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Tesla: So viel kostet Sie die Selbst-Fahr-Technologie

21.10.2016 | 12:45 Uhr |

Tesla hat verraten, wie viel Kunden für den verbesserten Autopiloten und für die Selbstfahr-Technologie bezahlen müssen.

Tesla verbaut ab sofort in allen seinen Modellen S und X sowie im kommenden Model 3 die gesamte Hardware, die für den Autopiloten und für das vollautonome Fahren erforderlich ist (technische Details dazu siehe weiter unten: "Die technische Basis der Selbstfahr-Funktion"). Aufpreisfrei, die Komponenten sind also in jedem Fall verbaut. Doch um die beiden Technologien (später) nutzen zu können, muss man sie gegen einen Aufpreis frei schalten lassen, wie the Verge berichtet.

Enhanced Autopilot alias Autopilot der 2. Generation

Die Nutzung des „Enhanced Autopilot“ (verbesserter Autopilot) beziehungsweise des "Autopiloten der zweiten Generation" kostet im Model S und im Model X satte 5000 US-Dollar Aufpreis, wenn man ihn beim Kauf gleich mitbestellt. Lässt man den Autopiloten dagegen erst nach dem Kauf freischalten, so muss man sogar 6000 Dollar dafür bezahlen. Also 1000 Dollar mehr, als wenn man ihn bereits beim Kauf mitbestellt.

Deutsche Preise : In Deutschland kostet der verbesserte Autopilot 5500 Euro Aufpreis beim Kauf. Für die nachträgliche Aktivierung erst nach dem Kauf verlangt Tesla 6600 Euro Aufpreis.

Der nachträgliche Kauf stellt aus technischer Sicht kein Problem dar, weil die Freischaltung ein reiner Software-Vorgang ist, die Hardware ist ja, wie bereits erwähnt, ab Werk vollumfänglich eingebaut.

Dieser Enhanced Autopilot stellt eine Weiterentwicklung des Autopiloten dar, den Tesla bis jetzt in seinen Fahrzeugen angeboten hat. Derzeit kann man diesen verbesserten Autopiloten aber noch nicht nutzen, weil Tesla dessen Erprobung noch nicht abgeschlossen hat. Tesla geht davon aus, das die Erprobung des verbesserten Autopiloten bis Dezember abgeschlossen ist. Danach müssen noch die Behörden zustimmen und dann beginnt Tesla mit der Auslieferung via Over-The-Air-Update.

Er soll die Geschwindigkeit des Tesla selbstständig besser an die Verkehrsbedingungen anpassen und den Wagen automatisch noch besser die Fahrspur wechseln lassen, ohne dass der Fahrer aktiv werden muss. Der Autopilot soll auch selbstständig die richtige Autobahnabfahrt nehmen können, sofern der Tesla anhand einer laufenden Navigationsroute das Reiseziel kennt.

Full Self-Driving Capability: Selbstfahr-Technologie

Zusätzlich zum verbesserten Autopiloten verkauft Tesla noch das Paket Full Self-Driving Capability. Es ermöglicht zu einem noch in ferner Zukunft liegenden Zeitpunkt die Möglichkeit den Tesla in ein autonom fahrendes Auto zu verwandeln, das zudem selbstständig auch einen Parkplatz sucht. Auch das geschieht dann ausschließlich über ein Software-Update, die dafür nötige Hardware (siehe unten) ist bereits ab Werk verbaut.

Tesla verlangt beim Kauf eines Neuwagens 3000 Dollar für die “Full Self-Driving Capability”. Will man diese Funktion erst nachträglich erwerben, so muss man dann 4000 Dollar bezahlen. Voraussetzung für den Erwerb der “Full Self-Driving Capability” ist jedoch der oben beschriebene „Enhanced Autopilot“, so dass das vollautonome Fahren insgesamt als mindestens 8000 Dollar kostet.

Deutsche Preise: Deutsche Kunden müssen für die Selbstfahrfunktion beim Kauf 3300 Euro bezahlen, nach dem Kauf sind 4400 Euro fällig. 8800 Euro muss ein Tesla-Kunden in Deutschland also mindestens für die Selbstfahr-Funktion bezahlen.

Alle Teslas besitzen ab sofort vollwertige Selbstfahr-Funktion, die allerdings erst noch freigeschaltet werden muss.
Vergrößern Alle Teslas besitzen ab sofort vollwertige Selbstfahr-Funktion, die allerdings erst noch freigeschaltet werden muss.
© Tesla

Diese 3000 Dollar/3300 Euro Aufpreis sind eine Wette auf die Zukunft: Denn Tesla sagt nicht, wann es das vollautonome Fahren tatsächlich freischalten wird. In den US-Medien ist von fünf bis zehn Jahren die Rede, die das noch dauern wird. Das würde bestens zu den Prognosen der deutschen Automobil-Hersteller passen: Audi, BMW und Daimler gehen ebenfalls davon aus, dass ein selbstständig fahrendes Auto erst deutlich nach 2020 in den Verkauf kommen wird. Behält man diesen Zeitraum im Hinterkopf, so entpuppt sich Teslas Versprechen, bereits jetzt die gesamte für das autonome Fahren nötige Technologie in seinen Fahrzeugen zu verbauen, als frecher Marketingtrick. Sofern nicht doch Elon Musk Recht behält: Er rechnet nämlich mit der Einführung der Selbstfahrtechnologie in seinen Teslas bereits in zwei bis drei Jahren.

Tesla profitiert aber von jedem einzelnen neuen Tesla, der mit der Hardware für das autonome Fahren unterwegs ist – auch wenn die Funktion noch nicht zur Verfügung steht und nicht mitgekauft wurde. Denn jeder einzelne Tesla sammelt ständig im so genannten „Schattenmodus“ Fahrdaten und sendet diese an die Tesla-Server. Diesen Datenstrom braucht Tesla um seinen Autopiloten weiterentwickeln zu können, bis er schließlich den Stand eines selbstfahrenden Autos erreicht hat.

Wie viel der verbesserte Autopilot und die Selbstfahrfunktion im Tesla Model 3 kosten werden, hat Tesla noch nicht gesagt.

Die technische Basis der Selbstfahr-Funktion

Angriff ist die beste Verteidigung: Das scheint das Motto von Tesla zu sein. Trotz mehrerer durch den Autopiloten verursachten Unfälle und sogar einem Todesopfer bei der Verwendung des Autopiloten und massiver Kritik durch das Bundesverkehrsministerium will Tesla ab sofort in allen neu produzierten Fahrzeugen eine vollständige Selbstfahr-Funktion integrieren, die alle neuen Teslas zu vollautonomen Fahrzeugen machen kann. Das teilte der US-amerikanische Elektro-Auto-Hersteller jetzt mit.

Den Umstieg vom assistierten (wie bisher) zum autonomen Fahren will Tesla aber erst nach und nach per Software-Updates freischalten. Konkret heißt das: Tesla verbaut ab sofort die gesamte Hardware für autonomes Fahren in seinen Neu-Fahrzeugen. Die dafür nötige Software schaltet Tesla aber erst im Laufe der Zeit und in mehreren Schritten frei. Über diesen Zeitraum hinweg sammeln alle Tesla-Fahrzeuge immer mehr Informationen über das autonome Fahren und geben diese Daten an die Tesla-Server weiter. Bis eines Tages dann schließlich Teslas Elektro-Flitzer tatsächlich in der Lage sind autonom zu fahren.

Tesla begründet die Auslieferung der „Self Driving”-Funktion damit, dass ein autonom fahrendes Auto deutlich sicherer sei als ein von Menschenhand gesteuertes Auto.

Die Self-Driving-Funktion verbaut Tesla also ab sofort im Model S, Model X und im kommenden Model 3.

Die neue für das autonome Fahren nötige Hardware besteht aus diesen Komponenten:

Acht Kameras liefern ständig ein 360-Grad-Rundum-Bild. Allein drei Kameras beobachten nur das Geschehen vor dem Auto, blicken also nach vorn. Die acht Kameras erfassen laut Tesla Objekte bis zu einer Entfernung von 250 Metern, abhängig von den Sichtverhältnissen. Bisher verbaut Tesla genau eine solche Kamera, die nach vorn schaut. Diese eine Kamera zeigte sich beim tödlichen Unfall aber überfordert, weshalb Tesla beim Autopiloten derzeit vor allem auf den ebenfalls verbauten Lasersensor setzt.

Zwölf überarbeitete Ultraschallsensoren, die doppelt so weit entfernt (weiche und harte) Objekte erfassen können, als es die bisher verbauten Ultraschallsensoren können. Auch diese Ultraschallsensoren liefern einen 360-Grad-Rundumblick.

Ein Front-Radarsensor auf der Basis des kürzlich verbesserten Modells. Die Radardaten sind redundant zu den Kamera- und Ultraschallsensordaten und dienen somit zur doppelten Absicherung nach vorne. Anders als die Kameras durchdringen Radarwellen auch dichten Regen, Nebel und Staub und können sogar durch ein vor dem Tesla befindliches Auto „durchschauen“. Alle Sensoren zusammengenommen liefern ein viel umfassenderes Bild von der Umgebung rund um das Fahrzeug, als es die Sinnesorgane eines Menschen jemals könnten, wie Tesla-Chef Elon Musk verspricht.

Umfassendes und redundantes Rundumbild
Vergrößern Umfassendes und redundantes Rundumbild
© Tesla

Ein neuer Onboard-Computer ist ebenfalls nötig, um die viel größeren Datenmengen, die nun durch die größere Anzahl an Sensoren anfallen, schnell genug verarbeiten zu können. Der neue Computer soll 40 Mal schneller rechnen als der bisher verbaute Onboard-Rechner. Elon Musk bezeichnet diesen neuen Rechner, der in jedem Tesla verbaut ist, in der für ihn typischen Bescheidenheit als „Super-Computer“.

Jeder Tesla-Kunde, der ab sofort einen neuen Tesla bestellt, bekommt die neue Hardware bereits verbaut. Konkret im Alltag kann der Tesla-Fahrer aber nur den bereits bekannten Autopiloten nutzen. Denn Tesla will die von den vielen neuen Sensoren erfassten Daten erst analysieren und so die Auto-Pilot-Funktion dazu lernen lassen und allmählich über Software-Updates nach und nach zum vollwertigen selbstfahrenden Auto aufrüsten.

Tesla weist zudem daraufhin, dass sich bedingt durch den Lernprozess anfangs im neuen Autopiloten der zweiten Generation einige Funktionen noch nicht nutzen lassen könnten, die im Autopiloten der ersten Generation, der bereits auf den Straßen unterwegs ist, bereits zur Verfügung stehen. Das könnte das Notbremssystem betreffen, den Kollisionswarner, aber auch den Spurhalteassistenten und das ACC. Diese Funktionen würde Tesla aber nach ausreichender Prüfung wieder nach und nach via Over-the-Air-Updates freischalten. Und dann eben auch völlig neue Funktionen noch dazu packen, die der Autopilot der ersten Generation bisher nicht bietet.

Bereits verkaufte Teslas können mit der neuen Hardware nicht nachgerüstet werden.

Bereits Ende 2017 soll ein vollautonomer Tesla von Los Angeles nach New York fahren.

 

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