Alle 90 Tage Check

Neue Windows-7-Aktivierungsroutine in der Kritik

Montag den 15.02.2010 um 14:24 Uhr

von Panagiotis Kolokythas

Microsoft hatte in der vergangenen Woche ein Update für die Aktivierungsroutine von Windows 7 angekündigt. Die Art und Weise, wie die neue Routine arbeitet, sorgt mittlerweile für Kritik. Hauptvorwurf: Windows 7 telefoniert nach der Installation des Updates regelmäßig "nach Hause".
Der US-Internet-Aktivist Lauren Weinstein hat Windows-7-Anwender dazu aufgerufen, nicht das Update herunterzuladen, das Microsoft ab Ende Februar via Windows Update verbreiten wird. Das von Microsoft Ende letzter Woche angekündigte freiwillige Update aktualisiert die Aktivierungsroutine von Windows 7 (WAT, Windows Activation Technologies).

Das Update soll dem Anwender dabei helfen festzustellen, ob er eine legale Version von Windows 7 einsetzt. Aus diesem Grunde ist dessen Installation auch freiwillig. Dabei wird WAT unter anderem um die Erkennung von über 70 gängigen Aktivierungs-Umgehungen aktualisiert.

"Den Herangehensweise von Microsoft scheint keinerlei Sinn zu machen, selbst nicht für die ehrlichen Kunden", kritisiert Weinstein in seinem Blog. Er stört sich vor allem daran, dass nach dem Update das Betriebssystem alle 90 Tage in Kontakt mit Microsoft-Servern tritt, um festzustellen, ob eine legale Version installiert ist.

Microsoft hatte bei der Ankündigung des Updates betont, dass bei der Kontaktaufnahme mit Microsoft-Servern keinerlei persönliche Informationen des Anwenders übertragen würden. Dennoch müssen sich die Anwender aber im Endeffekt gefallen lassen, dass alle 90 Tage ihr Betriebssystem neu auf seine Echtheit hin überprüft wird.

Joe Williams, General Manager der Microsoft Genuine Windows Group, hat gegenüber unserer US-Schwesterpublikation Computerworld bestätigt, dass Windows durch das neue Update erstmalig wiederholt seine Echtheit überprüft, auch wenn es bereits erfolgreich aktiviert wurde. Bei Windows XP und Windows Vista seien bereits erfolgreich aktivierte Betriebssysteme nicht erneut regelmäßig neu überprüft worden. Nur bei Systemen, bei denen signifikante Änderungen an der Hardware gemacht wurden, wurde die Validierung der Aktivierung wiederholt.

Williams verteidigt aber das Update für Windows 7. "Wir wollen sicherstellen, dass unsere Kunden geschützt sind. Und wir sind ein kommerzielles Unternehmen und für uns ist es wichtig, unser geistiges Eigentum zu schützen", sagte Williams. Im Nachhinein müsse überprüft werden können, ob ein Rechner durch einen Trick aktiviert wurde, der bei der Validierung noch nicht bekannt gewesen sei.

Der Argumentation will aber Weinstein nicht folgen: "Es ist eine Sache, wenn das System validiert wird, wenn man es erhält. Aber das es Monate oder Jahre später erneut validiert wird und Microsoft sagen kann ´jetzt müssen wir Ihnen mitteilen, dass ihr Windows doch nicht echt ist‘… Das wird zu einer Frage des Eigentums. Ab welchem Zeitpunkt wird man von der regelmäßigen Überprüfung befreit?"

US-Internet-Aktivist Lauren Weinstein empfiehlt allen Windows-7-Nutzern das Update nicht herunterzuladen und Windows so einzustellen, dass es nicht automatisch Updates herunterlädt und installiert.

Zumindest bei letzterem Punkt sind sich Weinstein und Microsofts Joe Williams einig. Microsoft habe, so Williams, nachdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich um ein freiwilliges Update handle. Jeder Anwender, der nicht wolle, das WAT regelmäßig das System überprüft, brauche schlicht und einfach nicht das Update zu installieren. Außerdem weist Williams darauf hin, dass das Anti-Piraterie-Update für Windows 7 eine weitere Neuerung enthalte: Einmal installiert, könne es jederzeit auch wieder vom System entfernt werden. In der Vergangenheit war dies bei Anti-Piraterie-Updates nicht möglich.

Microsoft wird das WAT-Update zunächst in dieser Woche zum manuellen Download zur Verfügung stellen. Ende des Monats soll dann die Verbreitung als optionales Update via Windows Update erfolgen.

Montag den 15.02.2010 um 14:24 Uhr

von Panagiotis Kolokythas

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