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Abgasskandal: Nachgerüstete VWs brauchen angeblich mehr Sprit

18.02.2016 | 17:04 Uhr |

Die ersten 4300 VW-Fahrzeuge mit dem manipulierten EA189-Dieselmotor wurden nachgerüstet. Einer Autozeitschrift zufolge haben einige Fahrzeuge nun einen messbar höheren Kraftstoffverbrauch.

In den USA kommt Volkswagen bei der Lösung des Abgasskandals um den Dieselmotor EA189 und dessen per Defeat Device manipulierten Stickoxid-Ausstoßes nicht wirklich voran, dort wurden noch keine betroffenen Fahrzeuge nachgerüstet. Die VW-Hauptversammlung mit der Vorlage der Bilanz musste wegen der NOx-Abgasaffäre sogar verschoben werden. Das Kraftfahrtbundesamt hat zudem wegen der Affäre rund 50 Modelle von unterschiedlichen Herstellern überprüfen lassen, die Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Nachrüstung läuft in Deutschland bereits

Für Deutschland, wo die Schadstoffgrenzwerte nicht so streng sind wie in den USA und deshalb die Nachbesserung der betroffenen Fahrzeuge weniger aufwändig ist, konnte die Nachrüstung aber bereits anlaufen. Volkswagen gab nun einen ersten Zwischenbericht zur in Deutschland laufenden Nachrüstung.

Amarok wird als erstes nachgerüstet

Laut Volkswagen sind in Deutschland drei Wochen nach dem Beginn der Umsetzung technischer Maßnahmen für die von der NOx-Thematik betroffenen EA189-Motoren mehr als 50 Prozent der ersten Welle der zurückgerufenen Fahrzeuge nachgerüstet worden. Dabei handelt es sich ausschließlich um Fahrzeuge des Pickup-Modells Amarok, das von Volkswagen Nutzfahrzeuge VWN verkauft wird. Und zwar nur um Amaroks mit dem EA189-Dieselmotor in der 2,0-Liter-Hubraum-Variante.

Bis Donnerstag, 18.2.2016, wurden rund 4300 Amarok mit einer neuen Motorsteuerungs-Software nachgerüstet, die die vermutlich bereits 2005 programmierte Schummelsoftware Defeat Device entfernen und den Motor gesetzeskonform machen soll. Damit erfüllt das Fahrzeug die erforderlichen Grenzwerte zur Einhaltung der EU5-Abgasnorm, wie VW erklärt. Eine Änderung an der Hardware ist bei diesen Modellen laut Volkswagen nicht erforderlich, um die Fahrzeuge gesetzeskonform zu machen.

Im März folgt der Volkswagen Passat mit den betroffenen 2.0 TDI-Motoren. Voraussichtlich zum Ende des zweiten Quartals 2016 wird mit den Umrüstungen bei den 1,2 Liter-Motoren begonnen. Zum Abschluss der Rückrufaktion ab dem dritten Quartal des Jahres erfolgt die Umsetzung bei den Fahrzeugen mit 1,6 Liter-Motor.

Das wird bei der Umrüstung gemacht

Für die 1,2 Liter, 1,6 Liter und 2,0 Liter-Motoren des Typs EA189 ist ein Software-Update vorgesehen, die reine Arbeitszeit nimmt laut VW weniger als eine halbe Stunde in Anspruch. Beim 1,6 Liter-Motor wird zusätzlich ein Strömungsgleichrichter im Ansaugtrakt eingesetzt, so dass für die reine Arbeitszeit, inklusive Software-Update, knapp 45 Minuten kalkuliert werden.

Angeblich höherer Kraftstoffverbrauch in zwei Fällen

Die Zeitschrift Auto Motor und Sport hat laut eigenen Angaben zwei der umgerüsteten Amaroks mit EA189-Motor (2.0 TDI mit 163 PS) nach der Umrüstung auf Leistung, Verbrauch und Schadstoffausstoß getestet. Das Ergebnis: Die Leistung blieb unverändert oder hat sich sogar leicht verbessert, der Stickoxidausstoß im realen Fahrbetrieb blieb unverändert, die beide Pickups schaffen nun aber auch ohne Software-Manipulationen das Einhalten der Schadstoffgrenzwerte auf dem Prüfstand (wo völlig realitätsferne Fahrbedingungen getestet werden). Aber: Der Kraftstoffverbrauch stieg spürbar an und zwar um 0,5 bis 0,7 Liter auf 100 Kilometer. Zumindest bei diesen beiden Fahrzeugen. Wichtig wäre nun eine Gegenprobe mit weiteren nachgerüsteten Fahrzeugen, um zu verifizieren, ob es durch die Umrüstung zu einem generellen Anstieg des Kraftstoffverbrauchs kommt.

Hintergrund

Der VW-Abgas-Skandal setzt sich nach derzeitigem Kenntnisstand also aus zwei unterschiedlichen Einzeltatbeständen zusammen:

1. Schummelsoftware beim EA-189-Motor, mit deren Entdeckung in den USA der Skandal im September begonnen hat.

2. Manipulierter Kohlendioxidausstoß und falsche Angaben zum Kraftstoffverbrauch bei Diesel- und Benzin-Fahrzeugen – diesen Betrug machten VW-Ingenieure während der internen Ermittlungen bekannt.

Die in Zusammenhang mit dem Defeat Device durchgeführte Nachrüstung hat aber nichts mit einem anderen Software-Fehler (keiner Manipulation) zu tun, der in der Software zur Energierückgewinnung steckt.


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