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Attack-Sites für Info-Krieg

04.12.2000 | 16:45 Uhr |

Auf so genannten "Attack-Sites" können sich Sympathisanten der Palästinenser mit allen Tools und Programmen eindecken, die sie für den Kampf gegen israelische Internet-Seiten benötigen.

Auf so genannten "Attack-Sites" können sich Sympathisanten der Palästinenser mit allen Tools und Programmen eindecken, die sie für den Kampf gegen israelische Internet-Seiten benötigen.

Gelangt man auf eine solche Seite, so wird der Besucher bezüglich des Inhaltes erst einmal "beruhigt": "Ich schwöre, dass ich diese Programme und Tools gegen niemanden einsetzen werde, außer es handelt sich bei den Personen um Juden oder Israelis", heißt es auf einer dieser Seiten. Nachfolgend werden die verfügbaren Programme sowie deren Einsatz genauer beschrieben.

Es gibt auf diesen Seiten alle Arten von Viren, von Melissa über CIH bis hin zu verschiedenen Word-Makro-Viren, sozusagen als Basis für eine erste Angriffswelle. Es werden aber auch Tools angeboten, die über Mailattacken zu einem kompletten Zusammenbruch von Computersystemen führen können.

Das so genannte "QuickFire"-Tool sendet beispielsweise 32.000 Mails an einen Mail-Account. Wird die Attacke von mehreren Punkten aus gleichzeitig gestartet, führt dies zum Zusammenbruch des Mail-Servers. Das Tool ist so programmiert, dass es erst dann aufhört Mails zu versenden, wenn der gegnerische Rechner "tot" ist.

Die internationale Sicherheitsfirma "iDefense" beobachtet bereits seit längerem den Cyberkrieg, der auch von israelischer Seite gegen palästinensische Rechner geführt wird.

Bob Venzke, Direktor der "intelligence production" bei iDefense, meint allerdings: "Die pro-palästinensischen Sympathisanten haben ihr Betätigungsfeld aggressiver ausgeweitet. Mittlerweile gehen sie dazu über, an Stelle von ausgewählten Sites sämtliche israelischen Internet-Sites zu attackieren."

Wer den Kampf zwischen beiden Seiten gewinnen wird, vermag auch der Experte nicht zu beurteilen. Er geht aber davon aus, dass in dem Kampf bislang mehr israelische als palästinensische Web-Angebote gehackt wurden.

Anfang Oktober attackierten pro-israelische Sympathisanten eine arabische Web-Seite. Danach folgte ein heftiger Schlagabtausch, der gegen Einrichtungen wie die Börse von Tel Aviv oder arabische Regierungseinrichtungen abzielte.

Mustapha Merza, Webmaster der Seite Arabhackers.org, weist allerdings jeden Vorwurf des Terrorismus zurück. Er beklagt die negative Darstellung der Araber vor allem durch US-Amerikanische Medien und die Regierung.

"Das Ironische an der Sache ist, dass wesentlich mehr Regierungs-Sites in den USA von israelischer Seite aus angegriffen wurden als von arabischer Seite."

Das National Infrastructure Protection Center, eine Abteilung des FBI, die sich mit Cyber-Kriegsführung beschäftigt, listet dennoch sowohl israelische als auch arabische Seiten als Unterstützer des Internet-Krieges auf. (PC-WELT, 04.12.2000, mp)

Militär trainiert Hacker (PC-WELT Online, 02.11.2000)

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