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Der paradoxe Umgang mit persönlichen Daten

03.07.2008 | 13:32 Uhr |

Einerseits wird der Schutz und das Einhalten der Privatsphäre gefordert, andererseits neigen viele dazu, online jede Menge an Information, persönliche Fotos und Videos öffentlich zu machen.

In den USA gehen Forscher diesem vermeintlichen Paradoxon nun auf den Grund und versuchen, das menschliche Verhalten in diesem Zusammenhang genauer zu erklären. Im Zuge eines Security and Human Behavior Workshop in Boston stellte der Wissenschaftler George Loewenstein von der Carnegie Mellon University nun erste Ergebnisse vor: Unsere Privatheits-Prinzipien stehen demnach auf wackeligen Beinen. Je nachdem, wer wie und in welchem Kontext nach Daten fragt, bekommt diese mehr oder weniger leicht zugänglich gemacht, berichtet Cnet.

Dieses Verhalten sei aber nicht zwingend als paradox anzusehen, meint Hans Zeger, Obmann der Arge Daten , im Gespräch mit pressetext. "Es ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit - denn neben dem Grundrecht auf Privatsphäre gibt es auch das Recht auf freie Meinungsäußerung. Und dieses kann eben auch darin bestehen, persönliche Dinge von sich im Internet zu präsentieren." Das Recht auf freie Meinungsäußerung sei genauso zu schützen wie die persönliche Privatsphäre. "Allerdings beobachte ich mit Sorge, dass manche Datenschützer Leuten einreden wollen, sie sollten nichts mehr von sich Preis geben", so Zeger. Die größte Bedrohung komme von den Plattform- und Foren-Betreibern selbst. Diesen ginge es nicht um den Erhalt der Meinungsfreiheit, sondern um die Weiterverwendung von Daten für Marketingaktivitäten.

Die US-Forscher entdeckten im Zuge verschiedener Experimente mit Studenten, dass offenbar vor allem eine lockere, informelle Online-Atmosphäre die Bereitschaft erhöht, persönliche Informationen herauszugeben. Obwohl sich zumeist unprofessionelle oder fragwürdige Seiten, die eher eine Gefahr für den Datenschutz darstellen, auf diese Weise präsentieren, zeigten sich die Probanden dort freizügiger. Für den zwiespältigen Umgang mit der eigenen Privatsphäre gibt es laut Marit Hansen, stellvertretende Landesbeauftragte für Datenschutz in Schleswig-Holstein , durchaus psychologische Erklärungen. "Viele Personen sind auch im wirklichen Leben bereit, zum Beispiel einem Mitfahrer im Zugabteil teilweise sehr persönliche Details zu erzählen", sagt Hansen gegenüber pressetext. Wüsste jemand, dass er dieselben Leute anschließend wieder trifft, etwa als Arbeitgeber oder Kollege, würde auf das Offenbaren von Informationen verzichtet, meint Hansen.

Die angenommene anonyme Kommunikationssituation fände sich auch in der Online-Welt. "Die Nutzer fühlen ihre zahlreichen Gegenüber nicht, es gibt nicht einmal eine körpersprachliche, unmittelbare Rückkopplung", erläutert die Datenschutzexpertin. Hemmschwellen seien höher, wenn sich Leute ausgefragt fühlten, etwa aufgefordert würden, einen detaillierten Fragebogen auszufüllen, der medizinische Daten, sexuelle Vorlieben oder Suchtpotenziale erhebt. Letztlich müssen sich die Internetnutzer bewusst darüber sein, dass auch das Web ein öffentlicher Ort ist. Um weder Datenschutz noch Meinungsfreiheit zu gefährden, wäre ein Informationssicherungsgesetz von Nöten, meint Zeger. "Wenn jemand eine Plattform betreibt, auf der Menschen ihre Meinung äußern, dann müssen der Bestand der Seite, ein breites Meinungsspektrum sowie bestimmte Sicherheitsmaßnahmen gewährleistet sein." Im Missbrauch von öffentlichen Daten - etwa wenn Arbeitgeber im Netz Partyfotos ausforschen und in ihre Einstellungspolitik einfließen lassen - sieht Zeger ebenso eine Diskriminierung, wie es Benachteiligungen aufgrund von Geschlecht oder Herkunft sind. (pte)

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