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Auch bei Mails und SMS gelten Regeln

Schnell, einfach und unkompliziert lassen sich Infos per Mail oder SMS versenden. Doch auch für diese Kommunikationsarten gelten Benimm-Regeln - gerade im Berufsleben.

Internet und Handy machen auch bei der Arbeit vieles einfacher. Doch die Technik hat Schattenseiten: Das elektronische Postfach ist voller überflüssiger Mails. Und das Handy des Kollegen mit röhrendem Hirsch als Klingelton nervt während der Konferenz. Dabei sollte auch beim Mailen, Simsen und mobilen Telefonieren Rücksicht genommen werden.

Netiquette heißt das Wort dafür im Internet: Benimm-Regeln beispielsweise für den Umgang mit elektronischer Post. Die gelten im Berufsleben umso mehr. Auch eine E-Mail ist ein Geschäftsbrief, bei dem Anrede und Grußformel nicht fehlen sollten. Nur bei kurzen, schnellen Mitteilungen setze es sich durch, darauf zu verzichten, erläutern Gretchen Schaupp und Joachim Graff, Buchautoren und Experten für Business-Etikette.

"Wenn die E-Mail ein Briefersatz ist, gelten die gleichen Regeln wie auch sonst für Geschäftskorrespondenz", sagt Bettina Angerer aus Norderstedt bei Hamburg, die als Coach auch Benimm-Seminare gibt. In E-Mails alles klein zu schreiben, hält sie in beruflicher Post für indiskutabel. Auch Abkürzungen wie CU für "See you" (Bis bald) oder ASAP für "As soon as possible" (So schnell wie möglich) sollten die Ausnahme sein: "Alles auszuschreiben, ist höflicher und vermeidet Missverständnisse."

Vollständige Sätze zu bilden, auf Rechtschreibung zu achten und daran zu denken, dass E-Mails leicht weitergeleitet werden können, empfehlen auch die Etikette- und Kommunikationstrainer Lis Droste und Monika Hillemacher, die dem Thema "Nett im Netz" in ihrem Buch zu modernen Umgangsformen ein eigenes Kapitel gewidmet haben. Ihr Fazit: "Schlampig geschriebene Mails blamieren den Absender."

Sich insgesamt kurz zu fassen, rät Madeleine Leitner, Karriereberaterin aus München: "E-Mails werden für jeden Pipifax verschickt, und viele sind unnötig lang." Unter der Mail-Flut leidet auch die Verbindlichkeit, hat Leitner beobachtet: "Viele Empfänger reagieren gar nicht mehr", sagt die Diplom-Psychologin. "Mails, in denen man direkt angeschrieben wurde, nicht zu beantworten, ist aber unprofessionell." Spam und Junk-Mails sind davon selbstredend ausgenommen.

Auch beim Umgang mit dem Handy plädiert Bettina Angerer im Zweifel für Zurückhaltung: Im Büro oder während einer Besprechung sollte es besser nicht eingeschaltet sein. "Falls ein dringender Anruf erwartet wird, kann man ja fragen, ob das Handy anbleiben kann." Auch im Berufsalltag ist das Anrufen auf dem Handy längst üblich - hat aber auch Nachteile: "Wichtige Gespräche würde ich lieber über das Festnetz führen", sagt Angerer. "Wenn der Empfang schlecht wird, muss man sonst plötzlich schreien, und das kann doch sehr merkwürdig wirken."

"Wenn ich die Nummer von jemandem selbst bekommen habe, kann ich ihn grundsätzlich auch anrufen", sagt Angerer. "Abends und am Wochenende gibt es aber sicher immer Grenzen." Und für SMS gilt: Kurznachrichten verschickt man im beruflichen Umfeld nur, wenn beide Seiten sich gut kennen.

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