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Apple schließt Überprüfung chinesischer iPod-Fabrik ab

18.08.2006 | 14:38 Uhr |

Im Juni sorgte ein Bericht der britischen Zeitung "Mail on Sunday" für Wirbel. Darin wurden Apple - stellvertretend für weitere Hersteller - die schlechten Arbeitsbedingungen in chinesischen Fabriken vorgeworfen, in denen unter anderem der iPod hergestellt wird. Nun hat Apple seine Untersuchungen abgeschlossen. Und wirklich zu beanstanden hatte der Konzern wenig.

In dem Bericht der "Mail on Sunday" wurde Apple vorgeworfen, dass die chinesischen Fabriken mehrfach gegen die Richtlinien des Konzerns für Zulieferer ( Supplier Code of Conduct ) verstoßen. Eine Untersuchung des Konzerns kam nun zu dem Ergebnis, dass es zwar vereinzelt Verstöße gibt, die überprüfte Fabrik insgesamt aber im Rahmen der Vorgaben geführt wird.

Bei der untersuchten Fabrik hat es sich laut Apple um eine Einrichtung mit 200.000 Angestellten gehandelt, die eher einer kleinen Stadt als einer Fabrik im eigentlichen Sinne entspricht. Der gesamte Komplex bietet neben Produktionseinrichtungen auch Unterkünfte, Supermärkte, Banken, eine Poststelle sowie Erholungseinrichtungen wie Fußballfelder oder einen Swimmingpool. Apple nutzt eigenen Angaben zufolge 15 Prozent der Kapazität dieses Fabrikkomplexes. Für die Überprüfung führte das Apple-Team mehr als hundert Interviews mit zufällig ausgewählten Angestellten der Einrichtung.

Demnach erhalten alle Angestellten die vorgeschriebene Mindestbezahlung oder mehr und haben die Möglichkeit, sich Boni zu verdienen. Hinsichtlich der Arbeitszeit kam die Untersuchung zu folgendem Ergebnis: Zwar würden die Arbeitnehmer nicht dazu gezwungen, Überstunden zu machen, beziehungsweise müssten keine Strafe befürchten, wenn sie Überstunden ablehnen, doch arbeiten die Angestellten länger als es die Apple-Richtlinien vorsehen. Demzufolge darf die wöchentliche Arbeitszeit 60 Stunden nicht überschreiten, zudem ist ein freier Tag pro Woche Pflicht. In der untersuchten Fabrik arbeiteten die Angestellten laut Apple über einen Zeitraum von sieben Monaten 35 Prozent länger und 25 Prozent der Zeit mehr als sechs Tage am Stück. Dieser Umstand soll nun behoben werden, sodass die Arbeitszeiten der Angestellten künftig den Apple-Richtlinien entsprechen.

Darüber hinaus wurden weitere Missstände beanstandet. Dazu gehörte unter anderem die Wohnsituation in Schlafeinrichtungen. Einige davon waren ursprünglich als Fabrik geplant gewesen und nun mit einer Vielzahl an Betten zu einer Unterkunft umfunktioniert worden. Dort hätten die Angestellten zu wenig persönlichen Platz, so die Prüfer. Der Besitzer der Fabrik ist derzeit dabei, neue Schlafräume zu errichten. Apple weist darauf hin, dass die Bauarbeiten noch vor der Überprüfung des Komplexes begonnen haben.

Ein weiterer Punkt, der den Apple-Prüfern negativ aufgefallen ist, sind zwei Fälle von Disziplinarmaßnahmen, bei denen Angestellte eine nicht näher genannte Zeit stramm stehen mussten. Apple geht nicht davon aus, dass derartige Maßnahmen weit verbreitet sind, will aber auch vereinzelten Verstößen mittels verstärkten Trainings des Managements entgegen wirken, damit sich derartige Vorfälle nicht wiederholen. Den kompletten Bericht von Apple finden Sie auf dieser Seite .

iPod-Produktion in China: Massive Vorwürfe gegen Apple (PC-WELT Online, 14.06.2006)

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