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Das Geld liegt in der Schublade

05.06.2010 | 15:29 Uhr |

Aktuellen Zahlen nach verfügen allein die Deutschen mit Beginn des Jahres über 108,5 Mio. Mobilfunkanschlüsse. Gegenüber 2009 sind das über eine Mio. Handys mehr. So steigt die Zahl ungenutzter Zweit- oder Drittgeräte ständig. pressetext sprach mit Roman Keilhacker, COO der Zonzoo Group, einem international tätigen Unternehmen, das gebrauchte Handys für eine Weiternutzung aufbereitet oder umweltgerecht entsorgt. Neben dem Weiterverkauf der Geräte spielt aber auch der Charity-Gedanke eine wichtige Rolle.

pressetext: Zonzoo ist auf umweltgerechtes Recycling und die Wiederverwertung gebrauchter Handys spezialisiert. Wie viel Potenzial hat diese Geschäftsidee?

Keilhacker: Das Geschäft ist lukrativ und der Markt wächst stetig. Auch kommen verschiedene Studien zu dem Ergebnis, dass die Europäer im Schnitt drei Handys besitzen. Die Zahl ungenutzter Mobiltelefone ist damit sehr hoch. Obwohl die Wiederverwendbarkeit im Vordergrund steht, bietet sich im Zuge des Recyclingprozesses auch eine Verwertung der Rohstoffe an. Gerade Entwicklungsländer weisen eine große Nachfrage auf.

pressetext: Der lange Zeit befürchtete Einbruch im Konsum dürfte ausbleiben. Laut dem DIHK sehen mehr als drei Viertel der deutschen Händler ihre Lage als gut oder befriedigend. Den Hauptsitz hat Zonzoo aber in England. Inwieweit spüren Sie die Wirtschaftskrise?

Keilhacker: Die Krise hat uns kaum betroffen. Denn die Intentionen, warum Menschen ihre alten Handys verkaufen, sind sehr unterschiedlich. Viele wollen einfach nur etwas Gutes tun oder sich ein wenig Geld verdienen. Trotz oder gerade wegen der Krise sind viele Menschen eher motiviert, ihre ungenutzten Handys abzugeben. Denn es liegt Geld in der Schublade.

pressetext: Sind angesichts des Erfolgs weitere Expansionen von Zonzoo geplant?

Keilhacker: Wir sind aktuell in Holland, Belgien, Spanien, Portugal, England, Deutschland und Österreich sowie mit Dubai zum ersten Mal außerhalb Europas vertreten. Wir wollen aber weiter wachsen und sondieren den Markt ständig nach günstigen Erweiterungen. Allerdings hängen Expansionen immer davon ab, inwieweit wir mit Partnern - die in den Ländern vor Ort über entsprechende Expertise verfügen müssen - zusammen kommen. Derzeit sind wir mit vielen Firmen im Gespräch. Daher können wir uns 2010 fünf bis zehn neue Länder vorstellen.

pressetext: Europaweit wurden inzwischen über zehn Mio. Mobiltelefone recycelt oder für die Weiterverwendung aufbereitet. Nach welchen Kriterien wird entschieden, ob Geräte für den Wiederverkauf geeignet sind oder nicht?

Keilhacker: Entscheidend ist der Markt und ob man in den Entwicklungsländern dafür überhaupt Geld bekommt. Damit die Strategie aufgeht und es sich für uns lohnt, muss ein Volumen-Business gegeben sein. Eröffnet sich diese Möglichkeit nicht, dann bieten wir auch den Service an, die Gebrauchtgeräte gegen Portoerstattung zurückzunehmen und mit zertifizierten Dienstleistern zu recyceln und letztlich in die Einzelbestandteile zu zerlegen.

pressetext: Damit Kunden auf den Verkauf aufmerksam werden, bedarf es im Web-2.0-Zeitalter einer zielgerichteten Adressierung. Welche Rolle spielt die Ansprache von Kunden über das Internet?

Keilhacker: Dies ist für Zonzoo ein sehr wichtiger Aspekt. Hierbei treiben wir zwei Konzepte voran. Erstens werben wir für den Ankauf ungenutzter Handys über die Zonzoo-Webseite und zweitens bieten unsere Retail-Partner direkt am Point of Sale die Rücknahme alter Handys an.

pressetext: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Herstellern, die nach dem deutschen Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) seit 2005 dazu verpflichtet sind, gebrauchte Geräte wieder zurückzunehmen?

Keilhacker: Wir arbeiten mit einigen Herstellern zusammen. Auch Mobilfunkprovider sind mit Zonzoo Kooperationen eingegangen. Zudem gibt es Überlegungen, das Geschäft nicht nur auf die Rücknahme von alten Handys zu beschränken, sondern auf sämtliche elektronische Kleingeräte zu erweitern, die in größerer Stückzahl hergestellt wurden. Derzeit fokussiert sich die Expansion des Unternehmens aber noch vorrangig auf den Bereich der Mobilfunkgeräte.

pressetext: Zonzoo wirbt damit, dass für jedes angekaufte Handy fünf Prozent des Gewinns an eine wohltätige Organisation gespendet werden. Hat der Kunde Einfluss darauf, an welche der 50 Charity-Partner das Geld geht?

Keilhacker: Das kommt ganz auf das Land an, in dem Zonzoo tätig ist. Wir arbeiten mit den unterschiedlichsten NGOs wie Tierschutz- oder Menschenrechts-Organisationen zusammen. Ziel ist es, dass der Kunde mit der Abgabe des Gerätes die Möglichkeit hat, die Organisation auszusuchen und gezielt zu unterstützen, die ihm am Herzen liegt. Die Social Responsibility Zonzoos kommt außerdem bei den Unternehmenskunden zum Ausdruck. Anstatt einen Betrag für die Altgeräte zu zahlen, kommt das Geld vor allem Charity-Veranstaltungen zugute.

pressetext: Vielen Dank für das Gespräch.

(pte)

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