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ADAC-Leserwahl zum Lieblingsauto von 2009 bis 2014 gefälscht

17.02.2014 | 13:45 Uhr |

Der ADAC hat mitgeteilt, dass nicht nur die Gewinnerliste beim Lieblingsauto 2014/Gelber Engel gefälscht wurde. Auch in den vorausgegangenen Jahren hat der Chefredakteur der ADAC-Motorwelt die Rangliste der beliebtesten Autos Deutschlands manipuliert. Mit dem Ziel, dass möglichst viele unterschiedliche (deutsche) Auto-Hersteller in der Top-Liste vertreten sind.

Der Betrug bei der ADAC-Wahl zum Lieblingsauto wird immer schlimmer. Der ADAC hat soeben mitgeteilt, dass das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte auch bei den Wahlen zum Lieblingsauto in den Jahren 2009 bis 2013 Manipulationen aufgedeckt hat.

Teilnehmerzahlen gefälscht

Demnach hat der ADAC, konkret vermutlich der zurück getretene ADAC-Kommunikationschef und "Motorwelt"-Chefredakteur Michael Ramstetter, in den Jahren 2009 bis 2013 die Anzahl der abgegebenen Stimmen nach oben manipuliert. Um die Bedeutung der Leserwahl größer erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich ist.
 
2013: manipulative Erhöhung der Teilnehmerzahl um ca. 213.000
2012: manipulative Erhöhung der Teilnehmerzahl um ca. 274.000
2011: manipulative Erhöhung der Teilnehmerzahl um ca. 82.000
2010: manipulative Erhöhung der Teilnehmerzahl um ca. 212.000
2009: manipulative Erhöhung der Teilnehmerzahl um ca. 277.000

Rangliste gefälscht

Doch damit nicht genug. Wie schon bei der Leserwahl 2014 hat Ramstetter auch in den Jahren 2009 bis 2013 die tatsächliche Rangfolge der bestplatzierten Modelle nach seinem Belieben verändert. Im Jahr 2013 hat Ramstetter die Rangfolge der Modelle auf den Plätzen 6 bis 8 verändert, die Top-5 blieb unverändert. In den Jahren 2012 bis 2009 griff Ramstetter aber noch viel massiver in die Rangliste der Gewinnerautos ein:

ADAC-Leserwahl von 2009 bis 2013 gefälscht
Vergrößern ADAC-Leserwahl von 2009 bis 2013 gefälscht
© ADAC

Prüfbericht bestätigt schwere Manipulationen beim Gelben Engel

Laut Deloitte wurde durch „diese bewussten Veränderungen eine größere Markenvielfalt in den Top 5-Ergebnissen erreicht.“ Hier drängt sich der Gedanke auf, dass der Ex-ADAC-Motorwelt-Chefredakteur also möglichst viele potenzielle Motorwelt-Werbekunden in der Top-5 haben wollte. Zumal es sich bei den bestplazierten Modellen durchwegs um Fahrzeuge von deutschen Herstellern handelt, die traditionell in der ADAC-Motorwelt regelmäßig Werbeanzeigen buchen.
 
Für die Jahre 2005 bis 2008 konnte Deloitte keine abschließende Prüfung durchführen, da für diese Jahre keine ausreichende Datengrundlage mehr vorhanden war, um valide Ergebnisse gewährleisten zu können, wie der ADAC mitteilt. Die Untersuchungen der Ergebnisse in den übrigen „Gelber Engel“-Kategorien seit 2005 durch Deloitte dauern noch an. Eine Zusammenfassung des Deloitte-Untersuchungsberichts zur „Leserwahl 2005-2013“ ist ab sofort hier verfügbar.
 
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„Die Ergebnisse lassen vermuten, dass einzelne Personen offenbar bereits seit Jahren bei der Preisverleihung die Hersteller und die Öffentlichkeit systematisch getäuscht haben“, sagte Dr. Karl Obermair, Vorsitzender der ADAC Geschäftsführung. Karl Obermair ist übrigens von den drei zum Zeitpunkt der Aufdeckung des Skandals führenden ADAC-Köpfen der einzige, der bis heute noch im Amt ist. ADAC-Präsident Peter Meyer trat letzte Woche zurück und kam damit seiner Entlassung zuvor. Und Kommunikationschef und Motorwelt-Chefredakteur Peter Ramstetter, der nach dem derzeitigen Kenntnisstand die Manipulationen veranlasst hat, trat kurz nach der Leserwahl 2014 und der Aufdeckung des Skandals zurück. In Abhängigkeit von den Ergebnissen der Untersuchungen will der ADAC weitere rechtliche Schritte gegen den ehemaligen Kommunikationschef des ADAC vorbereitet.
 
Aufgeflogen ist der Skandal bei der Leserwahl 2014, die Ramstetter ebenfalls massiv gefälscht hat.

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