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Cloud Computing - Innovativer Weg aus der Wirtschaftskrise?

Die weltweiten Ausgaben für Cloud Services werden sich in den nächsten fünf Jahren verdreifachen. Die aktuelle Wirtschaftskrise wirkt dabei wie ein Katalysator und heizt das Interesse an.

Von Mathias Kraus

Die Themen "Dynamic IT", "on Demand", "Utility Computing", "Software-as-a-Service" oder "Virtualisierung" werden schon seit einigen Jahren in den Fachmedien und von den IT-Anbietern diskutiert. Diese Ansätze der Bereitstellung von IT-Ressourcen lassen sich unter dem Begriff "Cloud Computing und Services" zusammenfassen. Im Kern geht es um den einfachen und flexiblen Bezug von IT-Produkten und -Leistungen wie Server- und Speicherkapazität, Storage oder Anwendungssoftware über das Internet. Doch wie bei Trends besteht das Hauptproblem zunächst einmal darin, dass ein einheitliches Begriffsverständnis fehlt. Die Anwender zeigten sich aus diesem Grund bisher eher zurückhaltend – wohl nicht zuletzt auch deshalb, weil konkrete Praxisbeispiele fehlen.

IDC ist der Überzeugung, dass das Interesse und die Akzeptanz deutscher Unternehmen an einer flexiblen und kostengünstigen Bereitstellung von IT-Ressourcen vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise und der stark eingetrübten Konjunkturaussichten deutlich zunehmen werden.

Cloud Computing bietet folgende Vorteile:
- Hohe Skalierbarkeit
- Schnelle und einfache Nutzung fast ohne Vorlaufzeit
- Nutzung ohne tiefere IT-Kenntnisse möglich
- Einsparungen bei eigenen IT-Kosten und Personal
- Geringe Kapitalbindung und verbrauchsabhängige Abrechnung
So können insbesondere Lastenspitzen oder saison- und konjunkturabhängige Geschäftsentwicklungen durch Cloud Services abgefedert werden. Und von diesen Vorteilen können nicht nur Großunternehmen, sondern auch mittelständische Unternehmen profitieren. Die Vision "IT wie Strom aus der Steckdose" wird durch Cloud Services also zur Realität.

Auf Anwenderseite herrscht derzeit allerdings noch eine gesunde Skepsis: Was passiert mit unseren Daten? Sind diese sicher gespeichert? Ist die Leistungsfähigkeit und Verfügbarkeit gewährleistet? Spare ich unter dem Strich tatsächlich Kosten ein? Kann ich Cloud Services so anpassen, dass sie meine individuellen Anforderungen erfüllen? Wie kann ich die schwankenden Kosten von verbrauchsabhängigen Services in meine Budgetplanung einkalkulieren?

IT-Anbieter, die sich erfolgreich im Cloud-Computing-Umfeld engagieren wollen, sollten die Bedenken der Anwender – vor allem hinsichtlich möglicher Sicherheitslücken – sehr ernst nehmen. Die Schlagzeilen über Datenklau und Hackerangriffe heizen die Sicherheitsdiskussion zusätzlich an. Umso wichtiger ist es für Anbieter, das Vertrauen der Anwenderunternehmen zu gewinnen. Eine zunehmender Verbreitung des Modells Cloud Computing sowie die Kommunikation erfolgreich realisierter Referenzprojekte werden die Anwender letztendlich überzeugen – dies zeigen die Erfahrungen, die wir vor einigen Jahren unter ganz ähnlichen Voraussetzungen mit dem Thema "Outsoucing" gemacht haben.

Cloud Computing ist mehr als ein kurzfristiges Modethema: IDC ist überzeugt davon, dass Cloud Services einen festen Platz im "IT-Sourcing-Mix" der Anwenderunternehmen einnehmen werden und eine sinnvolle sowie wichtige Ergänzung zu den bisherigen IT-Sourcing-Konzepten sind. CIOs in Deutschland werden schon bald nicht mehr fragen, ob Cloud Services überhaupt genutzt werden sollten, sondern welche Balance zwischen der Nutzung von eigener IT, Outsourcing und Cloud Services für das eigene Unternehmen optimal ist.


Matthias Kraus ist Research Analyst bei IDC in Frankfurt

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