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Homosexuellen-Literatur aus Rankings gelöscht

14.04.2009 | 12:47 Uhr |

Zensur oder Systemprobleme? Bei der Online-Plattform Amazon sind am Wochenende sämtliche Bücher mit Inhalten zum Thema Homosexualität aus den Rankings und der Suche verschwunden. Mehr als 57.000 Titel aus dieser, aber auch teils aus Kategorien wie Gesundheit, Medizin und Erotik waren plötzlich nicht mehr aufrufbar.

Autoren sowie Vertreter der Schwulen- und Lesbenszene reagierten daraufhin mit heftiger Kritik und warfen dem Online-Händler Zensurmaßnahmen vor. Amazon reagierte am Montag schließlich mit der Erklärung, es habe sich um einen "internen Systemfehler" gehandelt, der mittlerweile wieder behoben sei. "Das ist ein beschämender und ungeschickter Katalog-Fehler für ein Unternehmen, das Wert darauf legt, eine größtmögliche Auswahl zu bieten", schreibt Drew Herdener, Kommunikationsdirektor bei Amazon, in einer E-Mail-Erklärung.

"Der Fehler wurde nicht nur in den USA sondern weltweit festgestellt. Er beeinträchtigte die Darstellung des Verkaufsrangs von Titeln, die zudem nicht mehr in den Ergebnislisten der Amazon-Produktsuche auftauchten", ergänzt Christine Höger, Sprecherin Amazon Deutschland. Für viele Titel sei der Fehler bereits behoben worden und Amazon sei dabei, den Fehler auch für die verbleibenden Titel schnellstmöglich zu korrigieren. "Darüber hinaus beabsichtigen wir die Einführung neuer Maßnahmen, um derartigen Fehlern in der Zukunft noch stärker vorzubeugen", so Höger.

Wie genau der Systemfehler zustande gekommen ist, wollte der Online-Händler bislang jedoch nicht öffentlich erläutern. Von der peinlichen Panne betroffen waren unter anderem Bücher wie James Baldwins "Giovanni's Room", Titel von E.M. Forster und Gore Vidal sowie der Homosexuellen-Roman "Transgressions" und "Unfriendly Fire", ein kürzlich erschienenes Buch über die Behandlung Homosexueller beim US-Militär.

Die spärliche Erklärung für den angeblichen Systemfehler nährte infolge jede Menge Spekulationen darüber, was es mit dem Verschwinden der Bücher tatsächlich auf sich haben könnte. Nicht zuletzt meldete sich auch ein Blogger zu Wort, der behauptete, er habe die Titel aus den Amazon-Listen entfernt, weil es immer wieder Beschwerden über "unpassende" Werbeanzeigen aus der Schwulen- und Lesbengemeinschaft gegeben habe. Der selbsternannte Hacker mit dem Nickname "weev" schrieb in seinem Blog, die Aktion sei mit nur zehn Zeilen Code umzusetzen gewesen. (pte)

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