrund sind). Mit dem nächsten Audi A8 will Audi das erste Serienfahrzeug vorstellen, das pilotiertes Fahren grundsätzlich ermöglichen soll: Im Jahr 2017 soll es so weit sein.

Der Audi R8 e-tron piloted driving
Vergrößern Der Audi R8 e-tron piloted driving

Showcar: R8 e-tron piloted driving

Auf der Bühne der CES in Shanghai symbolisierte der erstmals vorgestellte R8 e -tron piloted driving Audis Bemühungen auf diesem Gebiet: Der zumindest theoretisch selbstständig fahrende Sportwagen besitzt Laserscanner, Videokameras, Ultraschallsensoren und Radarsensoren, die ihre Umgebungsdaten an das zentrale Steuergerät (zFAS) liefern. Und damit pilotiertes Fahren ermöglicht. Mit 340 KW Leistung, die von zwei Elektromotoren mit jeweils 170 KW Leistung/460 nm Drehmoment kommt; von 0 auf 100 Km/h in 3,9 Sekunden; bei 210 oder 250 km/h abgeregelter Höchstgeschwindigkeit; 90 KWh Batteriekapazität, die für bis zu 450 Kilometer Reichweite reichen soll und damit in etwa Tesla erreicht. Dieses Showcar kann man auch am Messestand von Audi bewundern.

Das Audi-Tablet
Vergrößern Das Audi-Tablet

Von e -tron und pilotiertem Fahren einmal abgesehen betonten die Audi-Verantwortlichen auch sonst stets die Bedeutung Digitalisierung im und rund ums Auto. Beispielsweise besitzt Audi einen virtuellen Showroom in Peking, in dem kein einziges richtiges Auto mehr steht. Sondern in dem sich die Kauf-Interessenten die Autos in einer Simulation anschauen, genau nach ihren Interessen konfiguriert. Und die eher von der Oberklassen bekannten Audi-Connect-Funktionen will Audi zunehmend auch in Fahrzeugen der Kompaktklasse verkaufen.

Daneben gibt es noch das Audi-Tablet (das im neuen Q7 erstmals vorgestellt wird; von Baidu stammen der Webbrowser und der App-Store) und das Audi-Smartphone-Interface sowie das aus dem T T bekannte virtuelle Cockpit , das Audi zunehmen auch in anderen Modellen einführen wird. Im neuen Q7 und im R8 gibt es das virtuelle Cockpit bereits. Außerdem forscht Audi genauso wie Volkswagen oder BMW an der Gestensteuerung fürs Auto. Und natürlich erwähnte Audi auch die Kooperation mit Amazon mit der Kofferraumzustellung.

Das Audi-Tablet

Das Audi Tablet besitzt einen 10,1-Zoll-Touchscreen (1.920 x 1.200 Pixel, Chassis aus eloxiertem Aluminium) und verbindet sich per WLAN mit der MMI Navigation plus des Audi. Dadurch bekommt es Zugriff auf die Menüs Radio, Medien, Navigation und Car-Funktionen. Der Datentransfer läuft in beide Richtungen – die Fondpassagiere können beispielsweise eine geplante Route an den Fahrer schicken, umgekehrt kann der Fahrer für sie von der MMI Navigation plus aus ein Radio- oder Medienprogramm starten. Die Klangausgabe erfolgt über das bordeigene Soundsystem oder über Kopfhörer.

Das Audi Tablet basiert auf Android und unterstützt die NFC‑Technologie (Near Field Communication), mit der sich Daten vom Smartphone per Annäherung übertragen lassen. Es verfügt über 32 Gigabyte internen Speicher und kann mittels microSD-Karte um zusätzlichen Speicher erweitert werden. Als technisches Herzstück fungiert der Tegra 40-Prozessor von Nvidia.

Ein Klick auf den Button „Apps“ im Startmenü öffnet den Zugang zum Internet. Die integrierte Full HD-Kamera lässt sich für ein Videogespräch nutzen. Nach der Fahrt kann der Benutzer das Audi Tablet aus dem Auto mitnehmen und offline oder an einem externen WLAN‑Netz weiter betreiben.

Das Audi tablet verkraftet laut Audi auch hohe oder sehr niedrige Temperaturen problemlos, die neigungsverstellbare Halterung an der Lehne des Vordersitzes ist crashsicher und bei Bedarf entnehmbar. Das Audi Tablet ist einzeln oder als Zweier-Set erhältlich.

Audi sucht sich zudem neue Kooperationspartner aus der digitalen Welt. Wie Huawei, mit dem Audi zusammen ein LTE -Modul für seine Fahrzeuge entwickelt. Oder mit Baidu, dessen Carplay- und Android-Auto-Alternative CarLife in chinesischen Audis Einzug halten soll. Aber auch mit Google –im Rahmen der Open Automotive Alliance für Android, sowie mit dem chinesischen Mobilfunk-Provider Cubic Telecom arbeitet Audi eng zusammen.

Der Startbildschirm des Audi-Tablets-
Vergrößern Der Startbildschirm des Audi-Tablets-

International CES Asia 2015 in Shanghai

Die International CES Asia findet dieses Jahr zum ersten Mal statt. Sie ist ein Ableger der bekannten CES aus Las Vegas, hat aber deutlich weniger Umfang: Gerade einmal zwei Messehallen belegt diese CES in Shanghai.


 

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