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Innovation statt Kostenbremse ist der Weg aus der Krise

Einfach nur an der Kostenschraube der IT zu drehen als Antwort auf die Krise ist zu kurz gedacht. Damit kann man zwar kurzfristig Einsparungen erzielen, sich aber langfristig um die Wettbewerbsfähigkeit bringen.

Von Joachim Benner

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem Abschwung. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass viele Unternehmen auf wirtschaftliche Schwächephasen mit Kosteneinsparungsprogrammen reagieren, wovon auch die IT nicht verschont geblieben ist. Auch in der jetzigen Krise werden viele Unternehmen ihre IT-Budgets überdenken und die Kostenschraube weiter anziehen. Das Thema Kostensenkung, ohnehin schon eines der zentralen Herausforderungen für die IT deutscher Unternehmen, wird also im Zuge der derzeitigen turbulenten Wirtschaftslage weiter an Bedeutung gewinnen.

Aus Sicht von IDC ist dies allerdings zu kurz gedacht. Wer angesichts der drohenden Rezession rigoros auf die Kostenbremse tritt, wird zwar kurzfristig Einsparungen erzielen, langfristig aber ins Hintertreffen geraten. In Zeiten der Schwäche ist dies zwar verlockend, um eine Krise zu meistern ist jedoch Innovationsfähigkeit gefragt.

Gerade in Zeiten rückläufiger Nachfrage ist es für Unternehmen in einem Hochlohnland wie Deutschland entscheidend, sich durch Produktinnovationen, Qualitäts- und Produktivitätssteigerungen von den internationalen Wettbewerbern abzuheben. Dabei spielt gerade der Einsatz der IT eine wichtige Rolle.

Hier besteht allerdings durchaus noch Nachholbedarf. So wies die deutsche Wirtschaft in den vergangenen Jahren im Vergleich zu den USA oder Großbritannien ein deutlich geringeres Produktivitätswachstum aus. Hierfür gibt es viele Gründe, wie etwa die Entwicklung der Arbeitskosten. Ein bestimmender Faktor ist aber auch im Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnologie zu sehen. Während Unternehmen in den USA hier in den vergangenen Dekaden eine Vorreiterrolle einnahmen, hinkte Deutschland bei den IT-Investitionen eher hinterher. Ein Zurückfahren der IT-Ausgaben als Reaktion auf die gegenwärtige Krise ist daher kritisch zu betrachten. Das Beispiel zeigt vielmehr, dass gezielte Investitionen in die IT den Unternehmen helfen, ihre Produktivität zu steigern.

Einfach Geld auszugeben reicht nicht

Die Produktivitätssteigerungseffekte rühren inzwischen allerdings nicht mehr aus der reinen Investitionen in die IT – es ist nicht mehr ausreichend, einfach nur in neue und leistungsfähige Hard- und Software zu investieren. Vielmehr ist es entscheidend wie Unternehmen in der Lage sind, mit Hilfe der IT Unternehmensstrukturen zu ändern, Innovationen voranzutreiben, neue Geschäftideen zu entwickeln und Geschäftsprozesse effizienter zu gestalten. Nur so lassen sich zusätzliche Produktivitätssteigerungen erzielen.

Während viele Unternehmen in den USA, insbesondere im Dienstleistungssektor, dies bereits realisiert und umgesetzt haben, befindet sich die hiesige Unternehmenslandschaft noch im Wandlungsprozess. Themen wie IT Business Alignment werden zwar immer häufiger als wichtig erkannt, dennoch ist die IT in der Regel noch stark kostengetrieben. Ein Grund hierfür ist, dass die IT eher als Kostenstelle denn als Business Enabler gesehen wird. Entscheidend ist auch die Rolle des CIOs: Bringt er sich in die Businesswelt aktiv ein oder ist er stark technikorientiert? Hier ist ein Umdenken in vielen Unternehmen erforderlich.

Produktivitätsfortschritte stellen sich meist nicht sofort ein oder werden direkt sichtbar. Änderungen vollziehen sich erst allmählich. So ergeben sich etwa als Folge von Investitionen in die IT neue Möglichkeiten der Organisation von Geschäftsprozessen, wie der Supply Chain, oder die Erschließung neuer Absatzkanäle. Wie diese Potenziale erschlossen werden, hängt entscheidend von den Fachabteilungen ab. Besonders wichtig ist dabei die Bereitschaft und der Wille zu Veränderungen. Die Fachabteilungen müssen daher stärker in die IT-Projekte eingebunden werden und so die Möglichkeit erhalten, die IT aktiv mit zu gestalten – ansonsten bleiben viele Potenziale, die sich aus Investitionen in die IT ergeben, ungenutzt liegen oder drohen gar zu verpuffen.


Joachim Benner ist Research Analyst bei IDC in Frankfurt

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