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Allgegenwärtiges Netz: Visionen aus Seoul

Das Internet wird nach Einschätzung von Experten der IT-Branche schon bald allgegenwärtig im Leben eines jeden sein. "Die Brücke zwischen der physischen Welt und der digitalen Welt wird heute geschlagen", sagte George Colony, Chef des Marktforschungsinstituts Forrester Research, auf dem Seoul Digital Forum (18. bis 20. Mai). Der allgegenwärtige Computer, "Ubiquitous Computing" heißt das neue Schlagwort der Branche. Computer zu verwenden werde so einfach sein wie das Aufdrehen des Wasserhahns.

"In der traditionellen IT-Welt muss der Nutzer lernen, wie man Computer verwendet", sagte der Chef des Elektronikherstellers Samsung Electronics, Yun Jong Yong. "Beim Ubiquitous Computing lernt die Maschine aus dem Verhalten des Nutzers und bietet passende Lösungen an." Das Unternehmen will dabei eine Führungsrolle spielen.

RFID (Radio Frequency Identification) heißt die zu Grunde liegende Technologie. RFID wird etwa in so genannten Smart Labels verwendet, mit denen Logistikunternehmen die Strichcodes auf Paketen ersetzen. Die Labels enthalten neben einem Chip eine Antenne, über die Daten an entsprechende Lesegeräte übertragen werden können. Neben der Produktbezeichnung lassen sich Zusatzinformationen wie Lieferwege, Herstellungsdatum und Erzeugerdaten speichern. Rasierklingen können auf diese Weise ebenso mit einer Internet-Adresse versehen werden wie Temperaturfühler einer Klimaanlage.

Colony rechnet damit, dass die Zahl der so vernetzten Geräte bis 2012 auf 14 Milliarden steigen wird. Die dafür erforderlichen Investitionen bezifferte er auf 2,7 Billionen US-Dollar. Auch Menschen könnten sich dafür entscheiden, eine RFID-Marke zu tragen, die persönliche Daten enthält. Im Gegenzug für Gesundheit und Sicherheit seien viele Menschen dazu bereit, den Schutz ihrer Privatsphäre zumindest teilweise aufzugeben.

"In Zukunft wird jeder alles über mich wissen", sagte Colony. "Die Gesellschaft wird sehr transparent sein, ob uns das gefällt oder nicht." Datenschützern verursacht die Vision einer Welt, die von tausenden vernetzter Sensoren überwacht wird, eher Albträume.

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