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Steve Jobs spricht über iPhone-Prototyp, Flash und Google

02.06.2010 | 15:57 Uhr |

Auf der Konferenz "AllThingsD" hat Jobs über die Ereignisse der vergangenen Monate gesprochen. So sei es richtig gewesen, die Beteiligten bei der Prototypen-Veröffentlichung des iPhone zu verfolgen.

Öffentliche Podiumsdiskussionen mit Steve Jobs sind sehr selten. Auf der Internet- und Technikkonferenz "AllThingsD", die vom Wall Street Journal veranstaltet wird, stellte sich Jobs in diesem Jahr wieder den fragen von Kara Swisher und Walt Mossberg. Dabei gibt Jobs einige Einblicke in das Denken und Handeln von Apple.

Als er über Apples Verhältnis zu Google gefragt wird, sagt er als Beispiel lachend "Wir haben uns nie in einem Plattformkrieg mit Microsoft gesehen – vielleicht haben wir deshalb verloren". Steve Jobs spricht auf dem Podium über Flash, über den verlorenen iPhone-Prototypen und Zukunftsmärkte für Apple.

Zu Beginn des Gesprächs kommentiert Jobs auf Nachfrage die Tatsache, dass der vermeintliche Underdog Apple den Riesen Microsoft an Börsenwert überholt hat. "Für Menschen, die schon lange in diesem Geschäft sind, mag es surreal erscheinen. Es bedeutet aber eigentlich nicht viel", so Jobs.

Mossberg und Swisher fragen den Apple-CEO auch über seinen offenen Brief zu Flash aus. "Wir haben nicht die größten Ressourcen. Unser Weg zum Erfolg ist es, auf das richtige technische Pferd zu setzen, sich die zukunftsträchtigen Technologien auszusuchen. Dabei wählen wir Dinge, die sich in ihrem Frühling befinden. Damit sparen wir enorm viel Ressourcen." Als Beispiel nennt Steve Jobs das Weglassen des Diskettenlaufwerks, um stattdessen auf USB zu setzen. Flash sei für ihn eine Technik, die ihren Höhepunkt hinter sich habe.

Apple habe sich entschieden, keine Ressourcen daruaf zu verwenden, Flash auf das iPad zu bringen. Man habe Adobe angeboten, dass sie Apple eine schnell laufende Version vorstellen sollen, wenn sie fertig sei, was nie passiert sei. Der offene Brief sei eine Reaktion darauf gewesen, dass Adobe Apple dauernd in der Presse schlecht gemacht habe. Wenn der Markt aber zeige, dass Apple die falsche Entscheidung getroffen habe, werde man darauf reagieren.

Steve Jobs spricht auch über die Gizmodo-Geschichte rund um den gefundenen Prototypen und scherzt: "Dies ist eine unglaubliche Geschichte: Es gibt Diebstahl darin, Hehlerei, es gibt vermutlich sogar Sex in dieser Story, jemand soltle einen Film daraus machen." Es sei nicht sicher, ob das gerät verloren ging oder aus einer Tasche gestohlen wurde, so Jobs. Derjenige, der den Prototypen letztlich erhalten habe, hätte sich entschieden, diesen zu verkaufen. Die Mitbewohnerin des Mannes habe die Polizei verständigt. Jobs bekennt sich auch zu Apples Rolle in der Geschichte.

"Viele haben mir gesagt, wir sollten locker lassen und die Geschichte laufen lassen. Dann habe ich lange überlegt und über die essenziellen Werte unseres Unternehmens nachgedacht. Ich kam zu dem Schluss, dass das Schlimmste das überhaupt passieren wäre, wenn wir mit dem Wachstum unsere Grundwerte verändern und die Sache einfach laufen lassen. Ich kann das nicht, ich würde lieber aufhören." Apple habe heute noch die gleiche Grundhaltung wie am Anfang.

Ein Gast aus dem Publikum fragt Steve Jobs, was er von Nutzeranalyse in Apps halte. Jobs antwortet mit einer Anekdote: "Wir waren naiv. Es gab eines Tages einen Bericht der Analytiker von Flurry Analytics, der sagte, dass auf dem Apple Campus mehrere neue iPhone- und Tablet-Geräte im Einsatz seien. Wir waren überrascht und sauer. Es widerspricht allen Datenschutz-Richtlinien für Entwickler, Code in Apps einzubauen, die Details über das Gerät, den Nutzer und den Ort an eine Analysefirma senden".

Deshalb habe Apple diese Tools verboten. Einzig zum Zweck der Werbung seien Analysemittel erlaubt, nicht um die Nutzer auszuspionieren. Vielleicht werde man, wenn Apple nicht mehr sauer sei, mit einer dieser Firmen über dieses Prinzip reden, jetzt sei es aber noch nicht so weit.

Jobs beantwortet auch eine Frage, ob Apple in das TV-Geschäft einsteigen wolle. Jobs antwortet, dass der TV-Markt sehr kompliziert sei und die Nutzer von jedem Anbieter eine eigene Box mit einer jeweils unterschiedlichen Oberfläche bekommen. Es gebe keine Chance, dort eine einheitliche Nutzeroberfläche zu schaffen. Zudem gebe es nicht einmal in den USA einen landesweiten Kabelanbieter, weltweit seien die Standards noch unterschiedlicher. Der Markteinstieg sei deshalb zu kompliziert.

Link: Zusammenfassung und Videos des Interviews

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