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ALP: PalmOS auf Linux - Erste Bilder vom neuen System

04.04.2006 | 18:17 Uhr |

ALP: PalmOS auf Linux - Erste Bilder vom neuen System

Mitte 2005 war die Aufregung groß: erstmals war klar, dass Palm ein Smartphone herstellen wird, das nicht über das hauseigene Betriebssystem PalmOS verfügt - ausgerechnet der größte Konkurrent Microsoft machte das Rennen und durfte dem Treo 700w , der offiziell erst Ende September 2005 vorgestellt wurde, sein Gesicht geben. PalmSource zog die Konsequenzen aus dem missglückten Versuch, das in die Jahre gekommene System vollständig zu überarbeiten und ließ sich im Dezember vom japanischen Systemhaus Access übernehmen, das in enger Verbindung zu NTT DoCoMo steht.

Seitdem senkte sich der Schleier des Schweigens auf die Entwickler des neuen Systems; nur eins war klar: die Basis von PalmOS hatte ausgedient. Dank neuer Kraftreserven aus Japan und der Akquise des chinesischen Linux-Experten China Mobile Soft wurde der Weg für eine völlig neue Herangehensweise geebnet. Statt PalmOS-Kernel wird ein Linux-Kern das neue PalmOS befeuern. Auf dem 3GSM World Congress stellte PalmSource am Stand von ACCESS erstmals den Stand seiner Entwicklungen vor.

Demnach befindet sich das neue System, für das man bislang noch keinen offiziellen Namen gefunden hat, bereits in einer fortgeschrittenen Phase. Access nutzt die akquirierte Linux-Technologie, um eine allgemeine Betriebsplattform für mobile Endgeräte herzustellen, die sogenannte ACCESS Linux Platform ALP. Sie besteht zu großen Teilen aus OpenSource-Software: ein Linux 2.6.12-Kernel stellt das Grundsystem, für die Oberflächenelemente kommt das GIMP Toolkit GTK+ zum Einsatz, die vielen Applikationen zugrundeliegende Datenhaltung übernimmt eine textbasierte SQLite-Engine.

Über den OpenSource-Layer, den ACCESS zu großen Teilen an die Community zurückgeben will, schichtet sich das MAX Application-Framework, das Oberflächenbibliotheken bereitstellt und wichtige Smartphone-Services implementiert, darunter den SyncML-basierten Datenaustausch, Multimedia-Services und ein Framework für SMS- und EMail-Messaging. Bestes Beispiel für eine frei entwickelte Komponente sind die BlueZ-Bibliotheken, die einen Bluetooth 2.0-konformen Stack auf der ALP bereitstellen. MAX definiert grundlegende Services, die die Interaktion zwischen Nutzer und Oberfläche beeinflussen, stellt Softkey- und Touchscreenlogik bereit und wird Multithreading in den Vordergrund stellen: jeder Nutzer eines ALP/MAX-basierten Endgeräts soll sich ohne Schwierigkeiten auf seinem Telefon zurechtfinden können. Die ALP wird von ACCESS als freie Plattform zum Bau weiterer Systeme an interessierte Hersteller lizensiert, die schnell und unkompliziert ihre eigenen Ideen verwirklichen können. Auch der Quasi-Standard J2ME wird auf der ALP nicht zu kurz kommen. Die gängigen Specification Requests und eine MIDP2.0-kompatible Java Runtime werden auf jedem ALP-System selbstverständlich vorinstalliert sein.







Dass alles neu entwickelt wurde, merkt man den ersten Demos auf ausgewählten Hardwareplattformen kaum an: das erklärte Ziel von PalmSource ist es, so viel Palm-Feeling wie möglich aufs neue System zu übertragen. Vor allem Telefonie- und PIM-Funktionen werden aber optisch an die aktuellen Anforderungen angepasst. Als Browser wird ACCESS' hauseigender NetFront-Browser zur Verfügung stehen, der komfortable Blazer hat seine Lebensgeister mit höchster Wahrscheinlichkeit endgültig ausgehaucht.

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