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HTC-Kooperation mit Google begann vor 5 Jahren

Der Handy-Hersteller HTC und Google arbeiten schon seit fünf Jahren gemeinsam an einem Handy. Das Design des ersten Modells, das beide Firmen in der vergangenen Woche vorstellten, ist seit zweieinhalb Jahren fertig und damit älter als das iPhone. Deswegen sieht es auch so altmodisch aus, beschwert sich der Mobilfunkchef von Myspace, der früher bei Google arbeitete.

Immer mehr Informationen über Googles neues Handy-Betriebssystem Android dringen an die Öffentlichkeit, sodass sich allmählich ein komplettes Bild abzeichnet. Der Handy-Hersteller HTC und Google haben schon vor fünf Jahren die Zusammenarbeit an einem Smartphone begonnen. Das Design des ersten Modells, T-Mobile G1, das beide Firmen in der vergangenen Woche präsentierten, ist eigentlich seit zweieinhalb Jahren fertig und damit älter als das iPhone. Auch Motorola setzt jetzt voll auf Android und Sony Ericsson hat es getestet, selbst Nokia schaut sich das System genauer an. So lassen sich die Äußerungen aus Interviews und Insider-Berichten der letzten Tage zusammenfassen.

Der Chief Marketing Officer von HTC, John Wang, hat in einem Interview mit PC World enthüllt, dass Google schon vor fünf Jahren auf seine Firma zukam, weil sie einen Hardware-Hersteller für ein eigenes Handy suchten. Diese ersten Gespräche führten aber zu keinen konkreten Ergebnissen, bis Google vor drei Jahren die Firma Android des Sidekick-Erfinders Andrew Rubin kaufte und so ein fertiges Handy-Betriebssystem bekam. Danach muss die Kooperation mit HTC schnell ein Gerät hervorgebracht haben, das seitdem unverändert aussieht und in der vergangenen Woche unter dem Namen T-Mobile G1 auf den Markt kam.

So beschreibt es zumindest der Mobilfunkchef von Myspace, Ulf Waschbusch, in seinem Blog . Der Deutsche arbeitete bis vor kurzem für Google an mobilen Anwendungen und plauderte jetzt ein bisschen aus dem Nähkästchen. Von Android hätte er schon vor zweieinhalb Jahren gehört, als Google-Chef Eric Schmidt ihm seinen Job anbot. Die Software und die eingebaute Hardware des Gerätes hätten sich seitdem verbessert, aber nicht das äußere Design. "Der Grund, warum das G1 vielen Leuten so hässlich und altmodisch erscheint, ist einfach, dass es wirklich so ist!", schreibt Waschbusch. Nur die Farben seien neu, weil das Android-Handy jetzt auch in Weiß und Zune-Braun verkauft wird, wie Waschbusch mit einem Seitenhieb auf den erfolglosen MP3-Player von Microsoft anmerkt.

Damit erklärt sich, warum das neue T-Mobile G1 genauso aussieht wie der Prototyp, den Android-Chef Andrew Rubin bereits im Februar dem BBC-Reporter Darren Waters vorführte. Auch das Fehlen eines Kopfhöreranschlsses und eines Video-Players enttäuscht Waschbusch, nach einer Menge von Kommentaren und Artikeln über seinen Blog-Eintrag sah er sich aber zu einer Aktualisierung genötigt: Das Aussehen des T-Mobile G1 findet er altmodisch im Vergleich zu neuen Geräten wie dem HTC Touch HD oder auch zum iPhone, aber die Hardware und das Betriebssystem seien super.

Das dürfte der Grund sein, warum jetzt auch Motorola auf Android setzt. Die Technologie-Blogger von Techcrunch haben erfahren, dass der größte amerikanische Handy-Hersteller seine Android-Entwicklungsabteilung von 50 auf 350 Mitarbeiter aufstockt. Eine Quelle nennt Techcrunch nicht, aber in den vergangenen Monaten haben sie meistens richtig gelegen und ihre Informationen passen zu den Details, die das Wired Magazine im Juni veröffentlichte. Motorola habe seine besten Designer, die schon das Razr entwickelten, auf neue Handys angesetzt, die jeder haben möchte. Die Entwickler des Blackberry-Konkurrenten Good Technology, den Motorola 2006 aufgekauft hat, müssten dafür die passende Android-Software entwickeln.

Die Konkurrenz möchte sich natürlich nicht überraschen lassen, falls Motorola und HTC den Markt aufrollen. Samsung und LG zeigten sich zwar bisher wenig beeindruckt und wollen frühestens in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres eigene Android-Handys herausbringen, meldet der Informationsdienst Telecoms Korea . Aber Sony Ericsson hat Android bereits auf Prototypen ausprobiert, sagte Technikchef Mats Lindoff im Interview mit VNUnet , und erwägt eigene Geräte mit dem Google-Betriebssystem.

Selbst Nokia hat neulich Programmierer auf eine Konferenz von Google geschickt, zu der eigentlich nur Android-Entwickler zugelassen waren. Das hat Techcrunch erfahren. Sie gehen aber nicht davon aus, dass Nokia jetzt ein eigenes Android-Handy herausbringt. Vielmehr dürfte Nokia nach Ideen schnüffeln, die es später in sein eigenes quelloffenes Handy-Betriebssystem Symbian einbauen kann. Falls die Software von Google ein Erfolg wird, kann Nokia natürlich schnell ein eigenes Mobiltelefon mit Android auf den Markt bringen.

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