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Abgas-Affäre: KBA zwingt VW zum Rückruf von 2,4 Millionen Fahrzeugen

15.10.2015 | 16:48 Uhr |

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat VW zum Rückruf von 2,4 Millionen Dieselfahrzeugen gezwungen.

Update 15.10.: Kraftfahrtbundesamt (KBA) ruft 2,4 Millionen VW-Dieselfahrzeuge zurück

Der Volkswagen Konzern wird in Europa (EU 28-Märkte) insgesamt rund 8,5 Millionen Fahrzeuge zurückrufen. In Deutschland muss VW auf Anweisung des KBA rund 2,4 Millionen Diesel-Fahrzeuge mit dem Motor EA 189 zurückrufen. Außerhalb der EU wird VW individuell in jedem Land separat entscheiden, welche Abgasklassen des Motors EA 189 betroffen sind.

Ab Januar 2016 wird mit der Nachbesserung der Fahrzeuge in Deutschland begonnen. Die technischen Lösungen können sowohl Software- als auch Hardware-Maßnahmen sein. VW entwickelt gerade die Maßnahmen für jede betroffene Baureihe und jedes betroffene Modelljahr. Alle Maßnahmen werden zunächst den zuständigen Behörden vorgestellt. Danach werden die Halter dieser Fahrzeuge von Volkswagen in den nächsten Wochen und Monaten darüber informiert.

Die aktuelle Nachfolge-Motorengeneration EA 288 (Einsatz ab 2012) ist nicht betroffen.

Update: 5.10: Hier können VW-Kunden nachschauen

Auf dieser Webseite können sich VW-Kunden darüber informieren, ob ihr Fahrzeuge betroffen ist.

Update 28.9. Mitteilung von VW:

Die interne Auswertung von VW ergab, dass rund fünf Millionen Volkswagen-Pkw weltweit betroffen sind. Fahrzeuge bestimmter Baujahre und Modelle (wie zum Beispiel der Volkswagen Golf der sechsten Generation, der Volkswagen Passat der siebten Generation und die erste Generation des Volkswagen Tiguan) sind ausschließlich mit Dieselmotoren des Typs EA 189 ausgestattet.

Neuwagen der Marke Volkswagen-Pkw, die über die europaweit gültige EU6-Norm verfügen, sollen laut VW von den Manipulationen nicht betroffen sein. Also unter anderem die aktuellen Modelle des Golf, Passat und Touran.

Zu den Modellen und der Anzahl der betroffenen VW-Nutzfahrzeuge (VWN) sagte VW noch nichts. Ebenso fehlen aktualisierte Informationen für Seat und Skoda. Anders sieht es bei Audi aus, hier gibt es neue Informationen:

So sind laut Audi AG weltweit 2,1 Millionen Audi-PKWs der Modelle A1, A3, A4, A6, TT, Q3 und Q5 betroffen. In diesen Fahrzeugen verbaute Audi den TDI-Motor mit der VW-internen Bezeichnung EA 189 mit 1,6 oder 2,0 Liter Hubraum. Dabei handelt es sich immer um Euro-5-Motoren erfüllen. Aktuelle Euro-6 sind nicht betroffen. 

Hier können Audi-Kunden prüfen, ob sie betroffen sind:

Audi hat hier eine Informationsseite zu dem Abgasskandal veröffentlicht

Update 25.9.: 2,8 Millionen Autos sind in Deutschland betroffen

Wie die Zeit online berichtet, sind in Deutschland 2,8 Millionen VW-Fahrzeuge von den Software-Manipulationen betroffen. Darunter sollen sich auch leichte Nutzfahrzeuge von VWN befinden. Laut Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sind bisher Fahrzeuge mit dem 1,6- und 2-Liter-Diesel-Motor betroffen. Ob auch auf den 1,2-Liter-TDI-Motoren die Manipulationssoftware installiert wurde, steht noch nicht fest.

Update 24.9., 15.00 Uhr: Drei Top-Manager müssen gehen

Wie Spiegel Online berichtet, entlässt Volkswagen seinen Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer und den Motorenentwickler Wolfgang Hatz, der derzeit bei Porsche angestellt ist. Hatz war von 2001 bis 2009 im VW-Konzern als Motorenentwickler tätig.

Die VW-Tochter Audi trennt sich zudem von Entwicklungschef   Ulrich Hackenberg. Von 2007 bis 2013 war Hackenberg Entwicklungschef bei Volkswagen.

Von links nach rechts: Prof. Dr. Martin Winterkorn (zurückgetreten), Vorsitzender des Vorstands der Volkswagen AG, Dr. Herbert Diess, Mitglied des Konzernvorstands der Volkswagen AG, Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen Pkw, und Dr. Heinz-Jakob Neußer (entlassen), Mitglied des Markenvorstands Volkswagen, Geschäftsbereich 'Entwicklung.
Vergrößern Von links nach rechts: Prof. Dr. Martin Winterkorn (zurückgetreten), Vorsitzender des Vorstands der Volkswagen AG, Dr. Herbert Diess, Mitglied des Konzernvorstands der Volkswagen AG, Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen Pkw, und Dr. Heinz-Jakob Neußer (entlassen), Mitglied des Markenvorstands Volkswagen, Geschäftsbereich 'Entwicklung.
© VW

Heinz-Jakob Neußer hatte zusammen mit seinem Chef Martin Winterkorn seinen letzten großen Auftritt auf der IAA in Frankfurt. Ulrich Hackenberg wiederum durfte die Keynote zur ersten CES in Shanghai halten.

Außerdem berichtet der Spiegel, dass Volkswagen die US-Behörden bereits am 3. September über die Betrugssoftware in Dieselmotoren informierte. Der VW-Aufsichtsrat soll aber erst Wochen später davon erfahren haben.

Update 24.9.: VW-Konzernchef Martin Winterkorn ist zurück getreten:

Die Erklärung Prof. Dr. Martin Winterkorn im Wortlaut:

"Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen Konzern möglich waren.

Als Vorstandsvorsitzender übernehme ich die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren und habe daher den Aufsichtsrat gebeten, mit mir eine Vereinbarung zur Beendigung meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns zu treffen. Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin. Volkswagen braucht einen Neuanfang – auch personell. Mit meinem Rücktritt mache ich den Weg dafür frei. Mein Antrieb war es immer, dem Unternehmen, vor allem unseren Kunden und Mitarbeitern zu dienen. Volkswagen war, ist und bleibt mein Leben. Der eingeschlagene Weg der Aufklärung und Transparenz muss weitergehen. Nur so kann wieder Vertrauen entstehen. Ich bin überzeugt, dass der Volkswagen Konzern und seine Mannschaft diese schwere Krise bewältigen werden."

Update 22.09.2015: Eine weitere Stellungnahme von VW (im Auszug):

"Die aktuell in der Europäischen Union angebotenen Neuwagen mit Dieselantrieb EU 6 aus dem Volkswagen Konzern erfüllen die gesetzlichen Anforderungen und Umweltnormen. Die beanstandete Software beeinflusst weder Fahrverhalten, Verbrauch noch Emissionen. Weitere bisherige interne Prüfungen haben ergeben, dass die betreffende Steuerungssoftware auch in anderen Diesel-Fahrzeugen des Volkswagen Konzerns vorhanden ist. Bei der Mehrheit dieser Motoren hat die Software keinerlei Auswirkungen. Auffällig sind Fahrzeuge mit Motoren vom Typ EA 189 mit einem Gesamtvolumen von weltweit rund elf Millionen Fahrzeugen. Ausschließlich bei diesem Motortyp wurde eine auffällige Abweichung zwischen Prüfstandswerten und realem Fahrbetrieb festgestellt. Volkswagen arbeitet mit Hochdruck daran, diese Abweichungen mit technischen Maßnahmen zu beseitigen. Das Unternehmen steht dazu derzeit in Kontakt mit den zuständigen Behörden und dem Deutschen Kraftfahrtbundesamt. Zur Abdeckung notwendiger Service-Maßnahmen und weiterer Anstrengungen, um das Vertrauen unserer Kunden zurück zu gewinnen, beabsichtigt Volkswagen, im 3. Quartal des laufenden Geschäftsjahres rund 6,5 Milliarden Euro ergebniswirksam zurückzustellen. Aufgrund der laufenden Untersuchungen unterliegt der angenommene Betrag Einschätzungsrisiken. Die Ergebnisziele des Konzerns für das Jahr 2015 werden entsprechend angepasst."

Ende des Updates, Beginn der ursprünglichen Meldung:

Bis vor wenigen Tagen strahlten die VW-Verantwortlichen auf der IAA in Frankfurt noch um die Wette, VW-Konzern-Chef Prof. Dr. Martin Winterkorn kündigte eine Offensive von Elektro- und Plug-In-Hybrid-Autos an. Doch jetzt ist den VW-Managern das Lachen vergangen.

Die US-Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) hat herausgefunden, dass VW bei vielen seiner in den USA verkauften Dieselmodellen Software-Manipulationen vorgenommen hat, damit die betroffenen Fahrzeuge bei Abgas- und Emissionsmessungen bessere Werte liefern, als es im tatsächlichen Fahrbetrieb der Fall ist. Zusätzlich ermittelt mittlerweile auch die California Air Resources Board in Kalifornien, wie der Spiegel berichtet.

Kurz zusammengefasst: So funktioniert die Manipulation

VW hat auf den betroffenen Fahrzeugen eine Software aufgespielt, die erkennt, wenn eine Abgasmessung durchgeführt wird. In diesem Fall stößt das gemessene Dieselfahrzeug weniger Schadstoffe aus. Die EPA nennt diesen Mechanismus "Defeat Device", also Abschalteinrichtung.

Im normalen Fahrbetrieb dagegen emittiert der Diesel-PKW mehr Schadstoffe, von 10 bis zu 40 Mal mehr Schafstoffen ist die Rede. Damit verstößt VW gegen die geltenden Abgas- und Umweltschutzbestimmungen.

Diese VW- und Audi-Modelle sind betroffen

Insgesamt 482.000 4-Zylinder-Diesel-PKWs von Volkswagen aus den Modelljahren 2009 bis 2015 sind von der Manipulation betroffen. Konkret: Jetta, Beetle und Golf. Und der Passat seit 2014. Außerdem ist der mit dem Golf technisch weitgehend identische Audi A3 betroffen (der ebenfalls auf dem Modularen Querbaukasten beruht).

VW hat mittlerweile den Verkauf einiger der betroffenen Modelle gestoppt. Dieselmodelle machten zuletzt 26 Prozent des VW-Verkaufs in den USA aus.

Update 24.9.: Details zu den betroffenen Motoren

Betroffen von den VW-Manipulationen sind nach derzeitigem Kenntnisstand 4-Zylinder-Common-Rail-Dieselmotoren (TDI) mit der werksinternen Motorbezeichnung EA 189, die zwischen 2007 und 2013 in verschiedenen VW- aber auch Audi-Modellen ( A1, A3, A4 und A6), verbaut wurden und nach Euro 5 klassifiziert sind. Diese Motoren wurden auch in Modellen der VW-Tochterunternehmen  Skoda und Seat verbaut.

Laut Volkswagen sind die aktuell in der Europäischen Union angebotenen Neuwagen mit Dieselantrieb Euro 6 von dem Problem nicht betroffen. Sie sollen laut VW die gesetzlichen Anforderungen und Umweltnormen erfüllen.

Die in den USA beanstandete Software beeinflusst laut Volkswagen weder Fahrverhalten noch Verbrauch.Ob die manipulierte Software auch in den Motoren der Audi-Fahrzeuge installiert ist, steht noch nicht fest.

Diese Strafe droht VW

Derzeit haben die US-Behörden noch keinen Rückruf der betroffenen Modelle angeordnet. Theoretisch wäre eine Strafe von 37.500 Dollar pro betroffenen Fahrzeug möglich. Das wären insgesamt 18 Milliarden US-Dollar Strafe (derzeit zirka 15,9 Milliarden Euro) nach dem derzeitigen Stand der Anzahl der manipulierten PKWs. Allerdings erscheint es Beobachtern unwahrscheinlich, dass die US-Behörden dieses Strafmaß ausschöpfen, weil VW bereits die Vorwürfe bestätigt und seine Zusammenarbeit mit den Behörden angekündigt hat.

Vor vielen Jahren haben die US-Behörden Honda und Ford bei ähnlichen Manipulationen ertappt. Die Geldstrafen fielen damals aber relativ milde aus.

Zur etwaigen Manipulation auch in anderen Ländern wie beispielsweise in Deutschland liegen noch keine Informationen vor.

Die Aufdeckung dieser Manipulation erwischt Volkswagen in den USA zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Denn anders als die VW-Töchter Audi und Porsche und auch anders als BMW und Mercedes laufen die VW-Geschäfte in den USA schlecht, VW verkauft dort immer weniger Fahrzeuge und ist weit von seinen riesigen Verkaufserfolgen entfernt, die VW vor Jahrzehnten mit dem VW Käfer, Karmann Ghia, The Thing (VW 181 alias „Kübelwagen“), Buggy und den VW-Bussen mit luftgekühltem Boxermotor im Heck erzielt hat.

Außerdem erleidet damit die in den USA für PKWs ohnehin nur in der Nische angesiedelte Diesel-Technologie einen bösen Imageschaden, der auch andere deutsche Hersteller wie Audi, BMW und Mercedes treffen könnte.

Aktienkurs bricht ein

Der Kurs der Volkswagen-Aktie gab heute Morgen um fast 16 Prozent nach.

VW-Aktienkurs
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© Finanzen.net

Die offizielle Verlautbarung der EPA finden Sie hier in englischer Sprache.

Das sagt Volkswagen

Der Volkswagenkonzern hat die Vorwürfe der EPA bestätigt. Die Erklärung des Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, Professor Dr. Martin Winterkorn, lautet folgendermaßen:

„Die US-Behörden CARB und EPA haben die Öffentlichkeit in den USA darüber informiert, dass bei Abgastests an Fahr‎zeugen mit Dieselmotoren des Volkswagen Konzerns Manipulationen festgestellt worden sind und damit gegen amerikanische Umweltgesetze verstoßen worden ist.

Der Vorstand der Volkswagen AG nimmt die festgestellten Verstöße sehr ernst. Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben. Wir arbeiten mit den zuständigen Behörden offen und umfassend zusammen, um den Sachverhalt  schnell und transparent vollumfänglich zu klären. Hierzu hat Volkswagen eine externe Untersuchung beauftragt. Klar ist: Volkswagen duldet keine Regel- oder Gesetzesverstöße jedweder Art. Das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit ist und bleibt unser wichtigstes Gut. Wir bei Volkswagen werden alles daran setzen, das Vertrauen, das uns so viele Menschen schenken, vollständig wiederzugewinnen und dafür alles Erforderliche tun, um Schaden abzuwenden. Die Geschehnisse haben für uns im Vorstand und für mich ganz persönlich höchste Priorität.“

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