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SaaS nur vom Softwareanbieter? Ein großer Irrtum!

20.11.2008 | 12:41 Uhr |

Open Source Software (OSS) gehört inzwischen zum Mainstream in deutschen Unternehmen. Die Empfehlung der EU-Kommission bei neuen Projekten OSS zu bevorzugen war dabei nur das i-Tüpfelchen.

Software as a Service (SaaS) wird gemeinhin als alternatives Delivery-Konzept der Software-Anbieter gesehen. Gleichzeitig drängt sich die Frage nach der Einbindung der Vertriebspartner auf, die sich von den Software-Anbietern oftmals umgangen fühlen. Hierbei entsteht nicht selten der Eindruck, dass der Hersteller den direkten Zugang zum Anwender sucht, um so die Kosten des indirekten Vertriebskanals zu reduzieren. Im Fall von IBM als Fachhandelspartner trifft dies nicht zu, denn viele der etablierten Software-Anbieter kooperieren mit IBM und nutzen Big Blue als Vertriebskanal für ihre Applikationen.

Anlässlich der europäischen Analystenkonferenz von IBM im Oktober konnte IDC Einblicke in die SaaS-Strategie von IBM gewinnen. IBM hat sich inzwischen zu einem ernstzunehmenden Anbieter von SaaS-Lösungen entwickelt. Das Unternehmen konzentriert sich im Moment fast ausschließlich auf die Bereitstellung der Infrastruktur. Im Rahmen seiner SaaS-Initiative arbeitet IBM mit rund 100 IT-Dienstleistern und Software-Anbietern zusammen. Durch das im Jahre 2005 akquirierte Unternehmen Corio bietet der klassische IT-Anbieter IBM inzwischen SaaS-Lösungen für SAP, Oracle, Peoplesoft, Siebel, Ariba, PTC und Lotus an - um nur einige zu nennen. Das hauseigene Business Intelligence-Angebot Cognos ist derzeit noch nicht integriert. Es ist allerdings zu erwarten, dass IBM in diesem Zusammenhang kurzfristig mit einer größeren Ankündigung an die Öffentlichkeit geht, um Cognos und weitere IBM Software-Angebote im Rahmen des "Information On Demand"-Angebots entsprechend zu positionieren.

IBM kann inzwischen das umfangreichste SaaS-Angebot im Markt vorweisen. Das Unternehmen fokussierte aus historischen Gründen und aufgrund der nach IDC-Analysen im Vergleich zu Europa unverhältnismäßig hohen Nachfrage in den USA mit diesem Angebot zunächst den US-Markt. Mit zunehmenden Aktivitäten im europäischen Wirtschaftsraum wird IBM mit seinem SaaS-Portfolio aber auch das Marktgeschehen hierzulande nachhaltig beeinflussen.

Schlussfolgerung: Klassische IT-Dienstleister und Software-Anbieter, die derzeitig SaaS-Angebote erwägen, sollten sich auf die neue Konkurrenz durch IBM einstellen und gegebenenfalls vom Start weg die partnerschaftliche Kooperation mit IBM suchen. Anwender haben zukünftig alle Möglichkeiten, aus identischen oder zumindest sehr ähnlichen SaaS-Angeboten von unterschiedlichen Herstellern mit der gleichen Anwendungslösung zu wählen. Dieser Trend wird die Wettbewerbssituation im Markt für Anwendungssoftware weiter verschärfen.


Rüdiger Spies ist Independent Vice President Enterprise Applications bei IDC in München

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