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Japans Handy-Jugend beunruhigt die Regierung

27.05.2008 | 13:39 Uhr |

Die Abhängigkeit der Jugendlichen von ihrem Handy und dem damit zusammenhängenden Internetzugang nimmt in Japan bedrohliche Ausmaße an.

Kinder würden bereits im Grundschulalter zu Sklaven ihres eigenen Mobiltelefons, dem sie viele Stunden ihrer Freizeit opfern würden, gibt sich die japanische Regierung besorgt. Die Handynutzung habe ein Maß erreicht, das insbesondere für Kinder jüngerer Jahrgänge eine Reihe von Gefahren berge. Vor allem der enorm beliebte E-Mail-Verkehr sei in dieser Hinsicht problematisch. Hier seien jüngere Nutzer wesentlich unvorsichtiger als Erwachsene, was sie für Cyberattacken aus dem Netz viel anfälliger machen würde. Um dieser bedenklichen Entwicklung entgegenzuwirken, hat die japanische Regierung nun eine eigene Initiative ins Leben gerufen, die Kinder, Eltern und Schulpersonal über die Gefahren, die durch übermäßige Handy- und Internetnutzung entstehen, aufklären soll.

"In Japan sind Mobiltelefone zu teurem Spielzeug geworden", wird Masaharu Kuba, offizieller Regierungsverantwortlicher für die Initiative, in US-amerikanischen Medien zitiert. Das rasant gestiegene Ausmaß der Handynutzung habe in Verbindung mit der Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten vor allem jüngere Nutzer einer Zahl von Gefahren ausgesetzt. Mangelndes Gefahrenbewusstsein sei nicht nur in den Reihen der Kinder, sondern auch der Eltern vorherrschend. "Japanische Eltern schenken ihren Kindern Mobiltelefone ohne sich groß darüber Gedanken zu machen", kritisiert Kuba. Erschwerend komme weiters hinzu, dass Mobiltelefone als etwas sehr Persönliches wahrgenommen werden. "Eltern fällt es ausgesprochen schwer, Kinder bezüglich ihrer Handynutzung zu kontrollieren", stellt Kuba fest. Die Regierung habe deshalb vor, ein Filter-Programm zu testen, das den Zugang zum Internet für bestimmte Altersgruppen einschränken soll.

Neben der enormen Verbreitung des Handys unter Japans Jugend stellt auch insbesondere die spezifische Art seiner Nutzung ein Problem dar. So verfügt laut einer Erhebung des japanischen Bildungsministeriums rund ein Drittel der Schüler bereits in der sechsten Klasse über ein eigenes Mobiltelefon. In der neunten Klasse sind es bereits 60 Prozent. Die große Mehrheit der benutzten Geräte sind dabei sehr hochentwickelt und erlauben unter anderem die Nutzung von High-Speed-Internet. Viele Schüler müssen zudem lange Distanzen auf ihrem Weg zur Schule zurücklegen. Eltern greifen in diesen Fällen zumeist auf ein Mobiltelefon zurück, um den Kontakt zu ihren Sprösslingen aufrechterhalten zu können. Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch, dass Eltern in Japan im Durchschnitt rund 4.000 Yen (25 Euro) im Monat für die Handyrechnung ihrer Kinder ausgeben. (pte)

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