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AOL wegen Veröffentlichung von Suchabfragen verklagt

26.09.2006 | 09:05 Uhr |

Es war nur eine Frage der Zeit, dass AOL wegen der Veröffentlichung von Suchabfragen von rund 660.000 AOL-Nutzern in den USA vor den Kadi gezerrt wird. Nun ist die Zeit gekommen, drei Anwender haben Klage gegen das Unternehmen eingereicht.

AOL wird sich in den USA vor Gericht für die Veröffentlichung von Suchabfragen ihrer Mitglieder verantworten müssen. Drei Anwender aus Kalifornien und New York haben am Freitag Klage vor dem "U.S. District Court for the Northern District of California" eingereicht. Sie werfen dem Unternehmen unter anderem Verletzung der Privatsphäre und unrechtmäßige Bereicherung vor.

Die Klage fordert Schadenersatz für alle betroffenen AOL-Nutzer in den USA, deren Suchabfragen ohne ihre Genehmigung veröffentlicht wurden (also wohl alle Anwender, Anm. d. Red.). Darüber hinaus fordern die Kläger, dass das Gericht AOL anweist, keine Suchabfragen-Daten mehr zu speichern oder -Datenbanken mehr zu unterhalten und alle vorhandenen, gespeicherten Suchabfragen ihrer Anwender zu vernichten.

Die Veröffentlichung von Suchabfragen von AOL-Anwendern in den USA hat weltweit für einigen Wirbel gesorgt ( wir berichteten ) und zu Entlassungen führender Manager geführt ( wir berichteten ). Der Datensatz enthielt alle Suchabfragen, die rund 660.000 AOL-Nutzer über die AOL-Suche über drei Monate durchgeführt haben. Die Datensätze wurden dabei mit einer eindeutigen Ziffer für den jeweiligen Nutzer zusammengefasst, so dass daraus die Such-Historie der Anwender ersichtlich wurde.

Auch wenn die Daten auf diese Weise anonymisiert wurden, enthielten sie genügend Informationen, um in einigen Fällen die echten Nutzer aufspüren zu können. Dies gelang beispielsweise der New York Times, die eine betroffene Anwenderin auf diese Weise zurückverfolgt und (mit ihrer Erlaubnis) interviewt hat (wir berichteten).

In der vergangenen Woche bezeichnete Jonathan Miller, CEO von AOL, in einer Mail an seine Mitarbeiter, die dem IDG News Service vorliegt, den Vorfall als "Such-Daten-Debakel". Darüber hinaus kündigte Miller in der Mail an, zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens einen Datenschutzbeauftragten einstellen zu wollen. Zu diesem Zweck die Geschäftsstruktur von AOL neu geordnet werden, in deren Folge eine eigene Abteilung dafür zuständig sein wird, die AOL-Kunden zu "schützen", so Miller.

Dass die Veröffentlichung der Daten seitens der Anwender nicht ad acta gelegt wurde, belegen auch die Daten zu der Marktanteil-Situation der Suchmaschinenbetreiber in den USA. So war die Suche von AOL im letzten Monat die einzige Suchmaschine der fünf großen Anbieter, deren Nutzung gesunken ist. Dies geht aus Datenmaterial von Nielsen/Netratings hervor ( wir berichteten ).

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