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Ausbildungsmarkt bleibt in Krise stabil

03.02.2009 | 10:51 Uhr |

Auszubildende finden in Deutschland trotz Wirtschaftskrise und schwachen Arbeitsmarktdaten positive und stabile Verhältnisse vor.

Zwar verhielt sich die Gesamtzahl der im Vorjahr neu geschlossenen Ausbildungsverträge mit minus 1,5 Prozent auf 616.300 rückläufig. Allerdings hält sich der Wert im direkten Vergleich mit dem Rekordjahr 2007 unerwartet gut und schrumpft nur leicht. Dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zufolge wollen zudem über 90 Prozent der Unternehmen das Lehrstellenangebot des Vorjahres halten und teilweise sogar mehr Ausbildungsplätze anbieten. Damit trotzt der Ausbildungs- dem deutlich eingebrochenen Arbeitsmarkt sowie den düsteren Aussichten für den weiteren Jahresverlauf.

Die Zahl der Arbeitslosen ist zuletzt um rund 387.000 auf 3,49 Millionen Menschen geklettert. Als Exportnation ist Deutschland dabei stark von der Entwicklung der Weltwirtschaft abhängig. "Die Eintrübung der Weltkonjunktur schlägt sich auf die Exporte und damit auf die Arbeitslosigkeit durch", erläutert Hans-Peter Klös, Arbeitsmarktexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, im Gespräch mit pressetext. Angesichts der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise bleiben die Erwartungen für Konjunktur und Arbeitsmarkt besonders in der ersten Jahreshälfte jedoch äußerst pessimistisch. Dem entgegen zeichnen die Prognosen für den Ausbildungsmarkt ein weniger bedrohliches Bild. Schon im Vorjahr warben Kammern und Verbände bundesweit 86.500 neue Lehrstellen bei ihren Mitgliedsfirmen sowie knapp 53.000 neue Betriebe mit Lehrstellenangebot ein.

Obwohl sich Arbeits- und Ausbildungsmarkt in der Regel gleich entwickeln, könnten die zunehmend wichtigen demographischen Voraussetzungen im Zuge der Rezession für eine Umkehr dieser Situation sorgen. So beeinflusst die Demographie das Ausbildungsverhalten der Unternehmen. "Zwar wird die Zahl der Lehrstellen 2009 sicherlich zurückgehen, doch sinkt gleichzeitig die Zahl der Schulabgänger um knapp 40.000, was einem Minus von vier Prozent entspricht", berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Besonders Ostdeutschland sei mit 15,5 Prozent weniger Schulabgängern bereits von einem regelrechten Bewerberschwund betroffen, was "etliche Betriebe" dazu geführt habe, Nachwuchs etwa im benachbarten Polen zu rekrutieren. Um dem weit verbreiteten Fachkräftemangel begegnen zu können, werden Betriebe auch angesichts der Krise Lehrstellen anbieten, meinen Experten. Andernfalls würden sich die Unternehmen auf lange Sicht selbst ausbremsen. Die Sicherung von Fachkräften für den nächsten Aufschwung sei für sie bedeutender als die aktuelle Geschäftslage. (pte)

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