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Google bleibt Microsoft einen Schritt voraus

03.09.2008 | 15:47 Uhr |

Google hätte mit der Nachricht, einen eigenen Browser namens Chrome an den Start zu bringen, keinen besseren Zeitpunkt wählen können.

Microsofts neue Browser-Version ist gerade mal verfügbar und schon gerät das Unternehmen wieder unter Druck. Zwar ist Microsoft bemüht, die Verbindung seines Browsers mit seiner Suchmaschine zu stärken. Doch hakt Google nun mit seinem neuen Projekt eines eigenen Browsers genau hier ein und schließt auf diese Weise eine Lücke zum Anwender. Obwohl für die Anwender der Browser nur "ein Stück Commodity-Software für den Zugriff auf Internet-Ressourcen" ist, können sich für Anbieter von Netzwerk-Ressourcen (z.B. Google-Mail, Google Docs) bedeutende Vorteile dafür ergeben, auch das letzte Stück der Informationsflusskette – in diesem Fall den Browser – selbst zu kontrollieren. Dadurch können zusätzliche Funktionen angeboten werden, die zusammen mit anderen Browsern eventuell nicht funktionieren.

Mit der geplanten Offenheit und Erweiterbarkeit durch ein Open-Source-Modell wird es sicher – ähnlich wie bei Firefox – schnell zu Erweiterungen beim Google Browser kommen. Google kann diese im Zusammenhang mit Google Docs, oder der Suchmaschine, auch selbst anbieten. Damit kopiert Google im Prinzip das Verhalten Microsofts, die digitale Wertschöpfungskette zu kontrollieren. Bei Microsoft war und ist es die Integration des Betriebssystems mit Microsoft Office und dem Internet Explorer; Google verlagert diese Verbindung auf Google Ads und Apps (jetzige und zukünftige). In diesem Zusammenhang sollte man nicht vergessen, dass sich Google durch das neue Betriebssystem für mobile Telefone, namens Android, auch einen Zugang zu den wichtigen mobilen Nutzern des Internet verschafft.

Schlussfolgerung: Microsofts neue Browser-Funktion erntet positive Kritik im Vergleich zu Firefox und Apples Safari. Das Unternehmen konnte mit der neuen Version viele Funktionslücken zu anderen wichtigen Browsern schließen. Dennoch ist Google Microsoft einmal mehr um eine Nasenlänge voraus. Microsoft muss sich sputen, den Ruf des Innovationstreibers nicht vollständig zu verlieren.


Rüdiger Spies ist Independent Vice President Enterprise Applications bei IDC in München

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