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Google sucht die Microsoft-Herausforderung – Google Docs Offline

Mit der Entscheidung, seine Google Docs auch offline arbeiten zu lassen, bewegt sich Google weiter in die Einflusssphären von Microsoft. Die heimlichen Gewinner dieser Schlacht könnten die Thin Clients sein.

Von Rüdiger Spies

Am 31. März tröpfelte die neue Information vorsichtig aus dem offiziellen Blog des Google Software Ingenieurs Philip Tucker heraus: Google Docs wird um eine Option zur Offline-Bearbeitung von Textdokumenten erweitert. Zunächst solle die neue Funktion nur in Englisch verfügbar sein und auch nur für eine begrenzte Anzahl von Nutzern. Trotzdem – die Katze ist aus dem Sack!

Damit schließt Google eine Lücke, die bereits von vielen Google-Docs-Kritikern, aber auch Kritikern anderer Online Office Tools, bemängelt wurde. Bisher konnten Dokumente ohne Internetzugang nicht eingesehen oder gar bearbeitet werden. Insofern ist die neue Funktion sehr elegant, da bei einer abreißenden Internetverbindung auch lokal weitergearbeitet werden kann. Das jeweilige Dokument würde dann lokal gespeichert und völlig transparent bei der nächsten Netzverbindung synchronisiert werden. Dies Funktion könnte – ähnlich wie beim "One-Button-Sync" des Palm – viele begeisterte Freunde finden.

Mit diesem Schritt bewegt Google sich weiter in Einflusssphären von Microsoft. Protagonisten behaupten sogar schon, dass der PC überflüssig wird, was Microsoft um viele Milliarden Euro Umsatz mit Desktop-Produkten bringen würde. So weit ist es allerdings noch nicht. Denn auch Microsoft geht mit seinem Angebot Office Live Workspace für Microsoft Office – zumindest aus Anwendersicht – in die gleiche Richtung. Nur hier hat nicht die im Netz gespeicherte Version des Dokuments die führende Rolle, sondern die lokale Version. Letztere ist aber auch im Netz abspeicherbar. Aus Anwendersicht wird sich dieser geringfügige Unterschied über kurz oder lang als unbedeutend darstellen.

Damit gewinnt auch der lang verschmähte Thin Client (diskless network station) wieder an Bedeutung. Die Zuwachsraten in diesem Bereich sind überdurchschnittlich und es könnten auch neue Nutzergruppen erschlossen werden. Einerseits hat die junge Generation ohnehin keine Berührungsängste mit dem Netzwerk, da sie mit dem allgegenwärtigen Netzwerk aufgewachsen ist. Andererseits könnten diejenigen, die sich nicht mit der (unter Umständen aufwändigen) Installation, Verwaltung und dem Betrieb eines PCs belasten wollten, als neue Kundengruppen gewonnen werden. Hierzu zählen beispielsweise Senioren und Computer-Laien, die sich auf diese Weise – ähnlich wie bei einem Telefon – benutzerfreundliche Computerressourcen erschließen können.

Unterm Strich wird der Schritt von Google sicher die Konkurrenz mit Microsoft anheizen. Google versucht auf diesem Weg Fakten zu schaffen (wenn auch noch sehr vorsichtig), bevor Microsoft durch die Übernahme von Yahoo die Chance einer ähnlichen Positionierung wie der von Google hat.

Rüdiger Spies ist Independent Vice President Enterprise Applications bei IDC in München

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