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Angriff auf Cracker schlägt Wellen

15.06.2000 | 17:06 Uhr |

Der Bericht über die Firma it-Brainwaves, die sich gegen die Benutzer der gecrackten Version ihres Shareware-Programmes Boss-Alarm wehrt, hat eine heftige Diskussion ausgelöst. Die Reaktionen reichten von "Lächerlich - wer lässt sich davon abschrecken", über "Dürfen die das?" bis zum Vorwurf eines "Hackerangriffs".

Gestern berichteten wir, dass die Software-Firma it-Brainwaves sich gegen die Benutzer der gecrackten Version ihres Shareware-Programmes Boss-Alarm wehrt. Unser Bericht löste eine heftige Diskussion darüber aus, ob ein solches Vorgehen zulässig ist.

Wer den Crack auf das Programm anwendet und es dann startet, erhält in dicken Lettern den Vorwurf "Lizenzverstoß" auf den Bildschirm und wird aufgefordert sich registrieren zu lassen, da ansonsten eine Anzeige erfolgen würde. Die angezeigte IP-Adresse macht dem Benutzer des gecrackten Programms deutlich, dass dies keine leere Drohung ist. Zusätzlich zur Registriergebühr verlangt die Firma noch eine Schadensersatzpauschale in Höhe von 50 Euro.

Unser Bericht löste eine heftige Diskussion im Forum aus. Die Reaktionen reichten von "Lächerlich - wer lässt sich davon abschrecken", über "Dürfen die das?" bis zum Vorwurf eines "Hackerangriffs".

Der Hersteller glaubt jedoch durchaus an die Rechtmäßigkeit seines Vorgehens. Denn der Benutzer wird während der Installation des Programms darauf hingewiesen, dass das Programm die Richtigkeit der Registrierung über das Internet kontrolliert. Da dies in der Lizenzvereinbarung steht, die bei der Installation bestätigt wird, müsse sich der Nutzer auch diese Abfrage über das Internet gefallen lassen.

Allerdings darf dann auch wirklich nur die Registrierung überprüft werden. "Die Übermittlung des Registrierungsschlüssels geschieht für alle jedermann einsehbar über die aufgerufene URL. Irgendeine Datenspionage erfolgt nicht", reagierte it-Brainwaves auf die Vorwürfe.

So sieht es auch Jürgen Schlottke, verantwortlicher Betreiber der Vereinigung von Sharewareautoren in Deutschland SAVE. "Wenn der Shareware-Autor eine Abfrage über das Internet einbaut, muss er dies dem Anwender sagen. Tut er dies, ist er natürlich im Recht", so Schlottke gegenüber der PC-WELT. Schließlich könne man als Anwender dann immer noch entscheiden, ob man ein Programm installieren möchte, das solche Daten an den Herstellern schickt.

Auch die Shareware-Anbieter sehen das Problem gecrackter Programme. "Bei uns sind 600 Autoren organisiert und es gibt 3000 Crackseiten weltweit, da muss man sich was einfallen lassen", so Schlottke. Einige Autoren könnten nichts mehr Verdienen mit ihrer Shareware. "Allerdings basiert Shareware auch auf Freiwilligkeit", fügt Schlottke hinzu. Jemanden zu zwingen etwas zu tun sei nicht der richtige Weg. "Ich sage immer meinen Autoren: Die Leute, die Cracks einsetzen sind sowieso nicht eure Kunden. Die würden ohne Crack eure Software auch nicht kaufen", ergänzt Schlottke.

Vor allem müsse man sich klar machen, dass jeder Schutz nur solange wirksam ist, bis er bekannt wird. In Windeseile reagieren Crackseiten und bieten für jede neuen Schutz einen neuen Crack an. Schlottke: "Deswegen sage ich auch immer, dass wir gegen Cracker keine Chance haben." Wenn der Server in Russland oder sonst wo steht, sei diesem Dilemma kaum beizukommen.

Trotz allem gilt die Empfehlung, sich zu schützen und immer Kontrolle darüber zu behalten, was der Rechner an andere Server schickt. Dies geschieht am Einfachsten mit Hilfe von Firewalls, die auch im privaten Bereich durchaus Sinn machen. Zu den besten Firewalls für Einzel-PCs gehört Zonealarm 2.1, das Sie gratis nutzen können. (PC-WELT, 15.06.2000, pk)

Shareware-Autoren Vereinigung

Download Zonealarm 2.1

Cracker unter Druck (PC-WELT, 14.6.2000)

Firewall für zu Hause (PC-WELT, 8.6.2000)

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