Antivirus-Firmen und der Schweizer Staatstrojaner

Montag den 05.03.2007 um 15:58 Uhr

von Frank Ziemann

Die Schweiz ist beim Thema Online-Durchsuchungen von Internet-PCs schon ein wenig weiter als Deutschland. Die Schweizer wollen Antivirus-Hersteller verpflichten, die staatlichen Spionageprogramme zu übersehen.
Wenn staatliche Ermittler mit den gleichen Mitteln operieren wie kriminelle Hacker, sollen Hersteller von Antivirus- und anderer Sicherheits-Software weg sehen. Das ist jedenfalls die Wunschvorstellung der Schweizer Behörden, wie die in Zürich erscheinende Sonntagszeitung am Wochenende berichtete. Der Schweizer Inlandsgeheimdienst möchte sogar ohne konkrete strafrechtlich relevante Verdachtsmomente Spähsoftware gegen PC-Besitzer einsetzen ( wir berichteten ).

Das scheint jedoch keine Zukunftsmusik zu sein. Die Sonntagszeitung zitiert einen Sprecher des Chaos Computer Clubs , nach dessen Angaben Behörden bereits heute mit Software-Firmen in Kontakt treten. Diese sollen wenig bekannte Sicherheitslücken nicht zu schnell schließen, damit die staatlichen Hacker sie noch ausnutzen können.

Da die so genannten "Staatstrojaner" nicht für eine großflächige Überwachung vorgesehen sind sondern nur einzelne Rechner kompromittieren sollen, ist eine zufällige Entdeckung der Programme durch Antivirus-Software eher unwahrscheinlich - aber eben nicht auszuschließen. Ein Schweizer Unternehmen hat bereits eine Überwachungssoftware für Behörden entwickelt, die weder von Antivirus-Programmen noch von Firewalls erkannt werden soll ( wir berichteten ).

Eine Ausnahmeregelung für staatliche Spionage-Tools führe allerdings Schutzprogramme ad absurdum, meint Magnus Kalkuhl von Kaspersky Labs. Die offizielle Linie von Symantec lautet, man halte sich an die Gesetze des jeweiligen Landes - das lässt Raum für Interpretationen. Die Antivirus-Hersteller sind jedenfalls in einer Zwickmühle, auf die sie gern verzichtet hätten. Eine blinde Stelle für behördliche Spyware untergräbt nicht nur das Vertrauen der zahlenden Kunden, sie kann auch ein Einfallstor für kriminelle Hacker öffnen.

Montag den 05.03.2007 um 15:58 Uhr

von Frank Ziemann

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