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ADAC warnt vor Bordcomputer als Unfallursache

29.12.2014 | 13:18 Uhr |

Die leistungsfähigen Bordcomputer moderner Autos stellen eine tödliche Gefahr dar. Weil sie die Fahrer viel zu sehr ablenken. Das hat der ADAC nun mit einem Test nachgewiesen.

Der ADAC warnt vor dem Ablenkungsrisiko, das von modernen Bordcomputern ausgeht. Denn Autofahrer brauchen selbst für einfache Einstell- und Such-Tätigkeiten mit dem Bordcomputer oft viele Sekunden, in denen sie nicht auf den Verkehr achten können. Das habe ein Test des ADAC ergeben.

Testverfahren

Die Versuchspersonen mussten eine Radiofrequenz suchen und den Sender speichern, außerdem im Bordcomputer den Durchschnittsverbrauch und die Restreichweite checken. Der ADAC hat dabei gemessen, wie oft der Blick während des Bedienvorgangs von der Straße gewandt wurde und wie lange die Gesamtzeit aller Blickabwendungen war.

Die stärkste Ablenkung war für alle Probanden die Radiofrequenzsuche, wie der Test ergab. Durchschnittlich benötigten die Testkandidaten dafür elf Blicke, was in Summe eine Ablenkzeit von rund zwölf Sekunden bedeutet.

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Die Restreichweite im Bordcomputer zu checken, dauerte durchschnittlich 4,4 Sekunden und vier Blicke. Die längsten Einzelblicke betrugen dabei im Schnitt etwas über zwei Sekunden, was schon bei Tempo 50 eine Wegstrecke von knapp 30 Metern bedeutet – das entspricht etwa sechs geparkten Fahrzeugen. Bei 100 km/h sind es etwa 55 Meter und bei 130 km/h auf der Autobahn sind es sogar über 70 Meter, die der Fahrer im Blindflug zurücklegt, während er durch den Bordcomputer abgelenkt ist. Schaut man bei Tempo 130 gar vier Sekunden nicht auf die Straße, fährt das Auto in dieser Zeit fast 145 Meter weit.

Die ADAC Unfallforschung willt genau solche Unaufmerksamkeiten als achthäufigste Unfallursache identifiziert haben. Der Club rät allen Autofahrern, sich während der Fahrt nur auf den Verkehr zu konzentrieren und sich nicht von den vielen technischen Helfern ablenken zu lassen. Niemand sollte die Gefahr für sich und andere Verkehrsteilnehmer durch Ablenkung und Unachtsamkeit unterschätzen – auch nicht bei geringem Tempo.

Auch Infotainmentsysteme lenken ab

Aber nicht nur Bordcomputer, auch die damit verbundenen modernen Infotainmentsysteme lenken Autofahrer oft erheblich ab. So kann man zum Beispiel bei BMW ConnectedDrive auch bei hohem Tempo auf der Autobahn im Menü Online-Entertainment nach einem neuen Interpreten oder einem neuen Lied suchen. Mit dem iDrive. Dazu muss man aber den Bildschirm im Blick behalten. Wir haben das seinerzeit bei unserem Test von BMW ConnectedDrive Online Entertainment kritisiert. Silke Brigl, Pressesprecherin ConnectedDrive bei BMW, sah das aber anders:„Wir gehen mit dem Thema Ablenkung sehr verantwortungsvoll um und entwickeln unsere Anzeige- und Bedienkonzepte explizit für die Bedienung während der Fahrt. Jedes Feature, das wir für den Endkunden zur Nutzung während der Fahrt freigeben, wird nach höchsten Standards auf Fahrerablenkung getestet. Dies ist auch in diesem Fall geschehen und es wurde kein erhöhtes Risiko bei der Suche nach Interpreten bei Online-Entertainment festgestellt."

Brigl räumte aber immerhin ein, dass die Sprachsteuerung auch für Online-Entertainment wünschenswert sei: „Unser Anspruch ist es die Usability jedes einzelnen Dienste weiter zu optimieren. Darunter fällt auch die Ausweitung der Sprachsteuerung für existierende und neue ConnectedDrive Services.“



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