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Unified Communications - Wer macht das Rennen?

Unified Communications beschreibt das Zusammenwachsen von IT-Anwendungen und Kommunikationstechnologie, die sich letztlich in funktionierende Produkte ausdrückt. Welche Technologieanbieter sind einer solchen Herausforderung gewachsen?

Von Philipp Bohn

Für die Umsetzung von UC müssen Technologieanbieter über vielfältige Kompetenzen und Erfahrungen verfügen – und zwar sowohl in der IT als auch der TK. Zentrale Anforderungen wie Sicherheit und effizientes Netzwerkmanagement müssen übergreifend berücksichtigt werden. Darüber hinaus sollte sich die Lösungsarchitektur am spezifischen Geschäft und den organisatorischen Anforderungen der Kunden orientieren. Hierfür ist entsprechendes Prozesswissen sowie in vielen Fällen eine globale Serviceinfrastruktur Voraussetzung. Vor diesem Hintergrund ist es für ITK-Entscheider keine leichte Aufgabe, die für ihr Unternehmen passende Lösung des geeigneten Anbieters sowie einen kompetenten Partner für die tatsächliche Umsetzung auszuwählen. Welche Technologieanbieter sind diesen Herausforderungen aus Sicht der CIOs gewachsen?

Die Ambivalenz der Lage illustrieren die Ergebnisse der Berlecon Studie " VoIP und Unified Communications 2008 ", für die 150 CIOs deutscher Unternehmen repräsentativ befragt wurden. Die Befragung gibt nicht zuletzt Aufschluss darüber, welcher ITK-Anbietergruppe CIOs die höchste Kompetenz in Sachen UC zutrauen. Zur Auswahl standen Hersteller mit traditionellem Hintergrund in TK-Hardware (z.B. Avaya, Nortel, Siemens), IT-Hardware (z.B. IBM, Sun), ITK-Infrastruktur (z.B. Cisco), Software (z.B. IBM, Microsoft), Festznetzprovider und schließlich IT- und TK-Systemintegratoren wie Computacenter, Dimension Data oder HP Services. Das Ergebnis fällt nur in einer Hinsicht eindeutig aus: Keine Anbietergruppe hat es bislang geschafft, bei den CIOs das alleinige Vertrauen in ihre UC-Kompetenz zu gewinnen. Ein genauerer Blick auf die Ergebnisse führt zu drei weiteren zentralen Erkenntnissen über den noch jungen UC-Markt:

Zunächst bescheinigen 43 Prozent der CIOs den Softwareanbietern hohe oder sehr hohe Kompetenz in Sachen UC. Wenn diese Führungsposition auch denkbar knapp ausfällt, stehen die Softwareanbieter damit unter den ITK-Anbietern am besten da. Diese Stellung beruht sicherlich zum großen Teil auf dem sehr hohen Marketingaufwand dieser Anbietergruppe zum Thema UC – allen voran Microsoft und IBM. Darüber hinaus spielen die Softwareanbieter durch ihre teilweise dominierende Marktstellung bei Office-Suiten und Groupware grundsätzlich eine zentrale Rolle im Rahmen der ITK-Integration. Für viele Anwender ist der Desktop sogar der Ausgangspunkt für die Entwicklung ihrer UC-Strategie und die Anbieterauswahl. Dennoch stellt sich die Frage, wie nachhaltig die gegenwärtige Führungsposition der Softwareanbieter ist.

Denn das Verfolgerfeld ist alles andere als abgeschlagen. Und es verwundert wenig, dass etwa Hersteller mit einem Hintergrund in IT-Hardware (41 Prozent) sowie ITK-Infrastruktur (39 Prozent) ebenfalls gut dastehen. Auch wenn es so mancher Softwareanbieter nicht wahr haben will: Ohne die Integration aller Elemente der ITK-Infrastruktur unter gleichzeitiger Berücksichtigung hoher Sicherheits- und Qualitätsniveaus ist UC nicht möglich. Und dort haben die traditionellen Player unumstritten die Technologieführerschaft und nicht zuletzt die Vertriebsstrukturen. Die Führungsposition der Softwareanbieter wird sich im Lauf der weiteren Marktentwicklung daher sicherlich relativieren, was ein dritter und sehr kritischer Blick auf die Kompetenzliste unterstreicht.

Denn nur zwischen 5 und 10 Prozent der CIOs trauen den jeweiligen Anbietergruppen "sehr hohe Kompetenz" in Sachen UC zu. Der Marketing-Hype darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Anbieter erst seit wenigen Jahren an der "Digitalisierung" und Integration ihrer Lösungen in UC-Architekturen arbeiten. Daher können manche Anbieter teilweise noch nicht im Alleingang leisten, was sie versprechen – und das wissen auch die Anwender. Teilweise scheitert es etwa bereits an der Integration von Faxdiensten in die UC-Lösung, für die dann die Gateways spezialisierter Drittanbieter benötigt werden. Um das Vertrauen der ITK-Entscheider zu gewinnen, ist also noch viel technische Entwicklungsarbeit nötig. Denn welcher CIO wird sich schon einem Anbieter anvertrauen, der aus seiner Sicht keine sehr hohe Kompetenz hat?

Um bei den Anwendern glaubwürdig dazustehen und Erfolg zu haben, müssen sich die Marktakteure als Partner und weniger als Konkurrenten zueinander positionieren. Das richtige Verhältnis zwischen Kooperation und Verbesserung der eignen Marktposition zu finden, ist für den einzelnen ITK-Anbieter sicherlich eine große Herausforderung. Dabei wird keiner alleine das Rennen machen, denn in Wirklichkeit ist UC ein Staffellauf, in dem mehrere Läufer in einer Mannschaft kämpfen – und gemeinsam gewinnen.

Philipp Bohn ist Analyst bei Berlecon Research mit den Schwerpunkten Voice over IP (VoIP) und Digital Economy.

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